"Wir verkaufen so viele Abos wie normalerweis...
 

"Wir verkaufen so viele Abos wie normalerweise zu Weihnachten"

Markus Wach
Hans Peter Trost (ORF), Philip Newald (tipp3), Michael Stix (Puls4), Moderator Markus Pochanka, Rainer Geier (laola1), Christine Scheil (Sky) und Jürgen Irsigler (Admiral)
Hans Peter Trost (ORF), Philip Newald (tipp3), Michael Stix (Puls4), Moderator Markus Pochanka, Rainer Geier (laola1), Christine Scheil (Sky) und Jürgen Irsigler (Admiral)

War der Schritt der österreichischen Bundesliga ins Pay-TV ein Fehler, bangen Sponsoren jetzt um ihre Reichweite und ist es sinnvoll, Livespiele der Bundesliga zwingend im Free-TV zeigen zu müssen, wie es die Regierung aktuell diskutieren will? Darüber haben TV- und Sponsor-Experten im Rahmen der Österreichischen Medientage diskutiert.

Zur aktuellen Situation der Bundesliga-TV-Rechte meinte Sky-Geschäftsführerin Christine Scheil: "Wir sind mit den ersten Monaten und Wochen bisher sehr zufrieden. Wir verkaufen derzeit so viele Abos wie wir normalerweise zu Weihnachten verkaufen." Die Medienberichte, wonach die Bundesliga aufgrund des Wechsels zu Pay-TV mit Reichweiteneinbußen zu kämpfen habe, konnte Scheil nicht nachvollziehen: "Die Zahlen, die veröffentlicht worden sind, sind falsch. Bei diesen Zahlen sind die Online-Abrufe und die Besucher in Sportbars nicht berücksichtigt worden." Mit den aktuellen Partnern ORF, A1TV, laola1 und oe24 "ist die breiteste Medienallianz geschaffen worden, die es im Fußball je gegeben hat.", konterte Scheil und verwies auch darauf, dass der Fußball immer davon profitiert habe, wenn Fußball ins Pay-TV gewandert sei.

"Logische Entwicklung"

Auch für Rainer Geier von laola1 sei der Schritt ins Pay-TV "eine logische Entwicklung, so wie bei vergleichbaren Ländern wie in Belgien oder den Niederlanden. Zudem ist nicht der gesamte Fußball hinter der Pay-Schranke verschwunden", brachte Geier etwa das eigene Angebot von laola1 ins Spiel: "Auf laola1 sind nach Spielende alle Highlights verfügbar. Diese Zahlen sind nirgends präsent. Da sind wir als Medien und auch die Liga gefordert, diese Zahlen der Öffentlichkeit verfügbar zu machen. Wir haben rund 150.000 bis 200.000 Zugriffe an einem Bundesliga-Wochenende", so Geier, der bilanziert: "Ich sehe keine Verminderung des Werbewertes, sondern eine Verschiebung. Das muss man besser kommunizieren."

Für tipp3-CEO Philip Newald, der auch als Sponsor der Liga und von Vereinen aktiv ist, ist der Rückgang der Zuseherzahlen jedoch zu spüren: "Wir haben am Wochenende rund 100.000 Personen, die unser Produkt kaufen. Es sehen im Moment zu wenige Personen das Produkt Bundesliga. Wir brauchen aber die breite Berichterstattung, denn unser Produkt lebt davon, dass man wettet und dann am Abend das Spiel im TV oder im Stadion sieht.”

Alternativen zu Fußball habe man jedoch nicht, denn 70% des Umsatzes kommt vom runden Leder. Newald will auch dazu beitragen, dass das Produkt klarer kommuniziert wird. "Die Produkte von den Anbietern sind gut gemacht, aber wenn es ein bisschen zu kompliziert wird, dann wird es nicht angegriffen. Das muss noch eine Spur einfacher werden." Newald erwähnte in diesem Zusammenhang auch die Sky-Kampagne: "Die ist gut gemacht, aber es geht ein bisschen zu sehr aufs Image und man weiß nicht, wie man das Produkt konsumieren kann."

Verknappung als Chance für Free-TV

Michael Stix von Puls4 sieht durch die Verknappung des Fußball-Angebots im Free-TV aber auch durchaus positive Signale: "Bei Leipzig gegen Salzburg haben wir mit 17% Marktanteil gerechnet, es sind dann 25% geworden. Durch die Verknappung ist das Interesse im Free-TV gestiegen, auch bei den Sponsoren und Partnern, die auf uns proaktiv zukommen. Darüber könnten wir uns auch freuen", so Stix. Gleichzeitig sei es aber auch so, dass Österreich, Deutschland und die Schweiz das größte Free-TV-Gebiet der Welt sind. "Pay-TV tut sich hier schwer. Ich finde es von Sky einen richtigen und mutigen Schritt, so viel Geld auf den Tisch zu legen. Der Zuspruch zu den Abos gibt ihnen Recht."

