Wer produziert? - "Europa hat verschlafen"
 

Wer produziert? - "Europa hat verschlafen"

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Lokal und global: Wer sind die großen Player der Bewegtbild- und Streamingbranche und wie reagieren Österreichs Medienmacher auf die Veränderungen und den harten Konkurrenzkampf?

Dieser Artikel erschien zuerst in UPDATE #3/2019, dem Digitalmagazin des HORIZONT. Noch kein Abo? Hier klicken!

Nein, beim ORF macht man sich nichts vor. „Wir werden nicht mit Netflix, Prime oder Disney konkurrieren können“, sagt ORF-Intendant Alexander Wrabetz im Oktober auf dem Wiener „2050 Thinkers Club“ im APA Zentrum. Zwei, drei Player würden es sein, die künftig am „fiktionalen Markt“ den weltweiten Content produzierten, um diesen dann „dominant zum Endkonsumenten zu bringen“. Europäische Sender würden da kaum noch eine Rolle spielen. „Das hat Europa verschlafen“, sagt Wrabetz. So abgeklärt erlebt man den ORF-Chef selten.  

Wer also produziert künftig die global erfolgreichen Serien? Auf diese Frage fällt den meisten Marktteilnehmern in Europa der Name Amazon schnell ein. „Weltregierung“, wie Wrabetz den US-Konzern inzwischen nennt. Die marktbeherrschende Stellung des Versandhändlers mit angeschlossenem Streamingportal bestreitet niemand mehr, doch nicht alle bewerten den Dienst nur negativ. Die Produzentenallianz Film und Fernsehen etwa, die 270 Content-Hersteller im deutschsprachigen Raum vertritt. „Die Streamingplattformen werden eine wichtige Rolle als Auftraggeber für uns spielen. Als Interessensvertretung der Produzenten sehen wir in den neuen Playern am Markt aber viel mehr Chancen als Risiken“, sagt Geschäftsführer Christoph Palmer. Dennoch beobachte man mit Sorge die Tendenz, dass die neuen großen Player immer mehr in Eigenregie produzieren wollen.

Die Tendenz kommt nicht von ungefähr. Durch die wachsende Konkurrenz auf dem Streamingmarkt, etwa Disney oder Warner (HBO), entsteht auch für die zwei starken Jungs am Markt, Amazon und Netflix, eine neue Situation. Viele ihre bisherigen Quellen für neuen Stoff drohen zu versiegen. „Ich glaube, dass Netflix dadurch, dass Content von den großen Studios oder Disney abgezogen wird, zunehmend unter Druck geraten und es schwerer haben wird“, schätzt Katharina Behrends, Geschäftsführerin NBC Universal Global Networks in Deutschland. „Nun kommen auch noch weitere Player dazu, die den etablierten Anbietern zusätzlich Marktanteile abnehmen werden“, so Behrends, die als NBC Universal, ebenso wie Sky, so viele neue Serien in Auftrag gibt wie nie zuvor.

Traumfabrik Europa

Sind europäische und vor allem unabhängige Serienproduzenten über kurz oder lang also raus aus dem Geschäft? Netflix baut in New Mexiko gerade ein eigenes Film-Studio. Schlimmer noch: in Spanien lässt Netflix ebenfalls eine neue, eigene Traumfabrik zur Produktion für europäische Seien und Filme entstehen. „Es ist sehr zu wünschen, dass die Plattformen nicht die Fehler der ersten Generation der amerikanischen Filmproduktion aus den 20er und 30er Jahren wiederholen, als man bei allen Wertschöpfungsstufen selbst verantwortlich sein wollte“, so Palmer von der Produzentenallianz.

Apple, ab November ebenfalls neuer Player am Streamingmarkt, legt gleich mit Eigenproduktionen los. “Masters of the Air” etwa mit Tom Hanks und Steven Spielberg als Produzenten. US-Berichten zufolge baut der iPhone-Konzern ebenfalls ein eigenes Studio, um schneller Eigenproduziertes auf den Markt bringen zu können. Die lokalen Größen, RTL Group und ProSiebenSat.1, scheinen den Kampf um internationale Produktionen gar nicht mehr aufnehmen zu wollen. Nicht aufnehmen zu können. Und das, obwohl beide über renommierte Film- und Serienproduktionsfirmen verfügen (u.a. UFA oder Seven Pictures Film). Sie konzentrieren sich auf Produktionen für den deutschsprachigen Raum. Die lokalen Originals seien da ein wichtiges Alleinstellungsmerkmal, so Katja Hofem, COO bei ProSiebenSat.1 TV. Serien wie “jerks.”, “Frau Jordan stellt gleich” und “Check Check” gelten als Vorlage für das, was künftig zu erwarten sein wird. In Eigenproduktion, versteht sich.

Unterdessen performt der ORF erfolgreich auf der Mipcom und verkauft fiktionalen Content rund um die Fernsehserie „Soko Kitzbühel“ sowie die renommierten und mehrfach ausgezeichneten „Universum“-Natur- und Dokumentarfilme. Und spielt in diesem Segment sehr wohl eine Rolle.

[Story von Danilo Höpfner]

UPDATE hat außerdem recherchiert, wie das Serienbusiness sich entwickeln wird, was wir sehen werden, wie sich die Serienlänge verändert und was eigentlich 8K ist. 

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