"Wer zahlt, schafft an"
 

"Wer zahlt, schafft an"

Conclusion aus dem European Newspaper Congress im Wiener Rathaus: Medienkonsumenten wandern ins Internet ab und erwarten kostenlose Inhalte.

Dass Medienkonsumenten wegen der steigernden Internetnutzung zukünftig nicht als Leser verloren gehen, war man sich beim European Newspaper Congress im Wiener Rathaus einig. Jedoch hätten diese Konsumenten "keine Zahlungsbereitschaft" für online-Inhalte, wie Stephan Russ-Mohl, Professor für der Universität Lugano, meint. Der Kommunikationswissenschafter sieht aber eine aufkeimende Chance von Geschäftsmodellen wie Online-Abos oder Micropayments. Kleinanzeigen als Einnahmequelle aber dürften für immer ans Internet verloren gegangen sein, denkt Russ-Mohl. Momentan räche es sich, dass Inhalte im Netz gratis angeboten wurden, da die Konsumenten sich nicht mehr darüber im Klaren seien, dass Medieninhalte auch online etwas wert sind. Für Russ-Mohl gilt es für die Medien die Übergangszeit zu überstehen, so dramatisch wie viele andere sieht er die Zukunft der Medien aber nicht. Im Vergleich zu den USA herrsche in Europa zumindest nicht das Selbstverständnis, dass online alles gratis sein muss und somit wäre diese Entwicklung leichter rückgängig zu machen. Zudem sei der Anteil aus dem Verkauf bei den Einkünften europäischer Zeitungen höher. Ideen, dass der Staat, ähnlich dem Bankenpaket, Medien subventionieren könnte, beurteilt der Experte skeptisch: "Wer zahlt, schafft an", gab er zu bedenken und verwies auf die ORF-Diskussion. Er rät als journalistische Gegenstrategie eher, Webseiten interaktiv zu gestalten und Nischen zu besetzen.

In eine ähnliche Richtung geht Dieter Rappold von der Medienagentur Knallgrau: "Search ist der neue Gatekeeper", lautet sein Credo, das an aktuelle Forschungsergebnisse anknüpft, die Suchmaschinen eine entscheidende Rolle bei der Informationskanalisierung im Internet zuschreiben. Er empfiehlt Verlagen: "Nicht versuchen, einen fahrenden Zug aufzuhalten, der ohnehin nicht aufzuhalten ist, sondern beim Online-Wachstum dabei sein." Journalistische Inhalte und sogenannter Conversational-Content (zum Beispiel Blogs) sollen einander nicht ausschließen und als Konkurrenz betrachten, sondern sich austauschen: "Wir leben nicht in einer Entweder-oder-Welt, sondern in einer Sowohl-als-auch-Welt." Entscheidend sei: "Wie kann man den Content zum Gesprächsinhalt der Community machen", so Rappold.










(Quelle: APA)
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