„Wir brauchen ein besseres Europa“
 

„Wir brauchen ein besseres Europa“

pro media kommunikation gmbh/APA-Fotoservice/Lechner
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Journalist Heribert Prantl plädierte am Eröffnungsabend des 12. Europäischen Mediengipfels in Lech für eine stärkere EU und kritisierte den immer weiter vorherrschenden Nationalismus.

Zum Auftakt des 12. Europäischen Mediengipfels in Lech warnte Heribert Prantl, Mitglied der Chefredaktion der Süddeutschen Zeitung vor dem Nationalismus, der sich überall auf der Welt im Vormarsch befinde. Der Geist der Solidarität sei abhandengekommen, so Prantl in seiner Rede.  Um der Entwicklung entgegenzusteuern, müsse die EU gestärkt werden: „Zukunft gibt es nicht festgefügt, sie entsteht in jedem Moment der Gegenwart, ist darum in jedem Moment auch veränderbar. Wir brauchen ein besseres Europa“, betonte Prantl.

Johannes Hahn, EU-Kommissar für Europäische Nachbarschaftspolitik und Erweiterungsverhandlungen, sprach sich im Gespräch mit Hans-Peter Siebenhaar, Präsident der Auslandspresse in Wien, für schnellere Entscheidungen innerhalb der EU aus. „Wir verbringen ein Drittel der Zeit damit, ein oder zwei Staaten zu überzeugen, um eine einstimmige Entscheidung treffen zu können. Diese Abstimmungsmodi müssen wir ändern. Wir hätten schon so viel erreichen können mit anderen Entscheidungsmustern. Man muss als ‚Unterlegener‘ diese Mehrheitsentscheidung auch anerkennen“, so Hahn.

Auch die Rückkehr des Anti-Semitismus in Europa und die Teilung des israelischen Staates wurden zum Auftakt des Mediengipfels diskutiert. Faten Mukarker, palästinensische Friedensaktivistin aus Bethlehem, erläuterte die Rolle der USA als Vermittler. Palästina hätte laut Mukarker keine wahre Alternative, obwohl sich die USA hinter Jerusalem stelle: „Wir hoffen einfach, dass dieser Deal vielleicht – wir leben ja im Land der Wunder – auch etwas beinhaltet, das gut für uns ist.“ Der deutsch-israelische Schriftsteller Ayre Shalicar machte in der Diskussion zum Teil die Medien für den immer stärker werdenden Antisemitismus in Deutschland verantwortlich. Alexandra Föderl-Schmid, Korrespondentin der Süddeutschen Zeitung in Israel, ließ diese Ansicht aber nicht gelten und betonte dabei die Hürden, die journalistisches Arbeiten oft erschweren würden: „Es ist nicht immer einfach, als Journalistin aus Israel zu berichten. Nicht alle Pressekonferenzen stehen für alle Journalisten offen. Der letzte Empfang der Auslandspresse glich einer Journalistenbeschimpfung.“

Zum Thema „Diktatur der Daten – Demokratie unter Druck“ diskutierten Thomas Schulz, Bestsellerautor und Spiegel-Korrespondent im Silicon Valley, und Richard Gutjahr, Mitarbeiter der Chefredaktion des Bayerischen Fernsehens. Beide Referenten waren sich einig, dass China in den Entwicklungen der nächsten Jahre einen starken Einfluss haben werde. „Google will nach China expandieren, weil China im Tech-Bereich immer stärker wird. Es gibt Bedenken, dass das chinesische Modell – das staatlich geförderte Wissenschaftsmodell – große Erfolge bringt“, führte Schulz aus. „Die wertvollsten Start-ups sind in China – das führt zu Nervosität im Silicon Valley“, ergänzte Gutjahr.

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