Was sehen? - Das Leben nach Game of Thrones
 

Was sehen? - Das Leben nach Game of Thrones

Goodpics / Adobe Stock
tv series
tv series

Selten gab es so einen (globalen) Hype um eine Serie wie bei "Game of Thrones". Was ist der Schlüssel zum (Serien-)Erfolg, denn "nicht jeder kann GoT"?

Dieser Artikel erschien zuerst in UPDATE #3/2019, dem Digitalmagazin des HORIZONT. Noch kein Abo? Hier klicken!

Die Zeichen für richtig tolle Serien stehen gut. Vermutlich waren sie nie besser als dieser Tage. „Wir beobachten eine wachsende Variationsbreite in den Serien“, so Christoph E. Palmer, Geschäftsführer der Allianz Deutscher Produzenten – Film & Fernsehen. Man sehe ein sehr starkes Momentum in Spannung und Dynamik. Mit steigender Zahl der Game of Thrones (GoT) Todesopfer (59 Tode in Staffel 1 - 4.548 Tote in Staffel 8) wuchs auch die Zahl der Zuschauer. Rekord zum Schluss: 17,4 Millionen Zuschauer allein beim US-Pay-TV-Sender HBO. „GoT ist ein hervorragendes Beispiel dafür, wie man eine Serie entwirft, die es so noch nicht gegeben hat“, meint Katharina Behrends von NBC Universal. Eine opulente, neue Ästhetik und zugleich globale Verfügbarkeit, das sei ein großer Unterschied zu früher. Qualitätsexplosion in der Serienproduktion, nennt sie das. 

Alle nachfolgenden Serien dürften es nun umso schwerer haben. Die Erwartungshaltungen sind groß. Doch ein bewährtes Mittel der US-Traumfabriken lautet: weitermachen. Direkt an den Erfolg einer beliebten Serie anschließen. Aus dem Kino alles schon bekannt. Läuft ein Film top, folgt Film 2, 3, 4. „Spin-off“ heißt das bei den Serien. Bereits vor dem Start der achten GoT-Staffel gaben die Producer bekannt, dass es mindestens einen Nachfolger zum Serienhit geben werde. Autor George R. R. Martin füttert die hungrigen Fans auf seinem Privat-Blog mit Insider-Updates. So sind erste Details über die zweite GoT-Serie mit dem Arbeitstitel "The Long Night" an die Öffentlichkeit getröpfelt. Es geht um eine Geschichte, die 10.000 Jahre vor den Ereignissen der jetzigen Handlung spielen soll. Schöne Grüße von „Young Sheldon“ (Big Bang Theorie) oder „Fear The Walking Dead”. Beim Heimatsender HBO soll der Erfolg von GoT so eingeschlagen haben, dass man an weiteren Spin-Offs, die Rede ist von insgesamt fünf möglichen Ablegern, basteln soll. 

„Nicht jeder kann GoT“

Doch: „Nicht jeder will und kann GoT machen“, heißt es etwa bei NBC Universal. Auch andere Serien-Formate seien gefragt und daran arbeiten gleich mehrere Anbieter mit Hochdruck. Denn im Hintergrund ist einiges in Bewegung geraten. Amazon Prime und Netflix wollen noch mehr Serien auf den Markt bringen, um ihre Kunden zu halten. TV-Sender setzen mit ihren Streamingablegern auf neue Serien, um wegbrechende Zuschauerzahlen im klassischen TV mit Streaming-First-Angeboten wieder wett zu machen. Und neue Player wie Disney+, AppleTV oder HBO Max (Warner) brauchen neue, erstklassige Serien, um vom Start weg zu überzeugen. Ach ja, und die Pay-TV Anbieter Sky und NBC Universal gibt es da auch noch. Die Öffentlich-Rechtlichen mit ihren TVtheken und Mediatheken und zahlreichen hochwertigen Inhalten nicht zu vergessen. 

Der Markt wird eng und die Player aus Silicon Valley haben bereits klar gemacht, dass sie auch die lokalen Märkte – Österreich, Deutschland, Schweiz - nicht den heimischen Kollegen überlassen wollen. Ein Kampf und die regionale Hoheit ist entbrannt. Die Angebotsvielfalt könnte davon weiter profitieren, meint die Allianz deutscher Produzenten: „Allein mit amerikanischen Produktionen wird der deutschsprachige Markt nicht bespielbar sein“, so Christoph Palmer. „Der deutschsprachige Markt ist so groß, dass keiner drumherum kommt, spezifisch zu produzieren.“ 

Der Schlüssel: die Serie muss so gut sein, dass sie auch international bestens funktioniert. Wie wäre es da mit einer Kombination aus Berlin (schön regional vertraut und zieht irgendwie immer) und Außerirdischen (beeindruckt auf dem US-Markt zu allen Zeiten). NBC Universal hat die Antwort: „Wir haben mit ‚Spides‘ eine Alien-Invasion-Serie in der Pipeline, die in Berlin spielt. Eine globale, internationale Serie, die aber in Deutschland mit einem internationalen Cast produziert wurde.“ Eine Alien-Invasion-Serie in Berlin also. Ein Serien-Stoff, den es so noch nicht gegeben hat. „Das“ Erfolgsrezept von GoT.

[Story von Danilo Höpfner]

UPDATE hat außerdem recherchiert, wie das Serienbusiness sich entwickeln wird, wer eigentlich produziert, warum sich die Serienlänge verändert und was überhaupt 8K ist. 

stats