Zeitungsriesen rüsten zum Kampf um den Gratis...
 

Zeitungsriesen rüsten zum Kampf um den Gratiskuchen

Styria und Moser Holding planen österreichweite Wochenzeitungsgruppe – zweiter Ring unter Mediaprint-Führung soll bereits geplant sein.

Im heimischen Gratiszeitungsmarkt herrscht derzeit alles andere als Ruhe. Die Styria Medien AG und die Moser Holding sind im Begriff ihre Gratiszeitungen in einer gemeinsamen Holding zu bündeln, zum erfolgreichen Zusammenschluss fehlt nur noch die kartellrechtliche Genehmigung. Sobald diese erfolgt, werden sich die beiden Medienriesen wohl des Marktes Wien annehmen, wie seit einigen Wochen kolportiert wird. Denn Styria und Moser Holding erschließen mit ihren Gratiszeitungen wie Woche (in Steiermark und Kärnten), Kärntner Regionalmedien und Bezirksblätter (in Niederösterreich, Burgenland, Salzburg, Tirol und Oberösterreich) gemeinsam zwar beinahe ganz Österreich, allerdings fehlt im geografischen Portfolio neben dem Ländle auch noch die Bundeshauptstadt. Seit Wochen kolportierte Gerüchte besagen, dass sich der entstehende Gratisriese bei der Wiener Bezirkszeitung einkaufen wird, die der Österreichischen Post (zu 74 Prozent) und einer Investorengruppe um Otto Steixner (26 Prozent) gehören.


Neugründung als Szenario


Die zuständigen Unternehmenschefs Mag. Hermann Petz und Dr. Horst Pirker äußern sich dazu bisher jedoch höchst vorsichtig. „Natürlich soll es eine österreichweite Wochenzeitungsgruppe im Gratiszeitungsbereich werden. Und wenn man ganz Österreich als Anspruch hat, wird man Wien nicht ausschließen“, formuliert etwa Styria-Vorstandsvorsitzender Pirker, und zählt mögliche Szenarien einer Marktbearbeitung in Wien auf: „Man kann kooperieren, ein Medium kaufen oder etwas Neues gründen.“ Angesichts des – auch in Wien – herrschenden massiven Wettbewerbs im Gratiszeitungsmarkt hieße es jedenfalls: „Der Bessere setzt sich durch, wir müssen uns anstrengen um vorne dabei zu sein.“
Verhandlungen mit der Post gebe es seitens der Styria allerdings nicht, „Gespräche“ führe stattdessen Moser-Holding-Chef Petz. „Ich bin bekannt dafür, dass ich immer mit allen Marktteilnehmern rede“, bestätigt Petz. „Ob mit einem Marktteilnehmer zu irgendeinem Zeitpunkt Verhandlungen geführt werden, kann und will ich grundsätzlich nicht kommunizieren.“ Wie die Lösung für Wien aussehen wird, steht laut Petz noch offen: „Wir präferieren derzeit ein Kooperationsmodell. Auch eine Neugründung ist ein sehr realistisches Szenario.“ Für den verbleibenden Markt Vorarlberg ist seitens Styria und Moser Holding ein Kooperationsmodell mit dem Vorarlberger Medienhaus geplant.

Post-Pressesprecher Michael Homola bestätigt die Gespräche, betont jedoch: „Bisher ist nichts fix unter Dach und Fach. Wir denken über die Zukunft der Wiener Bezirkszeitung nach. Das heißt, dass es zu einer Verschiebung in den Eigentümerverhältnissen oder in der Struktur kommen kann. Der Gratiszeitungsmarkt ist gerade in Bewegung und wir müssen sehen, ob die Bezirkszeitung so wie sie jetzt aufgestellt ist, in Zukunft erfolgreich sein wird.“


Tauziehen um Wien


Moser-Holding-CEO Petz ortet „noch ein hohes Marktpotenzial“ im österreichischen Gratiszeitungsmarkt. „Insbesondere in Niederösterreich und im Burgenland gab es vor der Neugründung der Bezirksblätter teilweise gar keine Gratiswochenzeitungen.“ Darüber hinaus sei „österreichweit davon auszugehen, dass unter der Führung der Mediaprint ein zweiter Ring entsteht“ und dass diese Entwicklung „den Wettbewerb im nationalen Anzeigengeschäft beleben wird“, schildert Petz.

