'wochenblick.at': Presserat warnt vor irrefüh...
 
'wochenblick.at'

Presserat warnt vor irreführender Berichterstattung

Presserat

Die Senate stellten gleich in mehreren Fällen medienethische Verstöße auf wochenblick.at fest. 

Gleich drei Artikel auf wochenblick.at verletzen Punkt 2.1 des Ehrenkodex für die österreichische Presse, so ein Urteil des Presserats. Er warnt vor irreführender Berichterstattung auf dem Nachrichtenportal, die Verstöße umfassen Gewissenhaftigkeit und Korrektheit in Recherche und Wiedergabe von Nachrichten (Punkt 2.1 des Ehrenkodex) und zusätzlichen einen Verstoß gegen Persönlichkeitsschutz (Punkt 5 des Ehrenkodex) in dem Artikel über den damaligen Gesundheitsminister Rudolf Anschober. Betroffen sind die Artikel „Gesichtserkennungs-Software bestätigt: Antifa bei Kapitol-Stürmung“, „Impf-Sachverständiger: ‚Diese Impfung ist eine Lüge und Riesenbetrug‘“ und „Gesundheitsminister Anschober huldigt dem ‚Kreis des Bösen‘“: 

"Im Artikel 'Gesichtserkennungs-Software bestätigt: Antifa bei Kapitol-Stürmung', erschienen am 07.01.2021, wird festgehalten, dass laut US-Medien bei der 'Kapitol-Stürmung' in Washington D.C. auch Antifa-Mitglieder dabei gewesen sein sollen – dies sei mit einer Software zur Gesichtserkennung festgestellt worden. An einer späteren Stelle im Artikel heißt es, dass diese Ansicht inzwischen korrigiert worden sei. Nach Meinung des Senats 3 war es dem 'Wochenblick' offenbar ein Anliegen, die ursprüngliche fehlerhafte Berichterstattung aufrecht zu erhalten: Trotz Widerrufs der US-Medien heißt es in der Überschrift und im Vorspann nach wie vor, dass eine Gesichtserkennungs-Software die Antifa bei der Kapitol-Stürmung bestätige. Das Medium wollte anscheinend von der ursprünglichen Version der Geschichte nicht abgehen.

Im Artikel 'Impf-Sachverständiger: ‚Diese Impfung ist eine Lüge und Riesenbetrug'', erschienen am 04.02.2021, wird ein Interview mit einem Grazer Allgemeinmediziner wiedergegeben. Darin führt der interviewte Arzt u.a. aus, dass man 'Giftstoffe' spritze und die Impfung gegen das Coronavirus die 'Spitze des Impfwahnsinns' sei. Zu diesem Artikel hält der Senat 2 des Presserats fest, dass Medien bei der Wahl ihrer Interviewpartnerinnen und Interviewpartner prinzipiell frei sind und im Rahmen eines Interviews auch fragwürdige Ansichten veröffentlicht werden dürfen. Bei besonders drastischen Wortmeldungen kann es jedoch zusätzlich erforderlich sein, dass das Medium das Zitat entsprechend kontextualisiert oder sich von diesem ausreichend abgrenzt. Im vorliegenden Fall wäre es somit erforderlich gewesen, die fragwürdigen Behauptungen des Interviewpartners zu kontextualisieren und außerdem darauf aufmerksam zu machen, dass er als Arzt äußerst umstritten ist.

Im Artikel 'Gesundheitsminister Anschober huldigt dem ‚Kreis des Bösen‘', erschienen am 22.02.2021, wurde über eine 'verhängnisvolle Agenda 2030' berichtet, durch die der 'ur-kommunistische Gedanke der Gleichmacherei' weltweit umgesetzt werde. Auch der (ehemalige) Gesundheitsminister Rudolf Anschober sei dabei und trage das Symbol der Agenda, den 'Kreis des Bösen', bereits seit 2019 am Revers; später ist im Artikel von einer 'teuflischen Agenda' die Rede. Nach Auffassung des Senat 1 enthält der Artikel mehrere Formulierungen, die Angst schüren sollen, außerdem wird auf eine derzeit verbreitete Verschwörungstheorie rund um das Coronavirus angespielt: Nämlich auf die Idee des 'Great Reset', die eine globale Verschwörung hinter COVID-19 suggeriert. Nach der Entscheidungspraxis der Senate des Presserats ist die (unreflektierte) Wiedergabe einer Verschwörungstheorie klar als Verstoß gegen den Ehrenkodex zu werten."

Die Medieninhaberin von wochenblick.at habe in allen drei Fällen nicht am Verfahren des Presserats teilgenommen, wurde aber von den Senaten aufgefordert, die Entscheidung freiwillig zu veröffentlichen oder darüber zu berichten. 

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