"Wir kommen alle nicht mehr zum Nachdenken"
 

"Wir kommen alle nicht mehr zum Nachdenken"

Für Autor Frank Schirrmacher ist der gute Journalist die wertvollste Investition der Zukunft.

"Es gibt weltweit (noch) kein journalistisches Medium im Internet mit ökonomischen Erfolg" - mit dieser These räumte Autor Frank Schirrmacher mit einer großen Illusion des Web auf. Erfolgreich seien nur die großen geworden - getreu dem Matthäus-Prinzip 'wer hat, dem wird gegeben': Google, Telekomanbieter, Amazon. Gleichzeitig jedoch sei die Anzahl an kostenloser Mikroarbeit - gemeint sind Blogger und sonstige eifrige Poster - stark gestiegen, die die großen wiederum kommerzielle verwerten. Schirrmacher zieht den Vergleich mit der Frohnarbeit des 19. Jahrhunderts, wo die Masse für wenige Megaplayer des frühen Kapitalismus gearbeitet hat.

Auch die zweite weitverbreitete Illusion, unsere Gehirne würden sich schon an das Multitasking im Web anpassen, hebelte Schirrmacher gekonnt mit einer Stanford-Studie aus, die massive Beschädigung der Konzentratiosfähigkeit bei Menschen bescheinigt, die ständig zwischen verschiedenen Informationsquellen switchen. Typisches Symptom dazu: "was wollte ich eigentlich gerade tun?". Ergo: die Menschen, kommen nicht mehr zum nachdenken.

Und genau in diesem "Verzögerungseffekt" räumt der Autor den klassischen Medien die großen Zukunftschance ein: "In einer reizüberfluteten Welt wird die Zeitung zu einem therapeutischen Medium, einem Ort der Ruhe und Stille". Wichtig für den Leser sei dann nicht mehr, 'was verpasse ich?', sondern 'was ist wichtig, was unwichtig?'. Das könne kein Algorythmus, nur ein Journalist.
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