Welttag des Buches: Neue Zeiten, neue Seiten
 

Welttag des Buches: Neue Zeiten, neue Seiten

Stephan Koscheck/stock.adobe.com
Bücherstapel
Bücherstapel

Heimische Medienhäuser punkten bei ihren Buchangeboten vor allem mit harten Themen. Das Interesse ist im Buchland Österreich im Steigen begriffen.

Österreich ist immer noch ein Buchland. Feststellbar ist das etwa alljährlich im Weihnachtsgeschäft, bei dem Bücher einen der zentralen Faktoren des Umsatzkuchens in Höhe von zuletzt zwei Milliarden Euro darstellen. 23 Prozent aller Österreicher gaben dabei laut Statista an, Bücher verschenken zu wollen. Nur der Gutschein war mit 43 Prozent noch beliebter. Auch zum Unesco-„Welttag des Buches“, der am 23. April stattfindet, wird sich die heimische Buchliebe in zahlreichen Aktivitäten widerspiegeln. Doch wie ist es um die Buch-Aktivitäten der österreichischen Medienhäuser bestellt?

Das Krone-Kochbuch zählte jahrzehntelang zur Pflichtausstattung in heimischen Haushalten. Seit einigen Jahren hat sich das Schlagzeilenbuch mit seinem enzyklopädischen Anspruch aus über 300 Schlagzeilen des Jahres hinzugesellt.

Bei der Presse ist man 2016 eine Kooperation mit dem Molden Verlag eingegangen. Sechs Bücher sind seither veröffentlicht worden, die auch über den eigenen Presse-Shop verkauft werden. Schwerpunktmäßig setzt man auf politische Themen, aber zuletzt auch auf Historisches. Rainer Nowak, Herausgeber, Geschäftsführer und Chefredakteur, erklärt gegenüber HORIZONT die Zielrichtung wie folgt: „Die Kooperation ist aus folgender Überlegung entstanden: Journalismus wird täglich mit den höchsten Qualitätsansprüchen unserer Redakteure produziert, die den Blick auf Tagesaktualität richten und im Hintergrund langfristig zu gewissen Themen einen umfassenden Erfahrungsschatz und Know-how sammeln. Dieses Gesamtbild in Bücher zu gießen, und für anspruchsvolle Leser verständlich und greifbar zu machen, war die Intention hinter der Zusammenarbeit.“

Diese gestaltet sich für Nowak bislang sehr positiv: „Der Titel ‚Flucht: Wie der Staat die Kontrolle verlor‘, den Christian Ultsch und Thomas Prior gemeinsam mit mir über die heiße Phase der Flüchtlingswelle von Spätsommer 2015 bis Frühjahr 2016 verfasst haben, fand im vergangenen Herbst etwa auch in Deutschland breite Beachtung.“ Sehr gut funktioniert habe auch die Vorwahlzeit-Analyse von Josef Urschitz „Stillstand: Wie der Reformstau unseren Wohlstand gefährdet“. Weitere Titel seien für Herbst in Planung, so Nowak, der sich auch mit den wirtschaftlichen Kennzahlen hochzufrieden zeigt: „Aus meiner persönlichen Sicht können wir nur zufrieden sein – besonders der rege Zuspruch aus Deutschland und das starke Interesse unserer Abonnenten bei den Buchpräsentationen sind sehr erfreulich, zudem wir auch bei den Erlöserwartungen positive Ausreißer nach oben hatten.“

Lokalführer für Mündige

Auf Sachbücher fokussiert sich auch der Falter Verlag. Im HORIZONT-Gespräch hebt Geschäftsführer Siegmar Schlager vor allem den Klassiker „Wien, wie es isst“ hervor. Vom 900-seitigen Lokalführer mit seinem Verkaufspreis von 18,90 Euro verkaufe man rund 20.000 Stück jährlich, so Schlager. Bewertungen zu den 4000 Lokalen findet man nicht. „Wir gehen von mündigen Lesern aus.“ Werbung gibt es dagegen schon. „Wir brauchen Werbung, damit sich das rechnet“, meint Schlager. Ansonsten setzte man auch stark auf Reiseführer zu kleineren Gebieten als „Anleitung zum Erarbeiten einer Region“. Zehn bis 15 Titel erscheinen jährlich im Falter Verlag. „Wir haben vor zehn Jahren entschlossen, dass wir einen Bookshop betreiben wollen“, schildert Schlager. Heute erfreue sich der Buchverkauf zunehmender Beliebtheit und erreiche jährliche Steigerungsraten von etwa 15 Prozent. „Wir wollen ein gutes Amazon für das kleine Österreich sein“, so Schlager.

Exklusiv geht es bei der Kleinen Zeitung zu: In der Edition Kleine Zeitung erscheinen Bücher, die über die Verlagsbüros und den Webshop, nicht aber über den Buchhandel erhältlich sind. Stark im Buchsektor sind auch die Mediengruppe Österreich mit dem Fokus auf Kochen, Natur und Geschichte, sowie das Red Bull Media House. Dieses vereint unter dem Dach von Benevento Publishing die vier Marken Ecowin (Sachbü- cher), Servus als Ergänzung zu gleichnamigem TV und Magazin, Pantauro (das die Red-BullMarkenwelt behandelt) und Benevento.

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