An Marktpotenzial in Wien glaubt auch Mag. Dieter Henrich, Geschäftsführer des Verbands der Regionalmedien (VRM): „Im lokalen Segment dürfte der Markt in Wien noch nicht so ausgeschöpft sein, obwohl es viele Player gibt.“ Eine Neugründung in der Hauptstadt würde laut Henrich angesichts der Mitbewerber Bezirksjournal, Wiener Bezirksblatt und Wiener Bezirkszeitung „auch vom Namens-USP her Sinn machen“. Für Friedrich Dungl, Geschäftsführer des Bezirksjournal, kommen die jüngsten Marktentwicklungen wenig überraschend. „Ich war mir schon seit langer Zeit sicher, dass dieser Player in Wien Fuß fassen wird. Die Zielrichtung wird dabei wohl sein, den Kunden ein Cherry-Picking mit Regionszusammenstellungen nach einem Baukastensytem anzubieten.“ Dungl glaubt eher an die angeblich vorgesehene Übernahme der Bezirkszeitung als an eine Neugründung, denn dann könnte man „als drittstärkster Marktteilnehmer einsteigen“. Das Bezirksjournal sei jedenfalls gerüstet: „Wir konnten voraussehen, worauf die Veranstaltung abzielt und haben in Wien ein starkes Bollwerk aufgestellt, massiv auf Handelsketten als Werbekunden gesetzt, auf wöchentlichen Rhythmus umgestellt und den Speckgürtel rund um die Stadt abgedeckt, um möglichst wenig Angriffsfläche zu bieten“. Die ausstehende Entscheidung durch die Bundeswettbewerbsbehörde wertet Dungl indes als „Hinweis, wie man sich den österreichischen Medienmarkt in Zukunft vorstellt und eine Erkenntnis, mit der wir weiterarbeiten können“.


Auflagenriesen im Duell



Wem ein bundesweiter Vermarktungsring von Gratisblättern mit Sicherheit auch nicht ganz egal ist, ist dem Weekend Magazin – ist doch gerade die flächendeckende Abdeckung Österreichs und damit die nationale Durchschaltungsmöglichkeit der USP des Gratismagazins, das heißt: man wird zum Teil um die gleichen nationalen Anzeigenkunden rittern. „Das Geld wird nicht mehr auf Kundenseite“, meint Herausgeber Christian Lengauer, „auch wenn wir als Magazin qualitativ hochwertiger sind, gilt es für uns in Zukunft innovativ zu sein, um diesem aufkommenden Druck standhalten zu können“. Für den gesamten Gratiszeitungsmarkt erachtet Lengauer diesen herannahenden „Riesen“ Styria-Moser als „schwerst bedenklich“, „er wird das Wachstum in diesem Sektor massiv behindern“. Als erste Stoßrichtung des Rings erwartet er einen Frontal-Angriff gegen die Kronen-Zeitung, im nächsten Schritt werde er die regionalen Gratiszeitungen an die Wand drücken.

„Wir fürchten uns zwar nicht, denn unser Geschäft ist ein Regionales mit zufriedenen Kunden“, meint Alfons Gann, Geschäftsführer des Salzburger Fensters, „erfreulich ist das Ganze für uns aber trotzdem nicht“ – nationale Durchschalter können nun den „bequemeren Weg“ gehen anstatt sich einzelne regionale Medien anzuschauen.


Parallelringe der Bundesländer



Deshalb gibt es auch bereits erste Gegenbewegungen im Markt, die ebenfalls eine Bündelung der regionalen Kräfte im Visier haben. „Wir werden die Hände nicht in den Schoß legen. Auch wir arbeiten an einem Ring“, räumt Gann ein. Es stehen zwar noch nicht alle Partner fest, „wir wissen aber von Kollegen aus Tirol und Oberösterreich, dass auch sie ein Interesse daran bekundet haben“.

Laut Tips-Geschäftsführer Josef Gruber gab es bereits einen Vorläuferplan zum jetzigen Moser-Styria-Ring, nämlich eine Art RMS-Vermarktungspalttform für Gratiszeitungen. Im Gesprächsboot saßen sowohl die Styria als auch die Mediaprint, die oberösterreichische Wimmer Holding und die Salzburger Nachrichten-Holding.

In Tirol geht man hingegen bereits eigene Wege: Die Oberländer Rundschau, alias Kurt Egger, und die Tiroler Woche mit Geschäftsführer Fredy Pfurtscheller haben sich gerade zu einem Joint-Venture zusammengeschlossen, um im gesamten Tiroler Raum als Anzeigenplattform auftreten zu können – im Westen Tirols in Imst, Landeck, Reutte und Telfs mit der Oberländer Rundschau, der restliche Teil Tirols wird in Zukunft durch die Tiroler Woche bestellt. Damit bekommen die Bezirksblätter der Moser-Holding Konkurrenz im eigenen Haus. „Das ist in der Tat so gewollt“, meint Egger.
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