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Wrabetz hält Protest der Ö1-Mitarbeiter für "unangemessen"

Personalchef soll disziplinäre Schritte prüfen - Betriebsrat unterstützt SOS-Ruf - "Licht"-Doku laut Wrabetz "inhaltlicher Schwachsinn" - Stiftungsrat nahm Plan B zur Kenntnis

Der öffentliche Protest der Ö1-Mitarbeiter gegen Sparmaßnahmen in ihrem Sender beschäftigte am Donnerstag auch den ORF-Stiftungsrat. ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz zeigte sich jedenfalls über das Vorgehen der Mitarbeiter, die ein Protestvideo veröffentlicht hatten, empört. Er halte den Protest für "unangemessen". Der ORF-Personalchef solle nun disziplinäre Schritte prüfen, sagte Wrabetz am Rande der Sitzung. Verständnis gab es hingegen von Zentralbetriebsratsobmann Gerhard Moser, der meinte, man könne nicht früh genug aufschreien.

"Man kann über Formen des Protestes von Mitarbeitern des ORF meinetwegen geteilter Meinung sein. Aber dass sich sowohl mehrere Stiftungsräte als auch die Geschäftsführung verwundert zeigen, dass es zu Protesten kommt, ist gelinde gesagt hanebüchen", so Moser zur APA. Die Einsparung von Sprecherdiensten in der Nacht bedeute Einkommenseinbußen und zwar für Mitarbeiter, die ohnehin alles andere als gut bestallt sind, und deren Beschäftigungsverhältnisse auch rechtlich prekär sind. Laut Wrabetz handle es sich bei diesen Einsparungen um 35.000 Euro jährlich, das seien 0,01 Prozent des Ö1-Jahresbudgets.

Moser betonte indes, dass die Belegschaft von Ö1 sowie die gesamte ORF-Belegschaft - Freie Mitarbeiter ebenso wie Angestellte - seit langem gegen den massiven Sparkurs im ORF protestieren. "Dass es bei Fortsetzung dieses Kurses und der nach wie vor ungeklärten Frage der Gebührenrefundierungen ab 2014 auch zu einer Beschädigung des Informations- und Kultursenders Ö1 kommen kann, ist leider nicht von der Hand zu weisen, und daher kann man gar nicht früh genug aufschreien."

Wrabetz über "Licht"-Doku: "natürlich ein inhaltlicher Schwachsinn"

Thema der Sitzung war auch die umstrittene Dokumentation über "Lichtnahrung" unter dem Titel "Am Anfang war das Licht", die am Mittwochabend um 20.15 Uhr ausgestrahlt wurde und in Sozialen Medien einen regelrechten Shitstorm ausgelöst hatte. Tenor war die Frage, weshalb der ORF eine inhaltlich derart umstrittene Dokumentation überhaupt und dann zur besten Sendezeit ausstrahlt. Im Stiftungsrat gingen die Meinungen dazu dem Vernehmen nach auseinander. Wrabetz selbst distanzierte sich von der Dokumentation, über die er sagte, dass sie "natürlich ein inhaltlicher Schwachsinn" sei. Man habe aber versucht, dies in der anschließenden Diskussion herauszuarbeiten, so Wrabetz.

Einsparungen: Plan B vorgestellt

Vorgestellt wurde außerdem Plan B, also jene Einsparungen die getroffen werden müssten, sollte die Fortsetzung der Gebührenrefundierung nicht kommen. 76 Millionen Euro müssten demnach im nächsten Jahr insgesamt gespart werden, 20 Millionen müssten dabei wohl aus dem Bereich Personal kommen, 20 weitere aus Einsparungen bei österreichischen Produktionen. Denkbar wäre, dass "Bundesland heute" am Wochenende wieder zu einer bundesweiten Sendung zusammengefasst, ein Korrespondentenbüro geschlossen wird, das Radio-Symphonieorchester billiger aufgestellt und das Radiokulturhaus eventuell ganz geschlossen wird. Auch neue Übertragungswägen könnten im Worst-Case-Szenario erst einmal nicht angeschafft werden, war zu hören.

Laut Stiftungsratsvorsitzender Brigitte Kulovits-Rupp handle es sich um ein Paket von möglichen Maßnahmen das vom Stiftungsrat zur Kenntnis genommen wurde. Im Juni könnte es demnach erste konkrete Beschlüsse geben, für den Fall, dass es notwenig ist, bereits unterjährig Maßnahmen zu setzen.

(APA)
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