Web 3.0 ist nichts für Einzelkämpfer
 

Web 3.0 ist nichts für Einzelkämpfer

Am Printgipfel der Österreichischen Medientage stellten sich renommierte Medienprofis der Frage, wie traditionelle Verlagshäuser mit dem Web 3.0 umgehen können.

Am zweiten Tag der Österreichischen Medientage diskutierten die größten Verleger Österreichs unter der Leitung von Michael Grabner zum Thema „Wie Verlage die Herausforderung des digitalen Zeitalters Web 3.0 meistern“. Am Podium saßen Oscar Bronner (Der Standard), Wolfgang Fellner (Österreich), Hans-Jürgen Jakobs (Süddeutsche Zeitung), Peter Kropsch (APA), Christian Nienhaus (WAZ Mediengruppe), Horst Pirker (Styria Medien AG), Franz Prenner (Mediaprint), Eugen Russ (Vorarlberger Medienhaus) sowie Oliver Voigt (Verlagsgruppe News).

Alle Teilnehmer waren sich einig, dass auch traditionelle Medienhäuser nicht ohne digitale Plattformen auskommen. Unterschiedlich waren jedoch die Ansätze, was die personelle und redaktionelle Umsetzung dieser Zweigleisigkeit betrifft. Auch die richtige Strategie einer erfolgreichen Umlegung der etablierten Markenstrategie vom Printsegment auf die digitale Welt scheint noch nicht gefunden. Nienhaus, Betreiber des Portals „Der Westen“ meint dazu: „Das Printmodell kann nicht einfach ins Internet übertragen werden.“ Horst Pirker sieht für Printverlage drei verschiedene Wege erfolgreich ins Web einzusteigen: „Entweder man bringt eine Marke in die digitale Welt, man kauft eine bereits etablierte Marke oder man fungiert als Geldgeber für junge Projekte und kann so von Anfang an dabei sein.“ Oscar Bronner, der mit Standard.at die erste deutschsprachige Zeitung ins Netz brachte, sieht das Erfolgsrezept in der Trennung von Print- und Online innerhalb des Verlags: „Wenn jemand meine Zeitung kannibalisiert, dann mache ich das selber“, so Bronner, der den Vorteil von Online darin sieht, dass es ein „unendliches Produkt“ ist. Eugen Russ setzte gar auf das Bekämpfen zwischen der Print- und der Onlineredaktion: „Wir glauben zutiefst an die Trennung der beiden Märkte“, erklärt Russ. Wolfgang Fellners knappes, aber seiner Ansicht nach wirkungsvolles Prinzip: „Online First“. Franz Prenner fragt sich: „Vielleicht ist das Bewegtbild im Internet das Wahre.“. Den Nachteil von Werbung im Internet sieht Prenner darin, dass es dort keine spürbare Öffentlichkeit gibt. Peter Kropsch von der APA meint: „Web 3.0 ist kein Konzept für Einzelkämpfer.“ Seiner Meinung nach ist bei Web 3.0 ein kooperativer Ansatz gefragt, wobei die neuen technischen Möglichkeiten aufgrund ihrer aufwendigen Einführung sinnvoll in Redaktionssystemen zum Einsatz kommen sollten.

Mehr zur spannenden Diskussion zum Printgipfel lesen Sie im HORIZONT Nr. 40, der am 3. Oktober 2008 erscheint.
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