Wollen Konsumenten Interaktivität?
 

Wollen Konsumenten Interaktivität?

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Was der TV-Kunde letztendlich wirklich will - darüber gab es unter den Experten keine Einigung. (c)Peter Svets
Was der TV-Kunde letztendlich wirklich will - darüber gab es unter den Experten keine Einigung. (c)Peter Svets

Experten waren sich uneins darüber, ob die TV-Welt nun eine Revolution erlebt oder nicht.

Mobile-TV, IPT-TV, Peer-toPeer-TV sind neue Technologie, die der Konsument gerade zu entdecken und zu nutzen beginnt. Doch wird die Fernsehwelt dadurch revolutioniert? Diese Fragen stellten sich der deutsche Medienexperte und Publizist Werner Lauff, Boris Nemsic (Mobilkom Austria), Klaus Ebert (Axel Springer Digital TV), Harald Himmer (Alcatel-Lucent), Thomas Hintze (UPC Austria), Beat Knecht (Zattoo Europe) und Berthold Thoma (Drei) in einer von HORIZONT-Chefredakteur Sebastian Loudon moderierten Diskussion.

Ein klares „Nein“ auf diese Frage gab Lauff in seinem Eingangsstatement. „Die Auswahl und Vielfalt im klassischen Fernsehen hat sich zwar erhöht, neue Formen wie You Tube kommen aber ohne klassische TV-Inhalte gar nicht aus.“ Es wären vielmehr neue Darstellungsformen für TV-Inhalte wichtig. Zottoo-Mitbegründer erläuterte den Zuhörern sein in Österreich noch nicht empfangbares Web-TV-Angebot. „Wir haben eine Software-Lösung entwickelt, die TV am PC ganz ohne Zusatzgeräte möglich macht.“ Ja nach Land könne man dem User 20 bis 60 Kanäle bieten. „Gemessen an den gestreamten Videominuten sind wir in der Schweiz schon vor You Tube“.Der durchschnittliche User würde 400 Minuten pro Monat Zatoo nützen. Werbung auf Zatoo ist nur dann zu sehen, wenn der User den Player startet (30 Sekünder) oder wenn er auf einen anderen Sender umschaltet (10-Sekünder). „Unsere Banner werden im Durchschnitt zehnmal so häufig angeklickt, wie normale Web-Banner“, verrät Knecht.

Klaus Ebert ist davon überzeugt, dass die Revolution im TV vom Nutzer und nicht von einer Technologie ausgeht. „Aus der klassischen Lagerfeuernutzung ist eine virtuelle geworden, die Menschen versammeln sich nicht mehr nur real, sondern zunehmend im Netz.“ Axel Springer TV selbst beschäftigt sich damit, Bewegtbilderproduktionen oder auch nur –rechte zu verkaufen. Im letzten Jahr war man damit beschäftigt, alle Marken (wie etwa Bild) des Springer-Konzerns im Internet mit Bewegtbildern auszustatten.

Für Boris Nemsic gibt es die klassische TV-Welt schon längst nicht mehr. „Es gibt hier keine Ordnung mehr, es herrscht Chaos und das ist gut so, weil der Kunde davon profitiert.“ Das klassische TV würde nach einem Muster gemacht, dass es in der Form gar nicht mehr im Alltag gibt. „Nur sehr wenige kommen immer um 17 Uhr von der Arbeit nachhause.“ Interaktivität sei das neue Erlebnis, das von den Kunden nachgefragt wird – egal ob dies im Web, am Handy oder im TV statt findet. UPC-Mann Hintze setzte diese Ansicht die Erfahrungen entgegen, die er im eigenen Call Center gemacht hat. „Interaktivität ist nicht alles. Als wir im Jahr 2001 damit gestartet sind, war es ein Flop.“ Viele Zuseher würden sich noch klassisches TV wünschen. Der Elektronische Programm Guide würde viele Kunden noch überfordern.

Drei-CEO Thoma warf ein: „Je jünger die Kunden, desto weniger traditionell ist deren Mediennutzung.“ Er erwartet sich von Handy-TV und das eben erst ausgebaute mobile IP-TV sehr viel. „Wenn man etwas neues einführt, dann muss man den Kunden vom Bekannten ins Unbekannte führen“, meinte Orange-Boss Krammer. Deshalb sei es auch legitim, dass man über DVB-H Programme wie ORF anbiete. „Wir können die Kunden nicht zu Beginn nur mit Made-for-Mobile-Programmen schockieren.“ Krammer bekrittelte, dass die technische mögliche Interaktivität und Individualisierung bei den Mediaplanern und Werbern noch überhaupt nicht angekommen sei. „Hier ist ein Umdenken unumgänglich, damit TV auch in Zukunft überhaupt noch möglich ist.“ Schließlich würden selbst Pay-TV-Sender nicht ganz auf die Einnahmen von Werbung verzichten können. Lauff warf ein, dass Spartenkanäle, die ja Individualisierung und Reduzierung der Streuverluste ermöglichen, zumindest in Deutschland noch nicht sehr erfolgreich wären. Krammer konterte: „Allerdings ist auch viel Werbegeld von TV zu Google gewandert.“

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