Was wir an Tag Zwei der ÖMT16 gelernt haben
 

Was wir an Tag Zwei der ÖMT16 gelernt haben

J. Brunnbauer
Ja, die Branche steht vor zahlreichen Herausforderungen. Aber: die ÖMT16 (bzw. hier Rudi Kobza und sein Team) zeigten, dass sie auch jede Menge Spaß machen kann.
Ja, die Branche steht vor zahlreichen Herausforderungen. Aber: die ÖMT16 (bzw. hier Rudi Kobza und sein Team) zeigten, dass sie auch jede Menge Spaß machen kann.

Am 21. September, dem zweiten Tag der Medientage, ging es u.a. um den Kampf um die Millenials, Netflix und Co. als Konkurrenz für das lineare Fernsehen, neue Tools, eine Pitchkultur, die so nicht weiterleben kann und die Herausforderungen im Programmatic Advertising

Nach einem spannenden ersten Tag am Campus der Wirtschaftsuniversität Wien ging es am Mittwoch, den 21. September mit einer geballten Ladung an Themen munter weiter. Hier finden Sie die Highlights des Tages zusammengefasst. 

Auch Millenials haben Lust auf Medien

Die Keynote hielt an diesem Tag Yaser Bishr, Chief Digital Officer bei Al Jazeera. Am Beispiel der dazugehörigen digitalen Plattform AJ+ skizzierte er, welchen Herausforderungen sich Medienunternehmen heutzutage stellen müssen, um ihre Daseinsberechtigung nicht zu verlieren. Allen voran gilt es dabei, sich mit dem Generationen-Gap auseinanderzusetzen und zu realisieren, dass auch die Millenials sehr wohl Lust auf Medien haben. Gleich im Anschluss folgte in Saal 1 die zweite Keynote, gehalten von Roger de Weck,  Generaldirektor der schweizer Radio- und Fernsehgesellschaft. Er betonte, dass das digitale Zeitalter für private, als auch für öffentliche Unternehmen eine Reihe an Chancen bietet – vorausgesetzt, man tritt die Reise nicht im Alleingang an, sondern bildet Allianzen, etwa mit den Vermarktungsplattformen.  

Netflix ist keine Bedrohung

Ebenso wie Print wird das Fernsehen heute von einigen totgesagt – nicht aber auf den Österreichischen Medientagen. Die Diskutanten des Panels "TV over all" sind sich der Relevanz von Streamingdiensten wie Netflix, Amazon Prime und Co. zwar weitestgehend bewusst, sehen in ihnen aber keine Bedrohung. Katja Hofem, COO der ProSiebenSat.1 TV Deutschland GmbH ist etwa davon überzeugt, dass die erwähnten Plattformen als Nischen bei Special-Interest-Serien sehr erfolgreich sind, die sich im klassischen TV nicht so etablieren könnten. Aber: ein Massenprogramm sei Video-on-Demand jedenfalls nicht.

Um neue Channels ging es auch gleich im Anschluss, als Ben McOwen Wilson (YouTube), Boris Bolz (Mediakraft), Stefan Häckel (Vice), Caroline Klinger (Studio71 Vienna), Sandra Thier (Diego5) und Michael Wagenhofer (ORS) unter der Moderation von Vlad Gozman auf die Bühne gebeten wurden. "Auf der ganzen Welt investieren wir in die Macher, bieten Tools, Technologien und Bildungsressourcen an", erklärte Ben McOwen Wilson, der Director of Content Partnerships Europe, in seinem Impulsreferat.  In London, Berlin, Paris und anderen Städten hat YouTube eigene Studio-Spaces eingerichtet, in denen YouTuber sich untereinander und mit Experten austauschen können.

Programmatic muss transparent sein

Bis 2020 sollen 20 Prozent der Anzeigen bereits automatisch gebucht werden, belegen Studien. Klar, dass Programmatic Advertising somit ebenso ein Thema auf den Österreichischen Medientagen war. Alex Stil von der Group M Connect zeigte in seinem Impulsreferat die großen Trends und Herausforderungen der Disziplin auf und betonte, wie wichtig Transparenz, vor allem hinsichtlich der Monetarisierung ist. Weiters fiel der Begriff "Walled Gardens" - ein Großteil der digitalen Ausgaben landen bei Internetriesen wie Google und Facebook. Die Problematik liegt auf der Hand: Nicht alle haben Zugriff auf jegliches Inventar, das programmatisch zur Verfügung gestellt wird. Beim nachfolgenden Panel waren sich die Teilnehmer einig: Bei Programmatic geht es darum, den Kunden dort zu erreichen, wo er auch unterwegs ist, egal ob mobil oder am Desktop. 

Weitere Highlights an Tag Zwei:

  • Die Pitchkultur, wie wir sie seit Jahren kennen, wurde für tot erklärt. Unternehmen fordern von den Agenturen: Traut euch zu hinterfragen! Agenturen hingegen klagen oft über komplizierte Ausschreibungsverfahren und unklare Zieldefinitionen seitens der Auftraggeber.
  • Smartphone: Ein kleines Gerät bringt große Herausforderungen mit sich. Ob Medienunternehmen, Bankensektor, Mobilfunker oder Start-up-Szene - die Veränderungen und Chancen, die die Nutzung des Smartphones mit sich bringt, lässt kaum eine Branche kalt.
  • Die Diskussionsrunde "Qualität überlebt. Die neuen Chancen der Printmedien" mit Petra Hauser, Manfred Klimek, Andrea Kornhofer, Horst Pirker und Andreas Spielhagen wurde liebevoll das "Wohlfühlpanel" genannt. Doch es blieb nicht nur kuschelweich, denn klar ist: Printmarken erfolgreich unter die Leute zu bringen - sei es unter die Leser oder unter die Anzeigenkunden - ist im digitalen Zeitalter kein Zuckerschlecken.
  • "Wir müssen wieder zu unseren Kunden gehen und die leben in den Dörfern und nicht in der weiten Welt", erklärte Roland Brunhofer vom ORF Salzburg auf dem Lokalmedien-Panel der Medientage. Dass Regionalisierung weiterhin ein Trend ist, zeigt sich unter anderem dadurch, dass bis auf Wien in allen Bundesländern Regionalmedien an der Spitze der Media-Analyse stehen.
  • Die Art und Weise, wie Unternehmen zukünftig Daten nutzen und einsetzen, wird auch über deren Erfolg oder Misserfolg entscheiden. Aber: Wer die Daten hat, hat nicht automatisch den Kunden.
  • Und last but not least: Peter Dirnberger, Geschäftsführer von Dirnberger de Felice Grüber trat bei den Medientagen für die Kreativagenturen an und konnte sich mit seinem Vortrag gegen die Sparten PR, Media, Content, Event und Digital durchsetzen und das große Agenturcasting gewinnen


Hier geht es zu den Bildern des zweiten Tages am Campus der Wirtschaftsuniversität Wien. 
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