Mit Jürgen Irsigler von Admiral Sportwetten saß ein weiterer Sponsor auf dem Podium. Er findet den Weg hin zu mehr Pay-TV grundsätzlich richtig. "Ob sich Pay-TV in Österreich jedoch durchsetzen wird, werden wir erst in ein paar Jahren beurteilen können." Aus Sicht eines Wettanbieters ist das Thema aus drei Blickwinkeln zu beurteilen: "Wir haben einerseits 250 Filialen, andererseits sind wir stark fokussiert auf digitale Medien und haben drittens ein Interesse an einer breiten Öffentlichkeit für unser Engagement.” Irsigler berichtete, dass in den vergangenen Saisonen am Dienstag 30% mehr Personen in die Admiral-Filialen gekommen sind, um die Champions League zu sehen, denn an diesem Tag war diese exklusiv im Pay-TV zu sehen. Die Kehrseite: "Andererseits gilt auch für uns, neues Publikum anzusprechen. Das ist sicherlich im Free-TV einfacher gewesen. Beides hat daher seine Berechtigung, seine Vor- und Nachteile. Ich bin aber persönlich davon überzeugt, dass die Zukunft im Pay-TV liegt."

Aus Sicht von ORF-Sportchef Hans Peter Trost "müssen die Konsumenten entscheiden, ob die Liga im Pay-TV gut aufgehoben ist oder nicht. Es war abzusehen, dass diese Entwicklung so kommt., auch wenn es Pay-TV in Österreich nicht leicht hat."Trost betonte aber auch, dass derzeit in Wirklichkeit nur vier von 75 Sportarten hinter der Pay-Schranke stattfänden. Und zwar jene, wo man ein Geschäft machen könne. Der ORF habe sich daher bereits in den vergangenen Jahren auch anderen Bereichen zugewendet: "Wir haben auch ein Interesse, Sportarten zu entwickeln, wie etwa die Damen-Nationalmannschaft und haben Zuseher jenseits der Million erreicht.” Ähnliches berichtet Stix: "Man muss auch im Free-TV mutig sein, neue Dinge auszuprobieren wie die NFL auf Puls4, die mittlerweile den doppelten Zuschauerschnitt als der Sender hat."

Muss Bundesliga zurück ins Free-TV?

Im zweiten Teil des Panels ging es dann noch um die vieldiskutierte Forderung der Regierung, die Liste an Inhalten, die zwingend im Free-TV zu sehen sein müssen, zu überarbeiten. Konkret wurden dabei auch Live-Spiele der österreichischen Bundesliga angesprochen. Geier von laola1 meinte dazu: "Ich habe ein Problem damit, wenn es einen Eingriff von der Politik gibt. Es gab eine Ausschreibung, die Liga und die Klubs haben sich für ein Angebot entschieden. Es ist wirklich problematisch, wenn man die Liga reglementieren würde." Geier brachte zudem Ligasponsor Tipico ins Spiel, der nach Bekanntwerden des aktuellen Deals den Vertrag verlängert hat. 

Betroffen von der Diskussion ist vor allem Sky. Darauf angesprochen meinte Scheil: "Wir haben wohlwollend gehört, dass in bestehende Verträge nicht eingegriffen wird. Darauf verlasse ich mich." Der aktuelle Vertrag läuft bis 2022. Scheil ergänzt: "Meine Hoffnung ist, dass der Fußball nicht reglementiert wird und auf die Schutzliste kommt. Das würde die Position der Liga schwächen, weil eine Seite der Nachfrage abgeschnitten wird. Für uns fehlt dann ein Differenzierungsmerkmal. Die Liga kann sich dann weniger gut entwickeln. Wir sind da konstruktiv und suchen die Gespräche."

Philip Newald sieht die angestoßene Diskussion zwar grundsätzlich positiv, "es braucht aber keine politische Entscheidung von oben." Ähnlich sieht dies Jürgen Irsigler: "Es sollte grundsätzlich respektiert werden, wenn die Liga diesen Vertrag abgeschlossen hat. Es ist letztendlich eine Entscheidung der Vereine gewesen, diese Kooperation abzuschließen." Der Admiral-Geschäftsführer sieht zudem in den letzten Tagen eine Jammerstimmung aufkommen: "Die Vereine der österreichischen Bundesliga hatten noch nie so hohe Budgets wie jetzt. Es ist ein Fehler, die Situation krank zu jammern." Auch Michael Stix kam zu einem ähnlichen Schluss: "Ich könnte als Free-TV-Sender zwar froh sein, wenn diese Liste erweitert wird, aber eigentlich sehe ich hier keinen Bedarf."

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