"Wir werden Geld verdienen. Und zwar viel"
 

"Wir werden Geld verdienen. Und zwar viel"

Potenzielle Geschäftsmodelle der sozialen Netzwerke auf dem Prüfstand.

Da gab sich Studi-VZ-Gründer Dr. Clemens Riedl sehr, sehr zuversichtlich auf dem Podium: "Wir werden noch viel Geld verdienen", meinte er und versuchte, Zauderern, die Social Media schon als nächste Luftblase zerplatzen sehen, den Wind aus den Segeln. Warum er davon so überzeugt ist? "Weil Social Media alle für die Werbewirtschaft wichtigen Kriterien erfüllt: Aufmerksamkeit und Relevanz".

Mit Aufmerksamkeit kann die VZ-Gruppe bereits dienen, immerhin greifen auf die Plattformen in Summe über 6 Millionen Menschen pro Tag zu. Bei den Eingeloggten liegt die Verweildauer im Schnitt bei 30 Minuten pro Tag. In Sachen Relevanz setzt Studi VZ auf die Kraft der Viralität: "Wir denken nicht in Kampagnen. Wir denken in Gesprächen", so Riedl.

Wie er mit solchen "Gesprächen" die ohnehin im Web schwächelnde Werbewirtschaft anlocken will, dafür hat Riedl nur ein paar ankündigende Schlagworte wie "Buschfunk" (alias Twitter), "Opensocial", "iPhone-Apps", die "VZ-Röhre" und die "VZ Werbefabrik" parat, schließlich habe man erst im August letzten Jahres - nach damals 2,5 Jahren - mit dem Thema Monetarisierung begonnen.

Gute Chancen in Sachen Monetarisierung räumt Konstantin Urban von Holtzbrinck Ventures vor allem den Plattformen mit einer Reichweite jenseits der Milliarden-Page-Impressions-Marke ein. Ob ein Investment-Proposal jedoch gleich zu Beginn den tollen Businessplan enthält sei in jedem Fall nicht das Kriterium für Venture Capital in diesem Bereich: "Für uns zählt das Potenzial. Und wenn es nur das Potenzial der Usergenerierung in den ersten 3 Jahren ist, da spielen die betriebswirtschaftlichen Zahlen gar keine so große Rolle". Karl Pall, Österreich-Chef von Google, sieht vor allem den "Spirit" der Gründer als Erfolgsfaktor, "da muss eine Idee dahinter stecken, an die jemand glaubt". Oder wie es Urban beschreibt: "Wenn es dem Gründer gefällt und es seine Freunde nutzen, dann sollte man weitermachen". Nach dem Motto: Wenn ein Nutzer zu finden ist, dann findet sich auch ein Financier.

Ein Grund, warum ORF Online-Chef Karl Pachner eine Beteiligung an Facebook als "nette Wette" abtut, eine Spekulationstransaktion, jedoch ohne Unternehmenswert.

Und dennoch wollen auch die Financiers irgendwann eine Return on Investment sehen - und kein Second-Life-Schicksal finanzieren. "Keine Sorge", beruhigt VZ-Mann Riedl, "Social Media-Plattformen befriedigen zwei basic needs: Kommunikation und Selbstdarstellung". Google-Chef Pall dazu: "Unsere Akquistionen und Investments werden nicht auf kurzfristiger Basis getätigt, deshalb haben wir auch keine kurzfristige Amortisationserwartung, sondern bauen auf Trial & Error - um irgendwann die Diamanten in der Hand zu haben". Konsolidierungen nicht ausgeschlossen.

Einen zeitlichen Ökonomisierungsdruck scheint in der Tat keiner der Investoren und Plattformen auf dem Podium zu haben, denn Antworten nach den Monetarisierungsmöglichkeiten wurden im Grunde - zumindest öffentlich - auch auf diesmal keine gegeben. Markus Wagner von i5invest spekuliert: "Der Finanzierungsbackend vieler Plattformen kann diesen Kampf langen kämpfen".
stats