,Zur Qualität im Privatrundfunk'
 

,Zur Qualität im Privatrundfunk'

RTR-Studie „Zur Qualität im Privatrundfunk“ soll Erkenntnisse liefern, die eine effizientere und gerechtere Vergabe von Fördermitteln ermöglichen – VÖP fordert Aufstockung der Fördermittel.

"Die Studie zur Qualität im Privatrundfunk enthält wertvolle Hinweise, mit denen wir unsere Fördermittel für publizistische Inhalte und Ausbildungsmaßnahmen aus dem Privatrundfunkfonds noch gezielter auf den Bedarf bei den kommerziellen Rundfunkveranstaltern abstimmen können", erläutert Alfred Grinschgl, RTR-Geschäftsführer für den Fachbereich Medien, den Zweck der Untersuchung: Die im Auftrag der Rundfunk und Telekom Regulierungs-GmbH (RTR-GmbH) erstellte Studie der Universität Salzburg "Zur Qualität im Privatrundfunk" wurde am 23. April vorgestellt.

Die im Auftrag des Fachbereichs Medien der RTR-GmbH und unter Leitung des Kommunikationswissenschaftlers Josef Trappel erarbeitete Untersuchung stellt Strukturen, Arbeits- und Produktionsbedingungen bei großen, mittleren und kleinen Fernseh- und Radioveranstaltern dar.

Die Qualität publizistischer Inhalte in den Programmen der kommerziellen Radio- und Fernsehveranstalter in Österreich sei erheblich von den wirtschaftlichen Verhältnissen der Sender geprägt, so das Fazit: So bieten die großen, bundesweit und regional agierenden Veranstalter in aller Regel aktuellere, vielfältigere und professioneller aufbereitete Informationen, als mittlere und lokale Medienanbieter mit geringeren Werbeeinnahmen. Ähnlich ist vielfach das Verhältnis auch hinsichtlich der Qualifikation und Ausbildung der redaktionellen Mitarbeiter. "Gerade für den Bereich Ausbildung werden Möglichkeiten aufgezeigt, wie die Qualität der Privatsender weiter verbessert werden kann. Daher haben wir nun bereits erste Gespräche mit renommierten Ausbildungseinrichtungen aufgenommen, um vermehrt Fortbildungsangebote zu schaffen, die über das Vermitteln ,handwerklicher' Fähigkeiten hinausgehen", avisiert Grinschgl. Allerdings, so die Studie, setzen die größeren Privatsender ganz überwiegend auf fest angestellte Mitarbeiter, was zum Teil auch auf die Förderungen aus dem Privatrundfunkfonds zurückzuführen ist.

Bei den redaktionellen Programminhalten nutzen laut Studie "die großen Privatrundfunk-Veranstalter ihre finanziellen, strukturellen und personellen Vorteile durchaus, um mehr aktuell Nachrichtensendungen und andere publizistische Formate anzubieten, als die kleineren Veranstalter. Insgesamt stehen aber bei allen Anbietern eher Human-Touch- und Service-Themen sowie vereinzelt Kultur- und Kunst-Themen im Vordergrund. Kontroverse, politische Themen und eine kritische Berichterstattung sind allgemein eher unterrepräsentiert".

Bei der RTR-GmbH ist ein Fonds zur Förderung des Privaten Rundfunks sowie des Nichtkommerziellen Rundfunks eingerichtet.
Im Jahr 2012 stehen laut Grinschgl dem Fonds 12,5 Millionen Euro zur Förderung des kommerziellen Rundfunks und 2,5 Millionen Euro für den nichtkommerziellen Rundfunk aus dem Bundesbudget zur Verfügung.
Im Jahr 2013 werden die Beträge auf 15 Millionen Euro beziehugnsweise auf 3 Millionen Euro steigen.

Die Studie "Zur Qualität im Privatrundfunk" ist auf den Web-Seiten der RTR-GmbH veröffentlicht.

VÖP-Reaktion: Schwierige wirtschaftliche Rahmenbedingungen erfordern jedoch Erhöhung der Privatsenderförderung

In einer ersten Stellungnahme zum Studienergebnis dasst der Privatrundfunkverband VÖP die Ergebnisse so zusammen: "Nach Ansicht des Studienautors fällt es gerade großen Rundfunkveranstaltern aufgrund der größeren finanziellen und personellen Ressourcen tendenziell leichter, qualitätsvolles Programm zu produzieren. Kleinere Rundfunkveranstalter liefern dagegen einen besonderen Beitrag zur regionalen Vielfalt. Demgegenüber ortet der Studienautor bei kleineren Rundfunkveranstaltern aufgrund der eingeschränkten finanziellen Voraussetzungen in Einzelfällen strukturelle Probleme" - Dieses Ergebnis überrasche aus Sicht des VÖP "wenig, offenbaren sich hier doch sehr deutlich die schwierigen Rahmenbedingungen, mit denen sich Privatsender in Österreich konfrontiert sehen".

Die Tatsache, dass die über die RTR bereitgestellten Fördermittel regelmäßig überzeichnet sind, sei "ein klares Zeichen, dass der Privatrundfunkförderungsfonds aufgestockt werden sollte - Die Studie hat bestätigt, dass die bestehende Förderung sehr positive inhaltliche Impulse gesetzt hat. Doch den derzeit für Privatsender verfügbaren 12,5 Millionen Euro stehen rund 600 Millionen Euro gegenüber, die der ORF als staatliche Subvention erhält.", erläutert Corinna Drumm, VÖP-Geschäftsführerin.
"Unser Mitbewerber erhält somit 50 Mal mehr Förderung. Dieses Ungleichgewicht und die Marktdominanz des ORF verschärfen die Refinanzierungsmöglichkeiten der Privatsender in Österreich noch weiter."

Der VÖP, so Drumm, "nimmt daher die Studienergebnisse zum Anlass, eine Aufstockung der Privatsenderförderung oder alternativ eine Beschränkung der Werbemöglichkeiten des ORF zu fordern. "Dies würde wertvolle inhaltliche Impulse setzen. So könnte die Qualität der privaten Rundfunkangebote im Sinne der Hörer und Seher weiter erhöhen werden."

Der ORF hat sich indirekt zu Wort gemeldet, via orf.at, redaktionell – siehe hier.
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