‚Wiener Zeitung‘: Gespräche mit Regierung
 

‚Wiener Zeitung‘: Gespräche mit Regierung

Wiener Zeitung / Moritz Ziegler
Wolfgang Riedler, GF Wiener Zeitung
Wolfgang Riedler, GF Wiener Zeitung

Mit Kanzler Kurz und Medienminister Blümel sollen Finanzierung und Chefredakteursfrage geklärt werden. Der Zeitplan steht fest, schnelle Ergebnisse sollen folgen

Dieser Artikel ist zuerst in Ausgabe Nr. 1-2/2018 erschienen. Noch kein Abo? Hier klicken!

Bei der ältesten noch erscheinenden Tageszeitung der Welt stehen Gespräche von möglicherweise historischer Tragweite an. Die Geschäftsführung der Wiener Zeitung trifft in Kürze mit dem Herausgeber und einzigen Gesellschafter der Zeitung, der Republik Österreich, zusammen. Das bestätigt Geschäftsführer Wolfgang Riedler dem HORIZONT. Dabei geht es um zwei wesentliche Punkte, nämlich den Posten des Chefredakteurs und die von der türkis-blauen Regierung vorgesehene Abschaffung der entgeltlichen Pflichtveröffentlichungen von Firmen sowie der staatlichen Verlautbarungspflichten im Amtsblatt, die die Haupteinnahmequelle der Wiener Zeitung versiegen lassen könnte.

CR-Frage: Baldige Entscheidung
 Seit Chefredakteur Walter Göweil im Oktober seiner Position enthoben wurde, leitet sein Stellvertreter Walter Hämmerle die Redaktion. Bald soll ein offizieller Chefredakteur bestellt werden, bestätigt Riedler dem HORIZONT. Diese Personalfrage werde „in engster Abstimmung“ zwischen Geschäftsführung und dem nun zuständigen Medienminister Gernot Blümel und Bundeskanzler Sebastian Kurz erörtert und „in absehbarer Zeit gelöst werden“. Einen klaren Favoriten hat die Redaktion bereits. In einem internen Votum sprach sich diese für Hämmerle aus. Riedler bestätigt: „Es gab eine Redaktionsversammlung mit einer entsprechenden Willensbildung.“

15 Millionen Euro aus Pflichteinschaltungen
Die Frage, was bei einem Wegfall der Pflichtveröffentlichungen mit der Wiener Zeitung passieren wird, steht nach wie vor im Raum. Blümel hatte versichert, sich schnell um ein „langfristiges Konzept“ für das Blatt bemühen zu wollen. In einem Gespräch mit Aufsichtsratschef Frank Hensel vereinbarte Blümel, „dass wir uns zeitnah zusammensetzen, um ein Zukunftskonzept zu erarbeiten.“ Für diese Gespräche gibt es bereits einen fixen Termin und einen Fahrplan, meint Riedler zum HORIZONT. Derzeit bereite man sich „auf die Anforderungen vor, die der Eigentümer an uns stellt.“ Auch die Eigentümerseite sei „sehr interessiert daran, dass wir schnell zu einem Ergebnis kommen.“ Welch gewichtige Säule dieser Posten für die Zeitung ist, zeigt das Geschäftsjahr 2011. Der damalige Bundeskanzler Faymann legte bei der Beantwortung einer parlamentarischen Anfrage eine Einnahmenübersicht der Wiener Zeitung offen. Rund 18,3 Millionen Euro machte bei den Umsatzerlösen der Posten „amtliche Einschaltungen/Pflichteinschaltungen“ aus. Inserate (rund 1,4 Millionen Euro), Abonnements (rund 1,2 Millionen Euro) und der Einzelverkauf (rund 330.000 Euro) trugen deutlich weniger zum Umsatz bei. Heute liege der Anteil des Beitrages der amtlichen Einschaltungen und Pflichteinschaltungen zum Umsatz der Wiener Zeitung bei „über 80 Prozent“ oder in Summe „über 15 Millionen Euro“, so Riedler. •

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