Wie Österreich vom 007-Faktor profitiert
 

Wie Österreich vom 007-Faktor profitiert

Starpix/picturedesk.com
James Bond-Darsteller Daniel Craig mit Bond-Girl Léa Seydoux in Sölden.
James Bond-Darsteller Daniel Craig mit Bond-Girl Léa Seydoux in Sölden.

'Spectre' begeistert heimische Zuseher, wie kein anderer Bond-Film zuvor. Agent 007 sorgt außerdem für einen enormen PR-Wert für Sölden, Altaussee, Obertilliach – und ganz Österreich

232.000 Besucher lockte "Spectre" laut Sony Pictures bereits am ersten Wochenende nach dem Start in die heimischen Kinos – damit feiert der Film mit Daniel Craig als 007 im Kampf gegen Franz Oberhauser, ­gespielt von Christoph Waltz, den ­erfolgreichsten Bond-Start aller Zeiten in Österreich. Insgesamt 300 Millionen Dollar spielte der Film weltweit bis dato ein, in beinahe jedem Land, in dem der Film bereits zu sehen ist, wurden neue Kassenrekorde aufgestellt – nur in Deutschland war der Vorgängerstreifen "Skyfall" zu ­Beginn im Jahr 2012 um einige hunderttausend Besucher stärker, als das neueste Bond-Abenteuer.

Erfolgswerte, über die sich nicht nur die Produzenten, sondern auch jene Unternehmen freuen dürfen, die im neuen 007-Film zu sehen sind, Aston Martin etwa, Belvedere Vodka, Heineken und Omega, um nur einige zu nennen. Heimische Marken sind im Film zwar keine zu sehen, "das wäre wohl zu teuer gewesen", so Arie ­Bohrer, Direktor der Film Commission Location Austria – dafür allerdings die österreichischen Drehorte Sölden, Altaussee und Obertilliach in Osttirol, die ebenso davon profitieren, im Film zu sehen oder im Fall von Altaussee gar dreimal namentlich ­genannt zu werden.

'PR-Wert ist enorm'

Doch zunächst einige Schritte zurück: "Es war äußerst schwierig, die Dreharbeiten nach Österreich zu ­holen, wir haben insgesamt ein halbes Jahr dafür gekämpft", erklärt ­Bohrer gegenüber HORIZONT. Am längsten – und zwar insgesamt 15 Tage lang – wurde schlussendlich mit einem rund 600-köpfigen Team in Sölden gefilmt. Prominent in "Spectre" zu sehen sind die Gondeln der Gaislachkogelbahn, der Gletschertunnel sowie der Gaislachkogel selbst inklusive dem Gourmetrestaurant "ice Q", das im Film als Klinik fungiert und per Computeranimation noch größer und spektakulärer dargestellt wurde. Zudem hatte das erste "Behind the scenes"-Video von Sony Pictures beinahe ausschließlich Sölden zum Inhalt und im Rahmen der Präsentation zum Start der Dreharbeiten verkündete Regisseur Sam Mendes: "We are taking Bond back to the Alps, to the snow again, in Sölden in Austria."

Klar ist somit: "Der PR-Wert für Sölden ist in jedem Fall enorm, ­absehbar ist, dass weltweit großes ­Interesse an den Drehorten herrscht", so Theresa Gstrein vom Ötztal Tourismus auf Nachfrage des HORIZONT. Man plane ab 2016, aktiv damit zu werben, als Bond-Drehort fungiert zu haben, doch, so heißt es in einer offiziellen Aussendung: "Es gibt Ideen, aber ­gemäß der Vereinbarung mit der ­Produktionsfirma können wir erst ­einige Wochen nach dem Filmstart mit diesen an die Öffentlichkeit gehen."

