Zur Sache, meine Herren!
 

Zur Sache, meine Herren!

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Leitartikel von Marlene Auer, Chefredakteurin.

Die Auseinandersetzung über die Media-Analyse war – bei allen Emotionen und wettbewerbsgeprägter ­Absolutismen – ein Zeichen für gute Dialog- und Diskussionskultur. Worum es aber wirklich geht: Print lebt und soll weiter leben. Deswegen ist es wichtig, dass alle Medienschaffenden gemeinsam gerade Junge zum Lesen animieren.

Denn: Es gibt immer weniger Menschen, die überhaupt lesen können. Allein in Österreich gibt es 1,1 Millionen primäre und ­sekundäre Analphabeten, in Deutschland sind es 12 Millionen. Laut PISA-Daten können 40 Prozent der Zehnjährigen nicht sinnerfassend ­lesen, 70 Prozent der Schulabgänger be­herrschen zumindest eine der vier Kulturtechniken (Reden, Rechnen, ­Schreiben und Lesen) nicht. Das muss uns alle – als Staatsbürger und als Medienmenschen – betroffen machen. Und Anlass für Aktivitäten sein.

Es ist die große Herausforderung aller Medien – ob Print, TV oder Online und Multimedia – junge Menschen zum Lesen zu ­bewegen. Zum Neugierig sein. Wir sollten uns gemeinsam überlegen, wie wir Lesen und Lust am Lesen fördern. Denn das generelle Interesse und die Lust der Kids ist ja da: Zur Leipziger Buchmesse strömen sie zu Zigtausenden aus Österreich, auch das Manga-­Festival ist bei den Jungen beliebt. Sie sind ­verrückt danach, kleiden sich entsprechend, lesen Comichefte, Graphic Novels, Mixes aus Emoticons und Text – alles willkommen. Das Potenzial, dass sie auch stärker zu klassischen gedruckten Zeitungen und Zeitschriften greifen, ist also da.

Tun wir doch alle gemeinsam etwas zur Förderung der Lesekultur. Die Bildungsinstitutionen haben jahrzehntelang nur wenig ­getan. Wir haben es in der Hand: Lesefrühling muss her.
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