Wenn Hirschen röhren ...
 

Wenn Hirschen röhren ...

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Medientage 2013: Christian Konrad meets Florian Scheuba - Kabarett mit ernsten Untertönen

Christian Konrad und Florian Scheuba im Gespräch zwischen "Verhaberung, Knechtschaft und Spiegelbild".

Florian Scheuba: Baustelle ORF ...

Christian Konrad: Wir haben eine ähnliche Situation (Anm., Beteiligungen an Kurier, Sat1, NÖ Pressehaus, ORS) wie der ORF, aber nehmen als Eigentümer keinen Einfluss - die einzige Möglichkeit glaubwürdig zu bleiben. Abgesehen davon: Ein Gremium mit 35 Menschen kann nicht arbeiten.

Scheuba: ORF-Gebühren direkt an den ORF, keine 90 Millionen an sieben Bundesländer (Ausnahme: OÖ und Vorarlberg) - wie finden Sie das?

Konrad: Bin ich dafür. Will der ORF mehr Geld, muss er jedenfalls zeigen was er dafür tut.

Scheuba: Christian Konrad könnte Retter des ORF sein und mit Landeshauptmann Erwin Pröll reden ...

Konrad: Das werde ich. Aber ein Poltiker, der Geld für ein Medium zur Verfügung stellt und sagt, mir ist egal was ihr macht, wäre ein Heiliger.  

Scheuba: Überschätzen Politiker die Relevanz von Medien für ihr Auftreten? Bei Bundesland Heute liegen zwar Pröll und Häupl in der Häufigkeit ihres Auftretens voran, aber Bundesland Heute hat in Wien und Niederösterreich die niedrigsten Marktanteile je Bundesland.

Konrad: Ja, die Wichtigkeit der Medien wird von Politikern überschätzt. Hier gibt es auf beiden Seiten ein problematisches Selbstverständnis: es braucht mehr Journalisten und Politiker, die selbstbewusster ihrer Aufgabe nachgehen - ohne Verhaberung. Die Angst vor Medienhetze ist unbegründet. Selbst bei Gratismedien heißt es nicht, dass die Leute mitgehen - mehr Gelsassenheit bitte, liebe Poltiker!
Jedes Land hat die Politik und die Medien, die es verdient. Bei aller Kritik, so schlecht ist das Land nicht, wir sind auch nicht abgesandelt!

Scheuba: Wie kann ein Politiker selbstbewusster sein, ohne Inserate zu schalten?

Konrad:
Die Nähe zu Journalisten ist zu groß. Die Sitten verlottern. Ich habe eine Initiative gestartet, um wieder Respekt voreinander zu lehren.

Scheuba: Inseratenboykott der ÖVP gegenüber News ...

Konrad:
Das ist eine übliche Reaktion, doch der Effekt ist negativ - ein Fehler, weil, es gibt nix älteres als die gestrige Zeitung.

Scheuba: Profil, News, Format sind voll Druckfehler, weil es kein Lektorat mehr gibt ...

Konrad: Es geht mir nicht gut damit. Aber - wenige orten Druckfehler. Wir müssen eben die Wirtschaftlichkeit aufrecht erhalten - ich denke, wir sind mit unseren Mitgesellschaftern auf einem guten Weg. Aber das muss man auch sagen, reich wird man mit Zeitungsgeschäft auf herkömmlichem Weg nimmer.

Scheuba:
Als Banker: Wie schaut ihr euch das an, dort wo ihr Kreditgeber seid?

Konrad: Schon lange nicht mehr. Aber Stichwort Beteiligungen: Die Unterstellungen in dieser Hinsicht weise ich zurück, ich kaufe diese Medien nicht mal. (Anm., diese Medien muss man nicht kaufen, Stichwort "Österreich")

Scheuba: Ihre Szenarien für Österreichs Medien?

Konrad:
Leichter wird es nicht, auch nicht für den ORF. Ich fürchte in einer Dreier-Koalition würde es noch schwieriger. Das ist auch für die EU ein Problem, wenn aufgrund der vielen Koalitionsregierungen keine Mehrheiten mehr zustande kommen - im Land und schließlich auf EU-Ebene. Das ist weltpolitisch ein echtes Problem.

Scheuba:
Was halten Sie von Förderungen generell?

Konrad: Als jemand, der an die Marktwirtschaft glaubt, bin ich dagegen. Aber in manchen Bereichen sind sie notwendig, sinnvoll und erwünscht - als Starthilfe, als Ewighilfe. Das erinnert mich an die Polizisten, die der Kaiser abbestellt hatte, um die Veilchen zu schützen - heute steht der Polizist immer noch dort und weiß schon lange nicht mehr warum.

Scheuba:
Stichwort hypertropher Boulevard ...

Konrad:
Es ist eine Frage des Marktes und der Inseratenbudgets. Ohne öffentliche Inserate hätten sie ein Problem.

Scheuba: Wenn das Bildungsministerien in "Heute" inseriert, ist es wie die Anzeige von Hochseeyachten im "Augustin".

Der "Augustin" - ein problematisches Medium für Konrad ... er spricht von "man sieht sich in der Gruft" und driftet dann zur Jagd, seinem großen Hobby, und der herbstlichen Hirschbrunft ab - der Grund warum er den Medientagen bisher ferngeblieben ist.


Scheuba: Was würden Sie in allen relevanten Bereichen anders machen?

Konrad:
Irgendwann sollte man, wenn 200 Millionen Euro ausgibt eine Kosten-Nutzen-Rechnung anstellen. Zum ORF: Dieser sollte anders organisiert werden: Vielleicht als AG, die der Republik gehört, aber mit unabhängigen Organen und in der Finanzierung unabhängig. Die Reform der Presseförderung wird hoffentlich alte Zöpfe abschneiden und alles einfacher machen.
Etablierte Medien sollten nicht künstlich über Wasser gehalten werden und bei den Gratismedien stelle ich eine Besonderheit in Frage: Warum sind die Verteilplätze auf öffentlichem Gut gratis? Jeder Würstelstand zahlt.
Und ich wünsche mir vom Wähler, dass er eine Entscheidung trifft, die das Land handlungsfähig erhält.

Besonderheiten am Rande: Kabarettist Scheuba und General Konrad sind interessanterweise per Du und ersterer erhält am Ende gar ein Angebot als PR-Manager in der Gruppe ... Apropos, wie hieß das Podium - "Zwischen Verhaberung, Knechtschaft und Spiegelbild".
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