Keine extra Summen geflossen

Knapp eine Viertelstunde lang ist Sölden in „Spectre“ zu sehen, namentlich genannt wird der Wintersportort allerdings nicht. Ganz im Gegensatz zu Altaussee in der Steiermark, das dreimal in Dialogen erwähnt, zweimal auf einer Landkarte grafisch dargestellt und in geschriebener Version gezeigt wird. Vielfach wurde spekuliert, dass dafür zusätzliches Geld ­geflossen sei. Arie Bohrer dementiert dies: „Altaussee wurde deshalb genannt, weil es die erste ­Destination in Österreich ist, die im Film zu sehen ist. Das hat rein gar nichts damit zu tun, dass zusätzliche Summen gezahlt wurden, sondern mit den Entscheidungen des Film-Cutters.“

Wie dem auch sein mag: „Altaussee, die Region selbst und die Steiermark als Bundesland profitieren enorm von der Namensnennung und Verortung in der Karte. Der Nutzen und die Wertschöpfung sind mehrfach gegeben: einerseits durch die Dreharbeiten vor Ort im Jänner, ­damit einhergehend die Berichterstattung dazu und andererseits nun durch den Filmstart selbst und die ­erneute Medienaufmerksamkeit. Die (Stamm-)Gäste fühlen sich natürlich bestätigt, darüber hinaus bringt dieser Film die Steiermark auch einem internationalen Publikum näher“, ­betont Erich Neuhold, Geschäftsführer von Steiermark Tourismus. Pressekonferenzen, Online-Maßnahmen, ein Gewinnspiel sowie geführte Bond-Touren im Ausseerland sind ­einige der geplanten Maßnahmen, um den Bond-Faktor zu nutzen. Um konkrete Zahlen zur Wertschöpfung zu nennen, sei es allerdings noch zu früh.

Filmtourismus wächst


Von „Spectre“ profitieren werden, ­davon ist Arie Bohrer überzeugt, nicht nur Sölden, Altaussee und Obertilliach, sondern ganz Österreich. ­„Österreich erfährt sehr viel Aufmerksamkeit und die Alpen werden in einem hervorragenden Licht gezeigt. Generell ist der Filmtourismus im Wachsen begriffen – ob Spectre so viele Besucher nach Österreich locken wird, wie ‚Sound of Music‘ oder ‚Sissi‘ es tun, wird man sehen.“
Anfang des Jahres fungierte Sölden im Ötztal 15 Tage lang als Drehort des neuen Bond-Streifens „Spectre“. Neben dem 600-köpfigen Filmteam wirkten 50 Mitarbeiter der Bergbahnen Sölden an der Produktion mit. Gedreht wurde an der Gaislachkogel-Mittelstation, am Gipfel des Berges rund um das 2013 erbaute „ice Q“-Restaurant und im Gletschertunnel.
Ötztal Tourismus
Anfang des Jahres fungierte Sölden im Ötztal 15 Tage lang als Drehort des neuen Bond-Streifens „Spectre“. Neben dem 600-köpfigen Filmteam wirkten 50 Mitarbeiter der Bergbahnen Sölden an der Produktion mit. Gedreht wurde an der Gaislachkogel-Mittelstation, am Gipfel des Berges rund um das 2013 erbaute „ice Q“-Restaurant und im Gletschertunnel.
Am 5. und 6. Jänner wurde „Spectre“ am Altausseer See sowie auf der Seewiese mit dem Jadghaus gefilmt. Im Gegensatz zu Sölden und Obertilliach in Östtirol wird die steirische Ortschaft im Film dreifach namentlich und einmal schriftlich genannt und ist außerdem zweimal auf einer Landkarte zu sehen. Zusätzliches Geld floss dafür nicht, heißt es.
Screenshot Spectre Trailer
Am 5. und 6. Jänner wurde „Spectre“ am Altausseer See sowie auf der Seewiese mit dem Jadghaus gefilmt. Im Gegensatz zu Sölden und Obertilliach in Östtirol wird die steirische Ortschaft im Film dreifach namentlich und einmal schriftlich genannt und ist außerdem zweimal auf einer Landkarte zu sehen. Zusätzliches Geld floss dafür nicht, heißt es.
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