Wrabetz will bei Wiederwahl Info-Schiene stär...
 

Wrabetz will bei Wiederwahl Info-Schiene stärken

Elisabeth Kessler
Alexander Wrabetz will eine dritte Amtszeit.
Alexander Wrabetz will eine dritte Amtszeit.

Der ORF-Generaldirektor will unter anderem mehr "Im Zentrum"-Ausgaben als bislang zeigen und den Sender zudem für die Bevölkerung öffnen.

Die heiße Phase läuft: ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz und sein Finanzchef Richard Grasl buhlen derzeit um die Gunst möglichst vieler Stiftungsräte, die am 9. August ja den neuen/alten Generaldirektor wählen. Amtsinhaber Alexander Wrabetz dürfte bei seinem Konzept für die Zukunft des ORF einen großen Schwerpunkt auf den Informations-Bereich legen. So kündigt er nun in einem Interview mit der Gratis-Tageszeitung "Österreich" an, die Info-Schiene stärken zu wollen. 

So soll unter anderem das viel kritisierte Früh-Format "Guten Morgen Österreich" weiterentwickelt werden. Das Format soll laut Wrabetz "flexibler und aktueller" werden. Richard Grasl hatte das Format zuletzt wegen der fehlenden Aktualität beim Brexit öffentlich kritisiert. Darüber hinaus will Wrabetz ORF III "ausbauen und weiterentwickeln" sowie bei ORF eins verstärkt auf Information setzen - "auch mit Erklär- und Magazinformaten, die zur schnelllebigen Online-Welt passen".

Das wohl größte Projekt: Auch bei ORF 2 soll die Information ausgebaut werden. Wrabetz: "In unserer bewegten Zeit ist ein einziges 'Im Zentrum' pro Woche zu wenig." Denkbar wären etwa zusätzliche Diskussionsformate im Anschluss an die "ZiB 2", so der Generaldirektor weiter. Vorbild hier könnte Das Erste aus Deutschland sein: Hier laufen an fast jedem Abend Talkshows. 

Einen zentralen Chefredakteur schließt Wrabetz weiter aus, hier sei es zuletzt zu Missverständnissen gekommen. "Ab 2020 werden alle Journalisten des ORF in einem zentralen Newsroom arbeiten – und für so einen Newsroom braucht man einen 'Fahrdienstleiter', der das organisiert. Aber einen zentralen Chefredakteur will ich sicher nicht, den habe ich vor zehn Jahren nach der Ära Lindner/Mück abgeschafft – sondern ich will unabhängige Redaktionen für jeden Sender." Auch einen zentralen Infodirektor würde es in der nächsten ORF-Geschäftsführungsperiode unter Wrabetz nicht geben. Er wolle "verschiedene starke Chefredakteure".

Dialog mit den Bürgern

Wrabetz will darüber hinaus in Zukunft verstärkt mit dem Publikum kommunizieren und ihnen den ORF näher bringen. Um das zu schaffen, will er bereits ab Herbst "Townhall-Meetings" veranstalten, bei denen sich die ORF-Führung den Fragen der Bevölkerung stellt. "Jeder kann offen sagen, wie er den ORF will." Das könne dann auch Teil des Programms werden, stellt Wrabetz in Aussicht.

Der Herausforder von Wrabetz, sein bisheriger Finanzchef Richard Grasl, hatte erst in der vergangenen Woche einen kleinen Einblick in seine zukünftigen Pläne gegeben. Gegenüber HORIZONT verriet Grasl unter anderem, dass er bei seinem geplanten Board-System auch die Landesdirektoren mit einbeziehen will (HORIZONT berichtete). 
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