"Wiener Wohnen" blockiert ATV
 

"Wiener Wohnen" blockiert ATV

"profil": Für Doku-Soap "Wir leben im Gemeindebau" darf auf Gehsteigen, in Höfen und Gängen nicht mehr gedreht werden - Sender wartet auf Gesprächstermin mit Wohnbaustadtrat - Programmchef: "Kommt einer Zensur gleich"

Die städtische Immobilienverwaltung "Wiener Wohnen" will offenbar die ATV-Sendung "Wir leben im Gemeindebau" abdrehen: Wie "profil" berichtet, hat den Privatsender ein Schreiben von Wiener Wohnen erreicht, wonach man mit dem in der Dokusoap gezeichneten Bild nicht einverstanden sei und deshalb keine Drehgenehmigungen mehr erteilt würden. Wie Programmchef Martin Gastinger zu HORIZONT online sagte, versuche man nun, ein Gespräch mit dem zuständigen Wohnbaustadtrat Michael Ludwig zu führen. "Für uns kommt das einer Zensur und einer Intervention gleich. Dafür ist die lapidare Aussage 'Uns gefällt das Bild nicht' zuwenig", sagte er.

Gastinger versteht auch nicht, was die Stadt, beziehungsweise Wiener Wohnen, an der Serie auszusetzen habe, da man die Dokusoap von vorneherein als solche angelegt habe und nicht etwa versucht habe, Reportagen über Missstände in den Bauten zu machen: "Wir haben einfach die Bewohner in einer sympathischen, netten Dokusoap gezeigt." Dies habe man ehrlicherweise auch jenen Menschen geantwortet, die sich mit Problemen über Abrechnungen, Lebensumstände und allgemeiner Zustände bei der Redaktion gemeldet haben. Noch eines geht Gastinger nicht in den Kopf: "Wenn Frau Spira für den ORF in den Gemeindebauten dreht, ist das Bild auch nicht anders."

Die Absage platzte jedenfalls mitten in die Dreharbeiten, sagte Gastinger. ATV sieht den Sachverhalt nüchtern: In den Wohnungen dürfe man ohnehin weiter drehen, da über die dortigen Genehmigungen die Mieter selbst entscheiden. Das Verbot bezieht sich also lediglich auf die öffentlichen Flächen der Gemeindebauten. Die kommenden zwölf Folgen (Nächste Ausstrahlung am 19. November) habe man bereits abgedreht.
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