Wrabetz warnt vor Erlösbeschränkungen für ORF
 

Wrabetz warnt vor Erlösbeschränkungen für ORF

ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz: Werden die von VÖZ und VÖP geforderten Erlösbeschränkungen für den ORF umgesetzt, wäre der ORF "definitiv nicht mehr in seinem Leistungsumfang zu erhalten".

ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz hat am 9. Juni im Publikumsrat vor weiteren Erlösbeschränkungen für den ORF gewarnt, wie sie der Verband Österreichischer Zeitungen (VÖZ) sowie der Verband Österreichischer Privatsender (VÖP) fordern. Die Streichung der TV-Werbung ab 20.00 Uhr würde den ORF knapp 100 Millionen Euro kosten, die Abschaffung des Durchrechnungszeitraums weitere elf Millionen und das Ende der Onlinewerbung 20 Millionen Euro. Der ORF wäre dann "definitiv nicht mehr in seinem Leistungsumfang zu erhalten", so Wrabetz.







Dass die Regierung die Summe, die dem ORF so entgehen würde, in Zeiten wie diesen zurückerstatten würde, hält Wrabetz für "illusorisch". Im kommenden Jahr muss der ORF 81 Millionen Euro sparen. Mit gestrtigen Tag begannen laut Wrabetz Verhandlungen mit dem Zentralbetriebsrat über eine Reduktion der Pro-Kopf-Kosten. Laut Wrabetz befinde sich der ORF in dem Dilemma, dass nicht nur die Werbeeinnahmen sondern auch die Marktanteile - wenn auch leicht - zurückgehen. Von Jänner bis Ende Mai lag der Marktanteil der ORF-Sender bei 38,8 Prozent - im Vorjahreszeitraum waren es 39,6 Prozent. "Nur dort, wo wir eigenes, rein österreichisches Programm spielen, haben wir kein Problem", konstatierte Wrabetz.







Allerdings sei ausgerechnet das Programm und hier vor allem die Eigenproduktionen teuer. "Wenn wir unsere Eigenproduktionen steigern wollen, dann wird das Geld kosten", so Wrabetz. Den Publikumsvertretern rechnete der ORF-Chef vor, dass ein österreichischer Spielfilm wie etwa eine Ausgabe der Serie "Tatort" rund 1,5 Millionen Euro kosten würde. Eine Folge einer heimischen Serie sei mit rund 655.000 Euro dotiert. Im Vergleich dazu kostet etwa ein Hollywood-Blockbuster rund 90.000, ein Hollywood-Film 40.000 und eine US-Serie pro Folge 5.300 Euro.







Der ORF leiste sich daher oftmals eher Koproduktionen und diese hätten laut Filmchef Heinrich Mis "gewisse Mängel". In vielen Fällen investiere der deutsche Kopartner mehr Geld und habe daher auch bei Darstellern und Ausdrucksweise das Sagen. So komme es vor, dass ein Film, der in einem österreichischen Dorf spielt, mit deutschen Schauspielern besetzt ist, die beim heimischen Publikum nicht ankommen beziehungsweise nicht mehr die österreichische Identität widerspiegeln. Derzeit investiere der ORF rund 35 Millionen Euro in die ORF-TV-Hauptabteilung von Mis.







Für die Zukunft müsse man zusehen, dass man nicht an der falschen Stelle spare und so "die Mittel für den ORF-Film ausgehen", sagte Programmdirektor Wolfgang Lorenz. Schon jetzt erzeuge man "für das wenige Geld, das wir haben, ein Maximum an Programm". Das Vergabevolumen an österreichische Produzenten sei zwar rückläufig, aber immer noch hoch, so Wrabetz. Im Vorjahr flossen knapp 100 Millionen Euro - heuer werden es voraussichtlich 85 Millionen sein. Im Jahr 2010 werde sich dieses Volumen voraussichtlich noch einmal verringern.







Lorenz betonte, dass hier das "Anstaltswohl vor Produzentenwohl" gehe. "Nur zu sagen, der ORF muss die Produzenten retten, auch wenn er selbst zugrunde geht, geht nicht. Aber so weit ist es nicht." Wrabetz verteidigte sein Vorhaben, das Film- und Fernsehabkommen, das der Förderung des Kinofilms dient, auslaufen zu lassen. Man müsse an jenen Leistungen sparen, die nicht direkt mit Fernsehen, Radio und Internet zu tun haben. Wrabetz stellte aber in Aussicht, dass er einen Prozentsatz der von Bundeskanzler Werner Faymann versprochenen Gebühren-Teilrefundierung dem Film- und Fernsehabkommen widmen würde.





(Quelle: APA)
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