Zechner: "Ich war nicht quotengeil"
 

Zechner: "Ich war nicht quotengeil"

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TV-Direktorin verteidigt Sido-Entscheidung vor dem Publikumsrat - Neuerungen angekündigt - Wrabetz: Bei Haushaltsabgabe niedrigere Gebühren

Mehr als zwei Wochen liegen nun schon zwischen den Handgreiflichkeiten von Sido und Dominic Heinzl, der ORF kommt dennoch nicht so richtig los von der Diskussion. Am Dienstag marschierte ORF-Programmdirektorin Kathrin Zechner vor dem Publikumsrat auf, um den Gremienmitgliedern noch einmal zu erklären, wie es zu dem Zwist und den darauffolgenden Entscheidungen kam, Sido zunächst zu feuern und anschließend wieder zurückzuholen. "Es war meine Entscheidung, ich halte sie für wichtig und richtig", hielt die Programmdirektorin fest. Von dem Zwischenfall habe sie nach der Klausur der ORF-Geschäftsführung mit dem Stiftungsrat am 19. Oktober erfahren (am selben Abend gab es den Eklat nach der "Großen Chance", Anm.). Tags darauf habe sie sich schriftliche Stellungnahmen von allen Beteiligten und Zeugen geholt und Sido gefeuert.

"Zwei Welten entstanden" Nach diesem öffentlich kundgemachten Entschluss seien  "zwei Welten entstanden, die mich erschüttert haben", so Zechner: Einerseits die Printmedien, "die das Symbol der Strafe unreflektiert gut geheißen haben". Daneben sei "im Internet ein Sturm der Aggression losgebrochen". Innerhalb kürzester Zeit seien "3.000 bis 4000 Blogger, Poster, und, und, und" ins Netz gegangen und hätten zur Gewalt gegen Heinzl und andere aufgerufen. "Was beim Täter (gemeint ist Sido, Anm.) dazu geführt hat, dass er mich angerufen hat und auch ins Netz gegangen ist und gesagt hat, Stopp." Parallel dazu sei die Diskussion zwischen den Streithähnen "sehr vernünftig in aller Ruhe" weitergegangen, wonach ihr Entschluss gereift sei, Sido wieder zurückzuholen. Ihr sei es wichtig gewesen, dass den wütenden Fans gezeigt wurde, dass ihre Identifikationsfigur einräume etwas falsch gemacht zu haben: "Man hat einen vollkommen authentischen mitteljungen Rapper gesehen, der einen Fehler eingestanden hat und alle seine Fans aufgerufen hat, nicht diesen Weg zu gehen, sondern so wie er daran zu arbeiten an seinem Leben, an seinen Entscheidungen." "Ich war nicht quotengeil" Dass es sich bei der kontrovers diskutierten Entschuldigung am Fernsehschirm um eine Inszenierung gehandelt habe, wies Zechner zurück. "Sie wissen ganz genau, dass ein Rapper dieser Kategorie nichts sich vorinszenieren lässt", erklärte sie den Publikumsräten. Die TV-Direktorin verwies außerdem darauf, dass die Quoten mit dem zwischenzeitlich als Sido-Ersatz fungierenden Rudi Roubinek sehr gut gewesen seien und in absoluten Zahlen sogar höher gelegen seien als die Ausgaben davor. "Ich war nicht wankelmütig, quotengeil oder was auch immer mir unterstellt wurde", sagte Zechner. Vielmehr habe sie überlegt: "Wie glaubwürdig ist die Einsicht und wie kommiuniziert man die Einsicht?" Ausbau der ZiB 20 Ansonsten kündigte die TV-Direktorin an, das Profil der beiden Sender ORF eins und ORF zwei weiter zu schärfen. Mit dem neuen Mittwochabend sei sie zufrieden, dorthin würden die jungen Seher zurückkehren. Als nächste Programmbaustelle präsentierte sie den Ausbau der "ZiB 20" zu einer "Zib 20 plus", die von 19.45 Uhr bis 20.15 Uhr dauern solle und von einer eigenen, jungen Redaktion bespielt werde. Dazu gebe es außerdem ein multimediales Pilotprojekt mit enger Zusammenarbeit mit Ö3 und ORF on. Über den Namen habe es noch keine Entscheidung gegeben, "ZiB 20 plus" sei zunächst der Projekttitel. Zechner, die als TV-Direktorin auch Herrin über die Fernsehinformation ist, brach eine Lanze für eine unabhängige Berichterstattung: "Es ist nicht ausschlaggebend. Aber wenn alle politischen Parteien empört sind, dann machen wir vieles richtig." Wrabetz:Bei Haushaltsabgabe niedrigere Gebühren ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz hat sich für den Fall der Einfühung einer generellen ORF-Haushaltsabgabe für eine niedrigere ORF-Gebühr ausgesprochen. "Das geplante System soll für 97 Prozent der Haushalte eine Vergünstigung bringen. Bei der Festsetzung eines neuen Beitrags besteht die Möglichkeit, die Abgabe günstiger zu gestalten und jene Mittel aus der ORF-Gebühr, die nun an Bund und Länder gehen, als Medienabgabe zweckzuwidmen", so Wrabetz am Dienstag vor dem ORF-Publikumsrat.
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