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"Wir wollen dieselben Startchancen haben wie alle anderen"

Das echo medienhaus wurde an eine private Investorengruppe veräußert. 40 Prozent hält Geschäftsführer Christian Pöttler

„Die größte Veränderung innerhalb der letzten Jahre war sicher, dass wir – wie alle Verlagshäuser – mit dem Gegenwind der Wirtschaft zu kämpfen hatten und zusätzlich durch Parteiengesetz und Medientransparenzgesetz nicht gerade Rückenwind erhalten ­haben“, sagt echo-Geschäftsführer Christian Pöttler. Das Medienhaus, das das Wiener Bezirksblatt, VORmagazin oder auch wienlive herausgibt, wurde an eine private Investorengruppe verkauft. Bis dato gehörte das echo medienhaus der SPÖ-nahen A.W.H Beteiligungsgesellschaft. Laut Wiener SPÖ war die Veräußerung ein unvermeidbarer Schritt, denn für Medien im Parteienbesitz sei ein fairer Wettbewerb nicht mehr gesichert.

Neue Besitzverhältnisse

Schon seit Ende 2012 wurden erste Schritte in Richtung Privatisierung gesetzt. So hat Marc Zimmermann echo TV übernommen und die TV Produktion Popup Media gegründet. Die ehemaligen Geschäftsführer Sven Rohskogler und Roland Pürzl leiten seit letztem Jahr die Eventagentur büroJetzt, ehemals echo event. Die Geschäftsführerin des VORmagazins, Astrid Weigelt, hat den Corporate Verlag übernommen, auch die PR-Agentur (Mehrheit Ralph Vallon) sowie die ­Digitalagentur echonet wurden aus­gegliedert. Verblieben sind einige ­Magazine, Wiener Bezirksblatt sowie Buchverlag, seniormedia und diverse Veranstaltungsformate wie beispielsweise der Vienna Night Run.

Schließlich folgte dann Ende 2013 die ­Veräußerung durch die A.W.H. Von nun an gehören 40 Prozent dem Geschäftsführer Christian Pöttler selbst, die restlichen 60 Prozent verteilen sich auf drei verschiedene Investoren: der ehemalige feibra-Chef Anton Feistl und sein Sohn halten je 20 Prozent, weitere 20 Prozent besitzt der Wiener Steuerberater Hermann Gugler. Gugler fungiert unter anderem als Aufsichtsrat der Sozialbau AG. Böse Zungen behaupten, es handle sich lediglich um rot gefärbte „Strohmänner“, ändern würde sich nicht viel. „Diesen Vorwurf halte ich für absolut haltlos und würde ihn auch klagen, weil wir sind keine Strohmänner, sondern Menschen, die privates Geld investieren – in ein Unter­nehmen, an das wir glauben“, erklärt Pöttler. Auch Anton Feistl versichert gegenüber HORIZONT keine Form der Treuhandschaft wahrzunehmen, er kehre lediglich wieder in die Medienlandschaft zurück.

Notwendiger Schritt

Durch die neu geschaffenen Verhältnisse hofft Pöttler auf faire Chancen. „Hoffentlich wird die Situation für uns nun gerechter – abseits von Kriminalisierungsversuchen unserer Tätigkeit.“ Ständig hätte man sich den Vorwurf ­gefallen lassen müssen, dass aufgrund dieser Parteinähe politisch inspirierte Schaltungen stattgefunden hätten. „Wir wollen dieselben Startchancen haben wie alle anderen Medienunternehmen, unbelastet von politischen Populisten, und nun einfach unserem Geschäft nachgehen.“
Pöttler hält die Veräußerung für ­einen richtigen und notwendigen Schritt. „Ich bin ja selbst auch beteiligt, was ein Indiz dafür ist, dass ich an die Zukunft des Medienhauses glaube, denn in dem Moment, wo man privates Kapital in ein Medienhaus investiert, ist man mit Sicherheit davon überzeugt, dass man wieder ­etwas ­zurückbekommt.“ Die Veräußerung hänge mit einer Menge Faktoren zusammen, einer davon ist das Medientransparenzgesetz, „wobei das das geringste Motiv war, weil das gilt ja auch weiterhin“. Auf die Frage, warum gerade diese Inves­torengruppe gewählt wurde, antwortet Pöttler ganz nüchtern: „Das ist relativ einfach, ich nehme an, weil diese Gruppe ein ­Angebot an den Eigentümer gerichtet hat, das sehr attraktiv war.“

Neujahrsvorsätze

Für die Zukunft sei geplant, über­lebensfähige Produkte auszusieben. „Wir wollen das, was wir machen, nun besser machen, in Qualität investieren und entsprechend verkaufen. Wir ­werden also sehr stark in Vertrieb und Verkauf investieren“, sagt Pöttler. Es gebe bereits sehr konkrete Pläne. „Wir sind ja Teil eines nationalen Rings von Magazinen mit Moser Holding und Styria, das ist für uns ein großes Projekt, in das wir sehr involviert sind und an das wir auch sehr glauben.“ Zudem bastle man an zwei neuen Veranstaltungsformaten. Auch Online sei ein Thema, das sehr ­intensiv diskutiert werde, „wir haben aber noch immer keine für uns adäquate Lösung gefunden. Wir blicken sehr aufmerksam und demütig auf die Konkurrenz, stellen uns aber immer noch die Frage, wie man all diese Wunderdinge finanzieren kann. Wir werden aber im kommenden Jahr sicherlich ­digital etwas zeigen.“
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