Zensur-Vorwürfe: Glenn Greenwald verlässt 'Th...
 
Zensur-Vorwürfe

Glenn Greenwald verlässt 'The Intercept' im Streit

screenshot: Youtube/JoeRogan

Der US-Starjournalist wirft dem von ihm gegründetem Medium "Zensur" vor. Chefredakteurin widerspricht heftig. 

Der bekannte US-Journalist Glenn Greenwald verlässt das von ihm gegründete Medium 'The Intercept' im Streit. Das gab Greenwald gestern in einer mehr als 3000-Wörter-langen Erklärung bekannt.


Als Grund nannte Greenwald, dass 'The Intercept' sich geweigert habe, einen seiner Artikel über den demokratischen US-Präsidentschaftskandidat Joe Biden und seinen Sohn Hunter Biden zu veröffentlichen, solange gewisse Passagen des Artikels nicht entfernt werden. Greenwald spricht von "Zensur". Dieser Vorgang widerspreche auch seinem Vertrag, der ihm volle redaktionelle Freiheit zusichere, so Greenwald weiter. Greenwald veröffentlichte auch einen Entwurf des Artikels, der auf Daten, die auf einem vermeintlichen Laptop von Hunter Biden gefunden worden seien.

Von "journalistischen Wurzeln abgewichen"

Bei 'The Intercept' widerspricht man der Darstellung von Greenwald deutlich: "Glenn Greenwalds Entscheidung, bei 'The Intercept' zu kündigen  beruht auf einer grundsätzlichen Meinungsverschiedenheit über die Rolle von leitenden Redakteuren bei der Produktion von Journalismus", so Chefredakteurin Betsy Reed gegenüber der New York Times. Greenwalds Erklärung strotze "voller Verzerrungen und Ungenauigkeiten - alle sollen ihn als Opfer sehen und nicht als erwachsene Person, die ausflippt."

Es sei Greenwald, "der von seinen ursprünglichen journalistischen Wurzeln abgewichen ist, nicht 'The Intercept", so die Chefredakteurin weiter.

Snowden-Leaks

'The Intercept' wurde 2013 von Greenwald, der Dokumentarfilmerin Laura Poitras und dem Journalisten Jeremy Scahill als Investigativplattform gegründet. In seiner Abschiedserklärung kündigte Greenwald an, dass er die Gründung eines eigenen, neuen Mediums erwäge.

Greenwald ist vor allem durch seine Berichterstattung über die Überwachungsprogramme des US-Geheimdienstes NSA und den Leaks des ehemaligen NSA-Mitarbeiters Edward Snowden bekannt. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung der Leaks arbeitete Greenwald noch beim Guardian. Auch über diesen ehemaligen Arbeitgeber hat Greenwald nicht nur Gutes zu sagen.

Durch seine zuletzt kontroversen politischen Standpunkte sorgte er bei seinen liberalen Lesern oft für Kopfschütteln. Zuletzt war er regelmäßig Gast in der rechten TV-Shows.

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