Wenig Info für die junge Zielgruppe
 

Wenig Info für die junge Zielgruppe

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TV-Kritik: Das neue "ZiB Magazin" des ORF für die junge Seherschaft ist hübsch gemacht, inhaltlich bietet die Sendung aber noch zu wenig. Auch die "ZiB 20" hat einen optischen Relaunch bekommen

Der ORF möchte also mit neu gelaunchter Information die junge Zielgruppe bei der Stange halten. Wie das aussehen wird, zeigte die erste Ausgabe des neuen "ZiB Magazins", das künftig um 19.45 Uhr auf ORF eins der ebenfalls neu gemachten "ZiB 20" vorangestellt wird. Erstes Fazit: Hübsch gemacht, aber inhaltlich noch zu dünn.

Die Feuertaufe hatte Moderatorin Christine Wassertheurer zu bestehen, die recht souverän die undankbare Aufgabe meisterte, ein völlig neues News-Format zu präsentieren. Zum Teil holperte es noch ein wenig, zum Teil geriet die Positionierung allzu plakativ: "Wir vom Magazin analyiseren mit der scharfen Zunge und der feinen Klinge", versprach sie dem Publikum etwas unnötig. Wäre dies tatsächlich der Fall - der Seher hätte es schon mitbekommen.

Lücke zur Satire geschlossen

Inhaltlich nahm man den vorangegangenen Superwahltag in Kärnten und Niederösterreich als Aufmacher und schloss endlich die letzte Lücke zwischen Satire und Information im ORF. Kabarettist Thomas Maurer und "Kurier"-Karikaturist Michael Pammesberger durften nämlich über das ab- und wiedergewählte landespolitische Personal herziehen. Spaßfaktor: Leichtes Schmunzeln, Informationsfaktor: Leichtgewichtig.

Zeitgemäße Kamerarbeit

Neue Wege geht die Redaktion in der Aufmachung der Beiträge. Die Kameraarbeit weist einen zeitgemäßen Weg im News-Bereich und bietet auch jungen Sehern einen passenden optischen Anker. Ein nettes Feature sind auch die Inserts, die sich animiert im Bild mit Zusatzinformationen zum Thema verstecken. Als Vorbild fungierte hier offenbar der Kritiker-Erfolg "Sendung ohne Namen".

Für ein Magazin ist das "ZiB-Magazin" ein wenig kurz geraten. Mehr als thematische Anreißer blieben für die Seher irgendwie nicht übrig, wiewohl die einzelnen Beiträge auch als solche gedacht sind. Die Geschichte über etwaige Olympische Sommerspiele 2028 in Wien lehrte den Zuschauer beispielsweise unterm Strich folgendes: Ein olympischer Marathon wäre dank Wiener Straßennetz sofort durchführbar. Der Rest müsste wohl gebaut werden. Naja. Danach kam ein tapferer Japaner, der sich weigert, von der Sperrzone rund um das verunglückte AKW Fukushima wegzuziehen. Im Anschluss folgte die freundliche Verabschiedung vom verdutzten Seher. War es das jetzt?

Nein. Denn nach einem Werbeblock folgte das Wetter. Danach folgte Werbung. Danach die "ZiB 20". Vermarktungstechnisch ein Traum. Ob die junge Zielgruppe aber so lange dran bleibt, ohne impulsartig auf den Knopf zu drücken, wird sich noch weisen müssen.

"ZiB 20" in neuem Kleid

In neuem Kleid präsentierte sich auch die ZiB 20, deren Moderator Roman Rafreider mit einem neuen Gestaltungselement spielen durfte: Es gibt mit dem heimgekehrten USA-Korrespondenten Hanno Settele jetzt einen "Chefanalytiker". Im konkreten Fall durfte Settele mit den Kärntner Freiheitlichen abrechnen. "Hier wurde eine Partie abgewählt. Eine Partie und ihr Umgang mit der Macht", resümierte er, ohne dabei argumentativ allzu weit auszuholen. Ansonsten wurde dem viel beklagten Soundbite-Journalismus, der sich vor allem auf Zitate und wenig Hintergrund stützt, eine weitere Note hinzugefügt. Die junge Zielgruppe steht offenbar nicht so auf dichte Information.

Was die Macher jedenfalls bestärken dürfte, sind die Seherzahlen: Bei der ersten Ausgabe hatte das "ZiB Magazin" beim den Sehern ab zwölf Jahren bereits bessere Quoten als die am Montag davor programmierte Folge von "Mein cooler Onkel Charlie". Der hatte 177.000 Seher bei sieben Prozent Marktanteil, das "ZiB Magazin" erreichte 232.000 Seher bei neun Prozent Markanteil.
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