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Wiener Journalistinnenkongress im Schatten des Donald Trump

Journalistinnenkongress/APA-Fotoservice/Reith

Die Themen des 18. Journalistinnenkongresses wurden heuer durch die US-Wahl gefärbt: Trump punktet durch einfache Sprache, so eine Expertin - Medien müssen zunehmend Hintergründe erklären.

Donald Trumps Sieg bei den US-amerikanischen Präsidentschaftswahlen beschäftigte auch die Teilnehmerinnen des 18. Journalistinnenkongresses im Wiener Haus der Industrie: "Wir müssen für unsere Rechte kämpfen, lassen wir uns nicht entmutigen", sagte etwa die Kongressinitiatorin und Ex-ÖVP-Politikerin Maria Rauch-Kallat.

Diesjähriges Motto der eintägigen Veranstaltung: Hypes&Hoaxes – Inszenierung und Glaubwürdigkeit. In den letzten 20 Jahren sei für Frauen im Journalismus sehr viel passiert, sagte Rauch-Kallat. Vor 20 Jahren habe es in den österreichischen Medien noch keine weibliche Führungsperson gegeben, heute würden Ressorts sowie ganze Redaktionen von Frauen geleitet.

Tröstende Worte fand auch Ines Stilling, Sektionsleiterin für Frauenangelegenheiten und Gleichstellung. Auch wenn US-Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton die Wahl nicht für sich habe entscheiden können, sei festzustellen: "Frauen können in Politik und Medien durchaus an der Spitze stehen. Das sieht man am Beispiel der deutschen Kanzlerin Angela Merkel".

Linguistin Wehling: Trump-Erfolg durch einfache Sprache

Der Sieg Donald Trumps bei der US-Präsidentschaftswahl sei auf die Verwendung einer einfachen Sprache zurückzuführen, sagte die Sprachwissenschaftlerin Elisabeth Wehling vom Department of Linguistics der University of Carolina, Berkeley (USA): Durch Slogans wie „Wir brauchen eine Mauer“ oder „Make America Great Again“ würden konkrete Bilder entworfen, die bei den Wählerinnen und Wählern im Gedächtnis blieben, führte sie im Gespräch mit Daniela Kraus, Geschäftsführerin des Forum Journalismus und Medien (fjum), aus.

Die Medien seien nicht verantwortlich für Trumps Sieg, da es die Aufgabe der Medien sei, über das politische Geschehen zu berichten. Manipulative Medien würden auch in den USA existieren, jedoch seien diese nicht die Mehrheit.

Hintergründe beleuchten

Laut der Linguistin an den Unis Wien und Lancaster, Ruth Wodak, liegt das Problem darin, dass nur gehört werde, was gehört werden wolle. So würden „Realitäten weggewischt“. Die „Arroganz der Ignoranz“, sodass Bildung scheinbar nicht mehr zähle, trete immer mehr in den Vordergrund.

Der öffentliche digitale Raum ermögliche politischen Parteien, viele Menschen direkt zu erreichen - wobei es darauf ankomme, wie stark die Parteien im Erzählen seien, meinte die Journalistin und Buchautorin Ingrid Brodnig. Dabei würden bei Userinnen und Usern bereits vorhandene Emotionen und Einstellungen angesprochen und vielfach bestätigt.

Hier, so die Moderatorin und Journalistin Cathrin Kahlweit, stelle sich die Frage, wie Politik verständlicher gemacht werden könne. Dies sei keine journalistische Aufgabe, sondern eine der Politikerinnen und Politiker selbst. Von Journalistenseite wiederum müsse über Schlagzeilen hinaus berichterstattet und informiert werden. Wichtig sei Hintergrundinformation.

Diese könne auch im Internet direkt stattfinden, sagte Andre Wolf von der Initiative gegen Internetmissbrauch, Mimikama. Der Vorteil dabei: Journalistinnen und Journalisten könnten mit Userinnen und Usern kommunizieren, was bei klassischen Medien nicht der Fall sei.

Abschließend wurde darüber diskutiert, ob von einer Selbstabschaffung des Journalismus“ die Rede sein könne. Durch das „ständig Eine aufs Maul kriegen“ sinke bei Journalistinnen und Journalisten das Selbstbewusstsein. Wodak nannte es „eine Zensur im Kopf“. Daher, so Brodnig, müssten Selbstermächtigung und Selbstbewusstsein „zurückerobert“ werden. Fehler eines Mediums müssten eingestanden werden, aber sachlich sowie „auf Augenhöhe“.

Wie könnten Journalistinnen und Journalisten die Glaubwürdigkeit wieder herstellen? Laut Kahlweit durch stetiges Erklären: „Wir lernen. Wir sind nicht Pressesprecher von Parteien, wir sind nicht Facebook und müssen mit den Leserinnen und Lesern reden, nicht über sie“.
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