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Zukunft des Fernsehens: Wrabetz-Keynote im Wortlaut

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Der ORF-General über Konvergenz, neue Medien und neue Herausforderungen

ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz hat den zweiten Tag der Österreichischen Medientage mit einer Keynote eröffnet und dabei die Herausforderungen für TV im Allgemeinen und den ORF im Speziellen skizziert. HORIZONT online bringt den Vortrag im Wortlaut:

"Fernsehen hat unsere Bilder von der Welt seit dem Zweiten Weltkrieg geprägt. TV ist das unbestrittene Leitmedium und bleibt es auch, denn 2011 war europaweit das Jahr mit dem höchsten Fernsehkonsum der Geschichte. In Österreich stieg der TV-Konsum pro Kopf im Durchschnitt auf 167 Minuten pro Tag, jeder zweite Haushalt nutzt täglich den ORF. HD-Flatscreens führten zu einem unglaublichen Investitionsboom der privaten Haushalte ins Medium TV. Fernsehen hat also Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Aber Fernsehen kann nicht nur auf seine Stärke vertrauen. Die TV-Industrie steht vor massiven Veränderungen und der Herausforderung, auf einen gigantischen Technologiesprung richtig zu reagieren: Mobile Plattformen vom Laptop über iPad bis Smartphone ergänzen die Möglichkeiten, connected TV wird die Möglichkeiten des Internets erstmals plausibel mit der Convenience des klassischen TV-Geräts verbinden. TV-Geräte erhalten einen breitbandigen Anschluss und werden zum Smart-TV. Damit kommen zusätzlich zu den klassischen Fernsehprogrammen alle nur erdenklichen Angebote aus dem Netz auf den Wohnzimmerbildschirm! Die finale Phase der Konvergenz beginnt.

Die traditionellen Fernsehanbieter werden mit bisher nicht da gewesener Konkurrenz aus dem Netz konfrontiert. Google und Apple-TV bereiten sich gerade vor, aus unserem Bildschirm, ein von diesen Giganten kontrolliertes Display zu machen. Wir sind gefordert, nicht zur austauschbaren App auf einem fremdbestimmten Schirm zu werden. Das gilt für alle TV-Unternehmen, egal ob kommerziell oder öffentlich-rechtlich. Wir müssen unsere legitimen Interessen gemeinsam definieren und durchsetzen! Wir müssen den ungehinderten Access des Publikums zu unseren Inhalten auch über das Breitband sicherstellen. Wir müssen sicherstellen, dass wir den Zugang zu für unser Publikum wichtigen Rechten haben und wir müssen unsere Wertschöpfungskette absichern.

Aber wir sind auch als Einzelunternehmen gefordert: Wir müssen dafür sorgen, dass unsere Contents auch im Status der finalen Konvergenz auffindbar bleiben: Im ORF arbeiten wir mit Hochdruck daran, dass unsere Inhalte durch Schaffung einer komplett neuen Metadatenarchitektur auch von den Suchalgorithmen der zukünftigen Suchmaschinen erfasst werden.

Smart-TV wird auch sehr stark Social-TV-Funktionen haben. Die stark ansteigende Fragmentierung der Gesellschaft führt zu einem zunehmenden Bedürfnis nach sozialem Austausch mit und über TV-Inhalte. Social TV ist die kommunikationstechnologische Antwort darauf. In der analogen Welt war der Fernsehapparat im Familienwohnzimmer das Lagerfeuer, um das sich die Familie versammelte. In der Smart-TV-Welt übernehmen die Social-TV-Funktionen die Rolle des virtuellen digitalen Lagerfeuers. Hier müssen die Bestimmungen des ORF-Gesetzes - Stichwort Facebook-Verbot - angepasst und präzisiert werden.

Weiters müssen wir die Convenience unseres Produkts erhöhen. Die technologische Entwicklung macht linear-zeitversetztes Fernsehen möglich. Also das nahtlose Zurückspulen des laufenden Programms, in der Schweiz gibt es schon entsprechende Versuche. Ähnliches würde in Österreich massive Urheberrechtsprobleme aufwerfen. Eine gemeinsame Anstrengung der österreichischen Sender gemeinsam mit österreichischen Kabelbetreibern wäre hier dennoch sehr zu überlegen.

Entscheidend für den Erfolg ist es, die digitalen Verkehrswege zu unseren Kunden zu verteidigen und zu schützen und unsere unverzichtbaren Contents zu stärken: Live-Information aus der ganzen Welt, Live-Information aus unseren Regionen, unverwechselbarer Topjournalismus, Live-Shows, Topsport und Kulturhighlights und natürlich unverwechselbare eigenständige Fiktion wie gestern wieder 'Braunschlag'. Contents wie diese bleiben auch in Zukunft eine klare Erfolgsstrategie! Mit diesen Inhalten hat Fernsehen auch in der neuen Welt der Konvergenz absolut Zukunft."
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