"Wir leisten einen Beitrag zur Medien- und Me...
 

"Wir leisten einen Beitrag zur Medien- und Meinungsvielfalt“

Corinna Drumm, Sat.1 Österreich, über fast vier Stunden tägliches Österreich-Programm, Wertschöpfung in Österreich und Lobbying für mehr Privat.

HORIZONT online: Wie geht es dem Eigentümer mit der Performance?





Corinna Drumm: "Sehr gut – meine drei Eigentümer sind mit der Performance von Sat.1-Österreich sehr zufrieden. 2008 hat sich für uns sehr gut entwickelt – so wie sich 2008 Privatfernsehen überhaupt. Alle unsere Leistungswerte, ob technische Reichweite, Werbeblockreichweite oder Umsätze – sind 2008 gestiegen. Im Grunde ist die Strategie, die wir seit etlichen Jahren verfolgen, aufgegangen – Sat.1 war ja in den 90er Jahren Pionier was Österreich-Programm betrifft, Stichwort Fussball, nach 2000 sind dann auf Sat.1 Österreich die regelmässigen Programmfenster dazugekommen, die inhaltlich wie auch kommerziell erfolgreich sind. Da gibt es eine Reihe von respektablen und ernst zu nehmenden Sendungen. Das ist sowohl quantitativ und qualitativ ein ganze Menge. Wir haben drei Stunden Frühstücksfernsehen im Programm…"







HORIZONT online: …Café Puls übernehmen Sie ja





Corinna Drumm: "Das ist ein gemeinsames Projekt der drei Sender Puls 4, Sat.1 Österreich und ProSieben Austria. Wir haben da am Morgen drei Stunden österreichisches Programm, das ganz neue Möglichkeiten für die Spot-Platzierung ermöglicht. Das ist eine Werbezone, die vor drei Jahren noch sehr schwer verkäuflich war. Mit Café Puls können wir nun auch Quoten vorweisen, mit denen die Werbekunden etwas anfangen können. Daraus folgt auch eine sehr positive Umsatzentwicklung. An einzelnen Tagen haben wir Marktanteile von bis zu 40 Prozent. Das bestärkt uns schon sehr." 







HORIZONT online: Café Puls ist eher Soft-News, die Nachrichtenschiene hat sich ja auch weiter entwickelt





Corinna Drumm: "Seit bald einem Jahr machen wir die Sat.1 AustriaNews im Hauptabendprogramm. Wir haben damals ein Nachrichten-Netzwerk gegründet. Das Qualitätsversprechen heisst AustriaNews, und wir haben nun Austria-News im Café Puls, auf ProSieben Austria, auf Puls 4 und in Sat.1 Österreich, insgesamt 14 Mal täglich. Österreich ist ja im Nachrichten-Markt ein sehr schwieriges Land. Da ist vieles feststehend und gelernt. Daher unsere Überlegung, eine Alternative in Variationen anzubieten: Das ergibt schon eine irrsinnige Programmleistung, mit jeweils anderen inhaltlichen Gewichtungen und Moderatoren."  







HORIZONT online: Nach welchen Kriterien werden die Austria-News variiert





Corinna Drumm: "Das geht grundsätzlich einmal nach den Zusehern: Bei Sat.1 haben wir tendenziell mehr Frauen und der Schnitt ist etwas älter als beispielsweise bei ProSieben. Dann spielt auch das Programmumfeld eine Rolle. Aus diesen Überlegungen sind die Sat.1-Nachrichten etwas stärker auf Frauen und Familie ausgerichtet."  







HORIZONT online: Das rechnet sich





Corinna Drumm: "Nachrichten kosten immer viel Geld! Aber das ist ein ganz bewusstes Investment in den österreichischen Markt. Von den 24 Stunden, die Sat.1 Österreich von Montag bis Freitag Programm ausstrahlt, sind fast vier Stunden Österreich-Programm. Ich betone das deshalb, weil es ja alle paar Monate die Diskussion über die „bösen Fenstersender“ gibt. Da melden sich sogar an sich kluge Menschen zu Wort und reden völlig undifferenziert über hunderte Millionen, die da angeblich nach Deutschland abfließen würden. Wenn der ORF Grey´s Anatomy oder Desperate Housewives kauft: Das ist Geld, das aus Österreich abfließt. Wenn Sie sich ORF 1 ansehen, dann werden Sie feststellen, dass ORF 1 an manchen Tagen keine zehn Prozent Österreich-Anteil im Programm hat. Es ist und bleibt Unsinn, dass über 200 Millionen nach Deutschland abfließen würden. Das Geld, das wir einnehmen, wird zuerst einmal in den Betrieb hier, in die Vermarktung, in die Produktion unserer Programmfenster, ins Marketing usw. investiert. Wir leisten also einen Beitrag zur Wertschöpfung in Österreich und zur Medien- und Meinungsvielfalt. Fast vier Stunden Österreich-Programm sind ein Faktum." 







HORIZONT online: Nun bestehen die vier Stunden Programm nicht aus Café Puls und Austria News allein, sondern auch aus verschiedenen Formaten, wie dem Klassiker Go-das Automagazin… 





Corinna Drumm: "100 Prozent österreichische Wertschöpfung! Der Grundgedanke dieser Sendungen ist, österreichischen Sponsoren interessierte Zuseher als Werbeumfeld zu geben. Also: Wo kriege ich österreichische Zuseher, die am Thema Motor interessiert sind? Die kriege ich nicht beim ORF, bei uns aber schon. Wir machen das, um spezifisch Werbekunden anzusprechen. Zu Themen wie Auto, Sport, Gesundheit oder Wellness."  







