"Wir erleben ein Print-Revival in Österreich"
 
David Bohmann
Österreich-Herausgeber Wolfgang Fellner zeigt sich über die Printerfolge erfreut, trotzdem zähle das Digitale und Bewegtbild.
Österreich-Herausgeber Wolfgang Fellner zeigt sich über die Printerfolge erfreut, trotzdem zähle das Digitale und Bewegtbild.

Österreich hat ein erfreuliches erstes Halbjahr 2017 hinter sich - neben Zuwächsen bei den Printumsätzen sind auch die Verkaufsauflage und die Abozahlen gestiegen.

Dieser Artikel erschien auch in der HORIZONT-Printausgabe 38/2017 vom 22. September. Hier geht's zum Abo.

Geht es nach Wolfgang Fellner, dann geht es Österreich - dem Land wie auch der gleichnamigen Zeitung -nicht schlecht, ja sogar ganz gut. "Wir erleben ein Print-Revival in Österreich", sagt er gegenüber HORIZONT. "Warum das so ist, kann ich mir nicht genau erklären." Das sind überraschende Worte des Verlegers, der seit der Gründung seines TV-Senders vergangenes Jahr auch im Fernsehmarkt mitmischt und seit geraumer Zeit dafür plädiert, dass Digital die Zukunft sei. Damals sagte er, die Zeitung sei für ihn nur noch Mittel zum Zweck. Heute meint er, darauf angesprochen und daran erinnert: "Man kann sich irren."

Im ersten Halbjahr 2017 ist die Verkaufsauflage von Österreich von 33.862 Stück (1. HJ 2016) auf 35.057 Stück leicht gestiegen. Auch die Abozahlen zeigen in diesem Vergleichszeitraum Zuwachs: von 24.164 auf 25.213 Stück - obwohl der Abopreis angehoben wurde. (Anmerkung: Wie die Gratisversion von Österreich sich in der verbreiteten Auflage veränderte, ist wegen einer Methodenumstellung nicht direkt vergleichbar.)

Mehr Gewinn als im Vorjahr

Und wie entwickeln sich die Umsätze in diesem Jahr? "Bisher liegen wir beim Nettowachstum im Inseratenumsatz bei Print bei 16 Prozent", so Fellner für das Jahr 2017. Der bevorstehenden Wahl und den damit verbundenen Inseraten misst er recht wenig Bedeutung bei. Seiner Schätzung nach werden sie in diesem Jahr rund 0,5 Prozent des Gesamtumsatzes von Print ausmachen. Insgesamt würden vom Umsatz der Printzeitung heuer voraussichtlich rund zehn bis 20 Prozent Gewinn übrig bleiben. "Das ist deutlich mehr als vergangenes Jahr - hier lagen wir nur im deutlichen einstelligen Bereich", so Fellner. Nicht nur bei Österreich, auch bei anderen Zeitungen hätte es im 1. Halbjahr 2017 einen Aufschwung in Print gegeben, meint Fellner. "Es könnte mit dem Wirtschaftswachstum zu tun haben, viele Handelsgruppen erhöhen das Budget", sagt er. Aber: Auch das Segment der regionalen Werbung sei stark wachsend. "Die Summe an Inseraten aus dem Gastronomiebereich, die bei uns geschalten werden, ist mittlerweile höher als die Summe an Inseraten von manch öffentlichen Einrichtungen."

Zuwächse bei Magazinschiene

Wesentlicher Eckpfeiler für den Umsatzanstieg in Print ortet Fellner in seinem Fall in der Magazinschiene. "Hier verzeichnen wir starke Zuwächse bei Inseraten - allen voran bei Madonna, gefolgt von gesund&fit und Seitenblicke." Weil diese Produkte ohne Overhead-Kosten produziert würden, trage jeder Vertriebserlös direkt zum Gewinn bei, so Fellner. Über den Sommer hätte er die Auflagen der Magazine weiterhin gesteigert. "Wir sind sehr stolz auf die Printerfolge, die den Magazinen geschuldet sind, aber alles was zählt ist trotzdem das Digitale. Im Fernsehbereich haben wir vier Mal so viele Seher non-linear als linear", sagt der Verleger.

Skepsis bei Onlinewerbung

Parallel habe man sich in puncto Werbeeinnahmen im Onlinebereich im 1. Halbjahr 2017 deutlich schwerer getan als noch im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Fellner: "Es wächst die Skepsis bei Onlinewerbung. Themen wie Sichtbarkeit oder Umfeldplatzierung sind nach wie vor ungelöst. Auch das spielt Print in die Hände."

Wir erinnern uns: Diese Probleme im Onlinebereich zeigten sich zuletzt bei YouTube, als Unternehmen wie Procter & Gamble ihre Werbebudgets von dort abgezogen haben, weil sie in einem rechtsextremen Umfeld platziert waren. Was die Erlöse im Onlinebereich betrifft, glaubt Fellner an ein schweres Jahr für Digital: "Im 1. Halbjahr 2016 haben wir noch 30 Prozent Steigerung bei den Werbeeinnahmen im Onlinebereich exklusive TV erzielt. Im 1. Halbjahr 2017 liegen wir nur noch bei rund acht bis neun Prozent Plus. Den TV-Sender haben wir im Herbst 2016 gestartet, aber es zeichnet sich bereits ab, dass die Spotvermarktung wesentlich intensiver gebucht wird als klassische Onlinewerbung."
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