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VGN bleibt dabei: 'Inseratenstopp' des Finanzministeriums

APA/Herbert Neubauer

VGN-Chef Pirker: 'Sorgen muss man sich um das demokratische Gefüge der Republik Österreich'. Das Finanzministerium dementiert die Storno-Vorwürfe. 'News': Von Stornos war nie die Rede.

Horst Pirker, Chef der VGN Medien Holding, hat am Freitag bekräftigt, dass dem Magazinverlag vom Finanzministerium ein "unmissverständlicher totaler Inseratenstopp" verkündet worden sei. News-Chefredakteurin Kathrin Gulnerits geht davon aus, dass ein von News veröffentlichter Artikel namens "So mies geht's Türkis" den Ausschlag dafür gab, wie sie der APA mitteilte. Dieser setzt sich kritisch mit der ÖVP-Führung auseinander.

Das Finanzministerium hatte am Donnerstagabend in einer Aussendung dementiert, dass man gebuchte Inserate abbestellt habe: "Das Finanzministerium stellt klar, dass keine Inserate bei VGN storniert wurden". Ganz im Gegenteil habe man Ende März ein Gesamtpaket bei der VGN für das zweite Quartal verhandelt, beauftragt und abgearbeitet. Die Mediaplanung des Finanzministeriums erfolge völlig unabhängig von Berichterstattungen. Schaltungen könnten jedoch zeitlich als auch den Umfang betreffend variieren.

Von Stornierungen habe man allerdings ohnehin nie gesprochen, erklärt dazu Gulnerits, und zwar weder im Artikel selbst noch in jenem Tweet von News, der in der Branche am Donnerstag die Wogen hochgehen ließ. Das zweite Quartal geht demnächst zu Ende, und "logischerweise lassen sich Stornos im Nachgang nicht mehr realisieren", so die News-Chefredakteurin. Der Inseratenstopp bezieht sich somit auf die Zukunft. Und Buchungen für das dritte Quartal gibt es noch keine. Pirker berichtet von entsprechenden Absichtserklärungen - vor der ganzen Causa.

Das Volumen der Inseratenschaltungen vonseiten des Finanzministeriums in Titeln der VGN beziffert der VGN-Vorstand mit in etwa 200.000 Euro. "Die VGN Medien Holding war schon vor diesem Ereignis - gemessen an ihrer Marktbedeutung - krass benachteiligt. Sie wird es bleiben", meinte der VGN-Chef. Sorgen müsse man sich nicht um die VGN. Man habe im Vorjahr ein "sehr gutes Ergebnis" erzielt und liege dieses Jahr "noch viel besser". "Sorgen muss man sich um das demokratische Gefüge der Republik Österreich", warnte Pirker.

Im Interview mit dem Standard legte Pirker noch einmal nach und ortete in der Medienpolitik von Sebastian Kurz "eine Form der Orbánisierung. Kurz versucht, alle Macht bei Türkis zu konzentrieren." Zwar habe jede Regierung der jüngeren Vergangenheit versucht, über Inserate Medien zu "belohnen, zu sedieren oder zu bestrafen". Unter Sebastian Kurz habe diese Strategie aber noch einmal "eine neue Dimension erreicht", weil er sie mit einem "Marsch durch die Institutionen" kombiniere, so Pirker mit Verweis auf die relative türkise Mehrheit im Nationalrat (Legislative), auf die türkise Dominanz in der Regierung (Exekutive) und jüngst massive Angriffe auf die Justiz (Judikatur) vor allem durch den ÖVP-Abgeordneten Andreas Hanger. "Kurz und die türkise ÖVP unternehmen den Versuch einer totalen Machtübernahme in diesem Land", die übrige ÖVP müsse passiv zusehen. "Und das sage ich als einer, der sich der ÖVP einmal durchaus nahe gefühlt hat."

Wie die kürzlich von der RTR veröffentlichten Medientransparenzdaten zeigen, gab das Finanzministerium unter Gernot Blümel (ÖVP) im ersten Quartal des heurigen Jahres rund zwei Millionen Euro für Werbung aus. Im gesamten Vorjahr kam es auf 8,9 Millionen Euro, was auch den Corona-Inseraten geschuldet war. Sowohl im Vorjahr als auch im ersten Quartal 2021 liegt es hinter dem Bundeskanzleramt an zweiter Stelle der werbekräftigsten Ministerien. In Medien der VGN - darunter News, Trend, Woman sowie TV-Media - inserierte die öffentliche Hand im ersten Quartal 2021 insgesamt rund 700.000 Euro.

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