Wrabetz steht zu ORF-Wahlberichterstattung
 

Wrabetz steht zu ORF-Wahlberichterstattung

Ein "Zweizeiler" ORF-Reform reicht - "Denkunmöglich, dass sich eine Regierung nicht Debatten stellt" - "Während die Metaller streiken, lösen wir unsere Probleme im Unternehmen"

ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz steht trotz des kolportierten Grants von SPÖ und ÖVP auf die ORF-Wahlberichterstattung weiter zu den TV-Wahlkonfrontationen. "Der ORF hat dieses Konzept seit 1994. Ich finde es richtig, und dazu stehe ich auch", sagte Wrabetz im Interview mit der Tageszeitung "Der Standard".

Dass die Vielzahl der TV-Duelle vor allem der Opposition geholfen habe, findet der ORF-Chef nicht. "Manche der zu Konfrontationen geladenen Oppositionsparteien haben gewonnen, manche verloren, die Neos waren nicht dabei und kamen in den Nationalrat. Die These kann also nicht stimmen. Für mein Verständnis von öffentlich-rechtlichem Rundfunk ist es denkunmöglich, dass sich eine Regierung nicht Debatten stellt oder nur die Regierung diskutiert. Im deutschen Fernsehen hat auch die Regierungschefin mit dem Oppositionschef diskutiert. Aber klar ist auch: Ob Politiker ins Fernsehen kommen, liegt in ihrem Ermessen", so Wrabetz.

"Die Geschäftsführung ist bis 2016 gewählt"

Einen Austausch der ORF-Führung durch die Regierung oder die Installierung eines Zweiervorstands fürchtet Wrabetz jedenfalls nicht, wie er dem "Standard" erklärte. "In vielen Bereichen im Land gibt es was zu tun, in einem läuft es ganz gut - warum sollte man dort Großes ändern? Der ORF ist derzeit das erfolgreichste öffentlich-rechtliche Unternehmen in Europa und im Programm wie auch finanziell gut aufgestellt. Da gab es schon andere Zeiten. Daher gehe ich davon aus, dass man an den Grundparametern der Unternehmensaufstellung nichts ändern wird. Die Geschäftsführung ist bis 2016 gewählt."

Ein Problem durch die derzeitige Alleingeschäftsführung gebe es darüber hinaus nicht. "Ich renne ja nicht täglich mit dem Flammenschwert des Weisungsrechts durchs Haus. 90 Prozent der Entscheidungen treffen wir einvernehmlich, manchmal treffe ich Richtungsentscheidungen wie ORF III." Generell schließe er aber auch einen Zweivorstand nicht aus. "Ein Modell mit zwei Generaldirektoren wird wohl niemand meinen, das ist ja absurd. Andere Veränderungen muss man sich anschauen, was sie bringen und kosten."

An Sparmaßnahmen führt kein Weg vorbei

An den geplanten Sparmaßnahmen des Senders führe laut Wrabetz derzeit kein Weg vorbei. "Wenn die öffentliche Hand dem ORF weniger Geld geben will, dann merkt man das auch bei den Leistungen. Jetzt geht es um ein austariertes Gesamtpaket, um bestmöglich den Auftrag und die Quoten aufrechtzuerhalten, und damit die Werbefinanzierung. Während die Metaller streiken, lösen wir unsere Probleme im Unternehmen - mit einem 15-Millionen-Sparpaket mit der Personalvertretung." Wrabetz selbst verzichtet im Rahmen des Sparpakets auf seinen bereits reduzierten Bonus. "Damit verzichte ich auf 10.000 Euro, sicher der größte Betrag hier, und das ist richtig so."

Wrabetz gegen große Änderungen im ORF-Gesetz

Von der künftigen Regierung wünscht sich Wrabetz keine großen Änderungen im ORF-Gesetz. "Ein Zweizeiler reicht, um die Gebührenrefundierung im Gesetz zu beschließen." Auch beim ORF-Stiftungsrat hält der ORF-Chef nichts von großen Änderungen. "Ein Denkmodell ist: ein breit, pluralistisch besetztes Gremium für die großen Entscheidungen: Budget, Gebühren, Personal. Darunter ein aufgewerteter Finanzausschuss für das Tagesgeschäft. Die Zusammensetzung unserer Gremien entscheidet ohnehin die Politik. Aber die echten Fragen - Geld und Gebührenrefundierung - wird man nicht durch weniger Stiftungsräte lösen", so Wrabetz im "Standard".

(APA)
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