Wrabetz zu "Im Zentrum": "Entscheidung war re...
 

Wrabetz zu "Im Zentrum": "Entscheidung war rechtskonform"

Elisabeth Kessler
ORF-Chef Alexander Wrabetz sieht sich rechtlich auf der sicheren Seite.
ORF-Chef Alexander Wrabetz sieht sich rechtlich auf der sicheren Seite.

ORF-Chef Alexander Wrabetz verteidigt das Interview von Kanzler Werner Faymann in "Im Zentrum". ÖVP-Klubobmann will noch will vor dem Sommer eine parlamentarische Enquete einrichten.

Nachdem im Zuge der Diskussion rund um die Einladungspolitik der ORF-Diskussionssendung einzelne Stiftungsräte Anfragen an Alexander Wrabetz gestellt hatten, hat der nun darauf geantwortet. Keine große Überraschung: Wrabetz verteidigt das Einzel-Interview von Bundeskanzler Werner Faymann. "Die Entscheidung, wer in welchem Format zu welchem Thema vom ORF eingeladen wird, ist Angelegenheit der zuständigen Redaktion", so Wrabetz. Ingrid Thurnher habe das Gespräch auf "bestem öffentlich-rechtlichem Standard" geführt. "Die Entscheidung der Redaktion die Sendung in dieser Form durchzuführen war rechtskonform und im Rahmen der Programmrichtlinien."

Das hohe Publikumsinteresse unterstreiche zudem die Plausibilität der redaktionellen Entscheidung. In der Tat war das Zuschauerinteresse deutlich höher als sonst: "Im Zentrum" erreichte am Sonntagabend im Schnitt 599.000 Zuschauer und 28 Prozent Marktanteil. Zum Vergleich: Im vergangenen Jahr kam der Polit-Talk durchschnittlich auf 390.000 Zuschauer und 19 Prozent. 

Wrabetz verweist auf Merkel bei "Anne Will"



Inhaltlich begründete Wrabetz die Einladung Faymanns laut APA mit der "in ihrer Tragweite bedeutendsten Sitzung des Europäischen Rates der letzten Jahre". Erstmals seit dem EU-Beitritt sei das Verhalten des österreichischen Bundeskanzlers maßgeblich für eine Richtungsänderung der Politik auf europäischer Ebene ausschlaggebend. "Die Entscheidungen des Europäischen Rates haben substanzielle Auswirkungen auf die tatsächliche Entwicklung in Europa, auf Wahlauseinandersetzungen und die Sicherheitslage auf dem Kontinent." Zudem verwies Wrabetz auf Deutschland, wo zuletzt auch Kanzlerin Angela Merkel gleich zwei Mal für ein Einzel-Interview bei "Anne Will" antrat. 

Ein ausführliches Interview unmittelbar nach Abschluss des letztwöchigen EU-Gipfels, wie von vielen Kritikern gefordert, sei im Sinne eines Fernsehschemas "nicht planbar" gewesen, weil EU-Gipfel für gewöhnlich "open end" seien, schrieb Wrabetz an die Vertreter des obersten ORF-Gremiums.

Lopatka will Enquete einrichten



Neuigkeiten gibt es derweil auch wieder von ÖVP-Klubobmann Reinhold Lopatka. Der hatte ja alle im Parlament sitzenden Parteien eingeladen, am kommenden Mittwoch über den Programmauftrag des ORF zu diskutieren (HORIZONT berichtete). Nun hat er seine Pläne etwas konkretisiert: Lopatka will noch vor dem Sommer eine parlamentarische Enquete "Medienvielfalt und öffentlich-rechtlicher Rundfunk" einrichten. Das soll passieren, "um die Positionen der Parlamentsparteien in der wichtigen Frage der Medienvielfalt und des öffentlich-rechtlichen Rundfunks sichtbar zu machen", so Lopatka. Seit der letzten vergleichbaren Enquete im Jahr 2009 habe es "gravierende Änderungen" gegeben. So seien die Gebühreneinnahmen des ORF gestiegen, während die Marktanteile gesunken seien.
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