„Wiener Zeitung“ will Nischen-Qualitätsblatt ...
 

„Wiener Zeitung“ will Nischen-Qualitätsblatt werden

Keine Änderung in Erscheinungsweise - Chefredakteur strebt Erhöhung der Verkaufsauflage an.

Reinhard Göweil will die älteste erscheinende Tageszeitung der Welt, die „Wiener Zeitung“, als „liberale, offene Qualitätszeitung“ und Nischenprodukt positionieren. Erreichen will das der 49-Jährige, der die Chefredaktion der Staatszeitung im November von Andreas Unterberger übernommen hat, einerseits durch Exklusivgeschichten, andererseits soll die Zeitung künftig verstärkt eine „Diskussionsplattform für wesentliche Themen“ sein und Hintergründe sowie Erklärungen zu gesellschaftlich relevanten Themen bieten, sagte Göweil im APA-Interview. Auch das Layout der „Wiener Zeitung“ soll einem sanften, schrittweisen Relaunch unterzogen werden.

 

Göweil strebt künftig „eine weitere Beruhigung der Zeitung und längere Textstrecken“ an, auch an der Bildsprache und vor allem der Bildauswahl müsse noch gearbeitet werden – „hier befinden wir uns im Lernprozess“. Inhaltlich will Göweil künftig verstärkt auf Themen setzen, die im übrigen Tageszeitungsjournalismus seiner Meinung nach zu kurz kommen.

Ein wichtiges Thema werde die Europaberichterstattung sein. Göweil: „Es geht darum, frühzeitig aufzuzeigen, welche Themen für Österreich tatsächlich relevant sind und etwa welche Auswirkungen die Entscheidungen haben, die in Brüssel oder Straßburg getroffen werden.“ Die „Wiener Zeitung“ werde hinter die Kulissen blicken und nicht nur den tagesaktuellen Themen und „großen Geschichten hinterherhecheln“. Auch frauenpolitische Themen will der neue Chefredakteur künftig forcieren und gewährt damit auch Einblick in seine angepeilte Zielgruppe: „Mehr Frauen und mehr Jüngere.“ Zuletzt gab es bereits einen umfassenden Relaunch der beiden wöchentlich beiliegenden Farbmagazine „Wiener Journal“ und „Programmpunkte“.

 

Vorbilder für die „Wiener Zeitung“ unter Göweil sollen große Namen wie die „Herald Tribune“ oder die „Financial Times“ sein - aber im Grunde will der Chefredakteur nicht vergleichen: „Zu einem Qualitätszeitungskonzept gehört, dass es sich von anderen unterscheidet.“ Eine Veränderung in der Erscheinungsweise der Zeitung, die derzeit von Dienstag bis Samstag publiziert wird, sei derzeit kein Thema. Im Raum stand immer wieder die Überlegung, den Titel nur mehr wöchentlich erscheinen zu lassen. Das sei laut Göweil ebenso wenig Thema wie eine Montagsausgabe.

Die Auflage der „Wiener Zeitung“, die derzeit bei rund 40.000 Stück liegt, soll künftig „kräftig zulegen“. Über die angepeilte Größenordnung wollte sich Göweil aber nicht äußern. Ebenso wenig dazu, ob der Titel unter seiner Führung wieder der Media Analyse und der Österreichischen Auflagenkontrolle beitreten werde.
Unkommentiert bleibt auch die Kritik, die es rund um den Führungswechsel in der "Wiener Zeitung" gegeben hat. Göweil lässt sich davon nicht beirren. Sein Verhältnis zum Eigentümervertreter der Zeitung, zu Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ), sei "ausgezeichnet", ebenso wie auch das zu Vizekanzler Josef Pröll (ÖVP), sagte er auf Anfrage. "Jede Zeitung hat Eigentümer, ich habe mit meinem kein Problem. Er besitzt die Zeitung, aber er schreibt sie nicht", so der ehemalige Wirtschafts-Ressortleiter der Tageszeitung "Kurier"

(Quelle: APA)

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