Wo NÖ liest und surft
 

Wo NÖ liest und surft

Die Kaufkraft ist hier statistisch gesehen so stark wie nirgendwo – doch das Land und seine Bewohner sind ebenso vielfältig wie die Printmedien

Dieser Artikel erschien bereits am 26. Juni im "Niederösterreich"-Dossier der HORIZONT-Printausgabe 26/2015. Hier geht's zur Abo-Bestellung.

An die Niederösterreichischen Nachrichten kommt in ihrer Klasse bei Weitem keiner ran. 523.000 Leser jede Woche, und das für eine Wochenzeitung. Damit ist sie traditionell das mit Abstand meistgelesene Kauf-Printprodukt des Landes. Die NÖN hielt auch in der jüngsten Media-Analyse ihre marktbeherrschende Stellung – das wohl auch wegen der Abwesenheit einer regionalen Tageszeitung. Geschäftsführer und Chefredakteur Harald Knabl stockte im Vorjahr das Redaktionsteam sogar um 23 Personen auf und will, auf dass die Stellung der NÖN und ihr wirtschaftlicher Erfolg und jener beim Leser weiter gedeihen, will neben Lokalem und Regionalem mit Sport noch mehr punkten. 

Im Bereich der Kauftitel lässt die NÖN damit etwa auch die ­Niederösterreich-Krone hinter sich. Diese hat 467.000 – wenn auch tägliche – Leser und eine Reichweite von 33,7 Prozent; das sogar ohne eigenen Redaktionsstandort im Land. Auf Rang drei folgt in diesem Markt in Niederösterreich der Kurier mit ­einer Reichweite von 14,1 Prozent und 196.000 Lesern (siehe Interview mit GF Thomas Kralinger hier).

Der Standard (4,9 Prozent) und Die Presse (4,3 Prozent) sind weitere Kaufzeitungen nach dem Geschmack der Nieder­österreicher. Der Gratistitel Heute kommt im Vergleich auf beachtliche 20,9 Prozent Reichweite und man will noch mehr: Redaktionsseitig sorgen Joachim Lielacher und sein Team in St. Pölten täglich für zusätzlichen regionalen Inhalt. Das NÖ-Sales Team unter der Leitung von  Christoph Lenzbauer  entwickelt speziell für die im Land ansässigen Kunden Werbeaktionen. „Für Kunden aus Niederösterreich mit in Wien ansässigen Zielgruppen ist natürlich auch die Marktführerschaft von Heute in Wien ein wichtiger Faktor“, weiß Geschäftsführer Gernot Fischer.

Österreich, aus derselben Gratis-Kategorie, erreicht im Land 11,2 Prozent. Bei den nicht täglich erscheinenden Gratiszeitungen sind die Bezirksblätter, die von fast jeden zweiten Niederösterreicher, somit von 689.000 Personen, gelesen werden. Diese Zahlen machen das zum Verband der Regionalmedien Austria RMA gehörenden Produkt auch zum meistkonsumierten Printtitel im Land. Neuer Player dringt vorZunehmende Konkurrenz in Niederösterreich kommt aus dem Nachbarland: Das oberösterreichische Tips, dort seit zehn Jahren Nummer eins am Markt, kommt in der Media-Analyse 2014 in Niederösterreich mit ­seinen regionalen Ausgaben für immer mehr Bezirke schon auf 14 ­Prozent Reichweite und hat nun Geschäftsstellen in weiteren Be­zirken eröffnet. 34 sind es insgesamt in Oberösterreich, Niederösterreich und dem Burgenland. Jetzt ex­pandiert man auch in Form von ­Gratis-Hochglanz-Magazinen in weitere Regionen Niederösterreichs. 

NÖ ist bestes auto-touring-Revier

Von den Wochen- und Monatstiteln hat auto touring, das Clubmagazin des ÖAMTC, die größte Reichweite (29,8 Prozent) in Niederösterreich. Das ist zudem die größte Reichweite von auto touring unter allen Bundesländern. Im Vergleich dazu erreicht das ARBÖ-Magazin Freie Fahrt 5,4 Prozent in Niederösterreich. Das monatliche und ebenso wie die beiden zuvor genannten gratis erhältliche Magazin Gesund + Leben in NÖ wird von 17 Prozent der Niederöster­reicher ge­lesen. 

Enges Rennen bei Kaufmagazinen

Nummer eins bei den Kaufwochenzeitungen und -magazinen ist auch in Niederösterreich Die ganze Woche (Reichweite 12,7 Prozent), knapp ­gefolgt von tv-media (12,3) und von Servus in Stadt & Land (11,4). Da­hinter rangiert das ebenso wie das Letztgenannte aus dem Haus Red Bull ­Media stammende Red Bulletin, das – allerdings als Beilage und damit für sich gesehen gratis – 8,5 Prozent der Niederösterreicher erreicht.