HORIZONT online: Was steht 2009 am Programm





Corinna Drumm: "Die Sat.1 AustriaNews und Café Puls gehen weiter, ebenso Go und in.action seit Oktober. Was die weiteren Vorhaben betrifft, müssen wir sehen. 2009 wird für die ganze Medienbranche ein schwieriges Jahr. Es hängt an sehr vielen unterschiedlichen, zum Teil sehr kundenspezifischen Gründen. Ich will nicht in den leider mittlerweile üblichen negativen Kanon einstimmen. Aber es wäre auch unseriös, etwas schönzureden. Es wird aber schwierig werden. Die Kunden planen und agieren sehr kurzfristig, da sind weitreichende Aussagen nicht möglich. Generell glaube ich, dass eine Werbezurückhaltung Fernsehen weniger stark treffen wird als andere Mediengattungen, weil TV im österreichischen Werbemarkt noch immer deutlich unterrepräsentiert ist. Und innerhalb des Fernsehmarktes verschieben sich die Budgets vom ORF zu den Privaten."  







HORIZONT online: Welche Perspektiven eröffnet die Novellierung des Privatfernseh-Gesetzes beziehungsweise die kommende Mediendiensterichtlinie





Corinna Drumm: "Aus Sicht der Privatsender ist jede Liberalisierung der Rahmenbedingungen für Private zu begrüssen. Die jetzt beschlossene Novelle war aber nur ein ganz kleiner Schritt auf einem sehr langen Weg. Sie sehen mich daher nicht besonders begeistert. Das auch deswegen, weil wir im Rahmen des Privatsenderverbands VÖP vor einem Jahr sehr weit ausgearbeitete Gesetzesnovellen dem Bundeskanzleramt vorgelegt haben, wo wir ganz konkrete Vorschläge gemacht und diese auch begründet haben. Wir haben also nicht nur gesagt „Wir hätten gern…“, sondern wir unsere Wünsche auch sachlich und juristisch begründet. Ein Beispiel: Effiziente Sanktionen auch für den ORF bei Gesetzübertretungen. Was es derzeit gibt, tut so wenig weh, dass das einfach einkalkuliert wird. Unser Vorschlag, in Anlehnung an das Kartellrecht: Eine Strafe abhängig vom Tagesumsatz und nicht kalkulierbar. Zurück zu der angesprochenen Novelle: Ja, das bringt im Detail etwas, zum Beispiel beim Teleshopping, aber enthält nichts von unseren Vorschlägen. Ich hoffe, dass die Umsetzung der Mediendiensterichtlinie 2009 mehr positive Effekte für das duale Rundfunksystem bringen wird!"  







HORIZONT online: Und





Corinna Drumm: "Nun, der VÖP hat im Rahmen des Beihilfeverfahrens der EU-Kommission mehrmals Stellungnahmen an die Kommission abgegeben, erst kürzlich haben wir 80 Seiten geschickt. Das Ziel ist ja ein sehr einfaches: Fairer Wettbewerb. Die EU-Kommission denkt da in eine ähnliche Richtung: Man möchte klar trennen in denjenigen, der den öffentlich-rechtlichen Auftrag zu erfüllen hat und daher gebühren- beziehungsweise beihilfenfinanziert ist, und die Privaten, die sich über Werbung finanzieren müssen." 







HORIZONT online: Nun liegen auch weitere Vorschläge des VÖP auf dem Tisch – Prioritäten





Corinna Drumm: "Ganz klar als Erstes die Medienförderung. Am Schönsten wäre es, wir könnten eine Trennung machen: Der ORF bekommt Gebühren - und zwar auch jenen Teil, den er derzeit nicht bekommt, also die Länderabgaben – und macht keine Werbung mehr. Die Privaten machen Werbung. Das wäre die sauberste Lösung, da bräuchten wir auch keine Medienförderung. Das ist aber im Moment noch nicht erwartbar. Also brauchen wir die Medienförderung für Privatsender. Ob als Ausschüttung aus einem eigenen Topf oder, wie zuletzt von uns vorgeschlagen, über eine Aufteilung der Gebühren: Der ORF könnte ein Fixum aus dem Gebührentopf bekommen und der Rest wird auf ORF und Privatsender aufgeteilt, abhängig davon, wie die Programmleistung nach bestimmten Kriterien aussieht. Wir müssen bei dieser Diskussion ja auch die Relationen im Auge behalten: Über 500 Millionen erhält der ORF allein an Gebühren – und derzeit diskutiert werden 20 Millionen für alle privaten Fernseh- und Radioveranstalter zusammen inklusive der nichtkommerziellen Veranstalter… " 







HORIZONT online: Weitere Forderungen





Corinna Drumm: "Weitere Beschränkung der Werbemöglichkeiten des ORF und klarere Definition des öffentlich-rechtlichen Auftrags. Product Placement muss komplett abgeschafft werden, ist mit dem öffentlich-rechtlichen Auftrag nicht vereinbar. Dazu muss es effiziente Kontroll- und Sanktionsmechanismen geben. Der BKS hat zuletzt die Regionalwerbung des ORF verurteilt – was da an klaren Gesetzesübertretungen zutage kam, ist einfach skandalös".










Siehe auch www.sat1.at  










Das Interview führten Birgit Schaller und Herwig Stindl
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