Wenn die Tiroler mit den Wienern …
 

Wenn die Tiroler mit den Wienern …

Editorial von Rainer Seebacher, Chefredakteur HORIZONT (HORIZONT 8/2014)

Wenn Sie diese Zeilen lesen, wird die exklusive Preview des Magazinprojektes des Life Style Magazin Verlags und des echo medienhauses im Meinl am Wiener Graben, zu der Uschi Fellner-Pöttler am Donnerstag dem 20. Februar geladen hat, bereits vorüber sein. Dieses Projekt soll den nationalen Magazinring der Bundesländerinnen auch thematisch schließen. Der Life Style Magazin Verlag, an dem die Tiroler Moser Holding die Mehrheit hält, hat zwar schon im Juni letzten ­Jahres 25,1 Prozent an wienlive vom echo medienhaus gekauft und damit eine Allianz für eine gemeinsame Anzeigenvermarktung geschlossen. Die Positionierung des Titels ist aber von beispielsweise einer Tirolerin als regionalisiertem Frauenmagazin meilenweit entfernt. Die erste Aufgabe der neuen Herausgeberin der Bundesländerinnen, Uschi Fellner-Pöttler, sollte also eine völlige Umgestaltung des Titels sein.

Sollte. Denn, das ist nun fix: wienlive bleibt. ­Daneben wird es ein für die Stadt Wien regionalisiertes Frauenmagazin namens look! wienlive ­geben. Auf diesen Namen scheint man sich kurzfristig geeinigt zu haben. So stand „Primadonna“ als Name lange im Raum. Einer, über den die Tochter von Uschi Fellner-Pöttler, Jenny, unglücklich gewesen wäre. Führt sie doch das Frauenmagazin Madonna für das Medienhaus Österreich.

Über diese Startschwierigkeiten mag man nun Witze reißen, kurz die Augenbrauen heben – aber spätestens dann sollte man das Projekt ernst ­nehmen. Denn die Bundesländerinnen erreichen über eine halbe Million Leser und sind nach ­Angaben von Hermann Petz bereits jetzt hoch profitabel. Die Moser Holding beschreitet mit der Regionalisierung von Medien, in denen Anzeigenkunden auch national durchschalten können, keinen neuen Erfolgspfad. Den hat das Tiroler Medienhaus mit der Styria Media Group bereits im Jahr 2009 begonnen. Nämlich mit der Regionalmedien Austria AG. Die RMA entpuppte sich als Erfolg, war aber kein Selbstläufer und stand möglicherweise –als das Zusammengehen der Moser Holding und der Styria Media Group im Jahr 2009 in letzter ­Minute scheiterte – vor dem Aus.

Was der Life Style Magazin Verlag und das echo medienhaus nun vorhaben, ist nichts weniger als die Überwindung eines „Clash of Cultures“. Hier die hemdsärmeligen und handschlagerprobten Manager der Tiroler Moser Holding, die sich nach wie vor wundern, wie die Dinge in der Bundeshauptstadt bisweilen funktionieren. Dort die „Wiener Partie“, die gewohnt ist, ihre Medien auf ein urbanes Zielpublikum auszurichten, das man quasi vor der Haustür findet. Doch Einsicht ist bekanntlich der erste wichtige Schritt zur Horizonterweiterung. Genau die zeigt Uschi Fellner-Pöttler: „Das ­Frauensegment ist zwar sehr dicht, aber es ist alles sehr auf Wien konzentriert,“ meint sie. Man darf ­gespannt sein, welche Taten folgen werden.
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