In der Reichweitenrangliste kommen dann mit Werten zwischen sieben und 2,7 Prozent die Kaufmagazine Gusto, News, profil und trend, allesamt aus der Verlagsgruppe News. Das Reportagemagazin Geo, übrigens der einzige Titel in der Media-Analyse, der aus dem Ausland stammt, wird von 5,8 Prozent der Niederösterreicher gelesen, die ORF nachlese von fünf, das sich von Wien aus immer besser ins Umland ausbreitende VORmagazin von 3,9 und das insbesondere in kaufkräftigen Ballungsräumen verbreitete Weekend Magazin von 3,8 Prozent. Die beiden Letzteren sind bekanntlich gratis. 

Niederösterreicher im Web

Ob gratis oder Kauftitel, ohne Onlinepräsenz und entsprechende Userzahlen ist es schwierig, am Markt zu bestehen, in Niederösterreich wie überall sonst. Bezüglich Internetnutzung will man ganz eindeutig dasselbe wie alle anderen Österreicher: willhaben.at als Service-Angebot für Käufer und Verkäufer von gebrauchter Ware aller Art führt die einschlägige Rangliste der ÖWA Plus im größten Bundesland klar an. Von den gezählten 1.148.000 niederösterreichischen Internetnutzern landen monatlich 480.000 dort. Die Reihung nach Unique Usern und bei printmedienbasierten Websites ergibt aber ein völlig anderes Bild als jenes der Media-Analyse. derstandard.at ist nicht nur das meistgenutze Medienangebot, sondern auch insgesamt die am zweitmeisten genützte Onlinequelle in Niederösterreich, mit 322.000 Unique Usern. Das ergibt eine Online-Reichweite von über 28 Prozent im Vergleich zu den knapp fünf für die gedruckte Zeitung.

Es folgen in der regionalen ÖWA-Liste, haarscharf hinter dem Webauftritt des Standard, gmx.at sowie fast gleichauf krone.at mit 319.000 monatlichen Usern aus Niederösterreich (Reichweite 27,8 Prozent, gedruckt sind es 33,7). Dann kommt zwar mit herold.at abermals ein Serviceportal, aber dahinter reihen sich bei den Einzelangeboten im Web schon die Medien-Seiten kurier.at (253.000 Unique User, Reichweite 22 Prozent), meinbezirk.at (234.000) und heute.at (191.000) ein, unterbrochen nur von ichkoche.at. Und es folgt mit diepresse.at (181.000) auf dem Gesamtrang zehn ebenso wieder der Online-Ableger einer Tageszeitung, der im Land via Internet deutlich beliebter ist als in Print (15,8 versus 4,3 Prozent). 

Die regionalen Beliebtheitswerte von einigen weiteren Printmedien-basierten Websites: news.at (102.000, Rang 16 bei den Nieder­österreichern), kleinezeitung.at (81.000, Rang 22), woman.at (68.000, Rang 26 und wirtschaftsblatt.at (64.000, Rang 28). 

Online-Match in den Regionen

Die NÖN ist in der ÖWA Plus zwar nicht als Einzelangebot ausgeweisen, das Online-Angebot der Gruppe (noen.at, bvz.at sowie nitelife.at) hat aber etwa im vierten Quartal 2014 durchschnittlich 255.000 Unique User pro Monat zu verzeichnen. Das macht die Gruppe, wenn man sie mit allen bei der ÖWA Plus ausgewiesenen Dachangeboten vergleicht, zum am schnellsten wachsenden Nachrichtenportal sogar von ganz Österreich. „Wir sehen stark steigendes Online-Interesse“, sagt NÖN-Chef Harald Knabl, etwa auch beim Sport, wo man ein Portal für alle Kicker-Ligen des Landes ins Leben gerufen hat. 

Die Online-Aufrüstung bei der NÖN hat wohl auch einen weiteren handfesten Grund: Die Niederösterreicher sind eifrige User von meinbezirk.at, dem digitalen Bundesländer-Angeboten der Regionalmedien Austria RMA. Das Portal der gratis zu habenden Bezirksblätter hat im Land eine Reichweite von 20,3 Prozent, mehr als im Österreich-Schnitt (18,5 Prozent).

Der Landwirt mischt vorne mit

Mitten unter diesen weithin bekannten Medienmarken mischt in Niederösterreich auch landwirt.com mit, nämlich auf Platz 24, als Produkt der Landwirt Agrarmedien GmbH mit Sitz in Graz. Das Agrarportal der Fachzeitschrift Landwirt zählt in Niederösterreich monatlich 73.000 Unique User und hat eine Reichweite von 6,3 Prozent – relativ mehr User hat es nur in der Steiermark (6,6). Online punktet der Landwirt – ganz nach dem Vorbild von Overall-Marktführer willhaben – vor allem mit dem üppigen Angebot an gebrauchten landwirtschafltichen Maschinen und ­anderen berufsspezifischen Kleinanzeigen.
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