Was passiert mit dem "Wirtschaftsblatt"?
 

Was passiert mit dem "Wirtschaftsblatt"?

Die Presse/Wirtschaftsblatt
Die Zukunft des "WirtschaftsBlatt" ist ungewiss und auch der "Presse" könnten Änderungen bevorstehen.
Die Zukunft des "WirtschaftsBlatt" ist ungewiss und auch der "Presse" könnten Änderungen bevorstehen.

Der täglichen Wirtschaftszeitung könnten bald Änderungen ins Haus stehen. Zu den genauen Plänen gibt sich das Management vorerst noch verschwiegen

Gespräche gab es schon länger und immer wieder drangen Gerüchte nach außen. Doch nun soll bald entschieden werden, wie es mit dem "Wirtschaftsblatt" weitergeht und ob auch der "Presse" Änderungen bevorstehen. Mehreren Quellen zufolge gebe es Überlegungen, Stellen zu streichen beziehungsweise das "Wirtschaftsblatt" vielleicht sogar ganz einzustellen. HORIZONT fragte nach. Nach einer Mail an den Vorstandsvorsitzenden der Styria Media Group, Markus Mair, antwortete eine Sprecherin: "Wie bereits in mehreren Statements erwähnt, werden unterschiedliche strategische Optionen geprüft. Derzeit gibt es dazu noch keine finale Entscheidung." Bei der "Presse" könnte es ein Interesse daran geben, die Weichen bald zu stellen. Besonders das "Wirtschaftsblatt" soll in wirtschaftlich ohnehin schwierigen Zeiten gehörig aufs Budget drücken. Eine Anfrage an die beiden Geschäftsführer Herwig Langanger und Rudolf Schwarz, die zugleich die Geschäfte der "Presse" leiten, beantwortete Marketingleiterin Franziska Keck mit einem knappen Mail. Auch sie verweist auf Optionen, die derzeit geprüft würden. Betriebsrat weiß von nichts "Presse"-Betriebsrat Michael Lohmeyer, der auch Vorsitzender des Styria-Konzernbetriebsrats ist, hat von Plänen, Stellen abzubauen, nichts gehört. Für das "Wirtschaftsblatt" könne er aber nicht sprechen, und als Mitglied im Aufsichtsrat der Styria Media Group sei er der Verschwiegenheit verpflichtet. "Die 'Presse' ist die 'Presse' und das 'Wirtschaftsblatt' ist das 'Wirtschaftsblatt'. Die Redaktionen sind unterschiedlich aufgestellt und voneinander unabhängig." "Wirtschaftsblatt"-Betriebsrat Herbert Geyer lässt wissen, er könne zu dem Thema nichts sagen. Eine Veränderung beim "Wirtschaftsblatt" könnte jedenfalls der nächste Schritt in einer Reihe von Optimierungen bei der Styria sein. Im vergangenen Jahr war der "Wiener" verkauft und die "SportWoche" aufgelöst worden. Nun geht es um Österreichs einzige Wirtschaftstageszeitung. Schon einmal Diskussionen Die erste Ausgabe erschien 1995. Nach einem harten Übernahmepoker mit der schwedischen Bonnier-Gruppe  übernahm die Styria Medien AG das Unternehmen im Juni 2006 zu 100 Prozent. Dann kam die Lehman-Pleite, die Weltwirtschaft brach ein und die Print-Krise begann. 2012 sorgte die Frage, wie es mit dem Blatt weitergehen soll, zum ersten Mal für Diskussionen. Der damalige "Presse"-Chefredakteur, Michael Fleischhacker, trat für eine Zusammenlegung der Redaktionen unter seiner Leitung ein. Das Projekt mit dem Codenamen "Wien 21" war bereits auf Schiene und alles vorbereitet. Am Ende legte sich "Wirtschaftsblatt"-Chefredakteur Wolfgang Unterhuber doch noch quer und pochte auf Eigenständigkeit. Schließlich mussten beide gehen. Rainer Nowak übernahm für Fleischhacker und Esther Mitterstieler folgte Unterhuber nach. Die zugleich beschlossene Neuordnung sah vor, dass "Presse" und "Wirtschaftsblatt" redaktionell getrennt bleiben aber unter neuer Leitung enger zusammenrücken – unter einem Dach in der Hainburgerstrasse.

Mitterstieler verließ die Zeitung nach nicht einmal eineinhalb Jahren: Die Trennung erfolgte nach erneuten Spekulationen um eine Zusammenlegung. Seitdem bilden Eva Komarek und Gerhard Hofer, der bei der "Presse" gemeinsam mit Hanna Kordik die Wirtschaft führt, die Chefredaktion. "Presse"-Redakteure mussten zunehmend Beiträge für das "WirtschaftsBlatt" übernehmen. Die beiden Zeitungen werden auch gemeinsam vermarktet.

Die entscheidende Frage Mittlerweile sind die Zeiten nicht rosiger geworden, die Geschäftsmodelle stehen weiter unter Druck. Die "Presse" führte in den letzten Jahren starke Restrukturierungs-Maßnahmen durch und kürzte Stellen – als Gegenmittel war etwa die "Presse am Sonntag" gegründet worden –, auch das "WirtschaftsBlatt" musste so manchen Aderlass verkraften. "Wie viele Personen braucht man, um eine eigenständige Zeitung zu machen?", könnte jetzt die Frage sein. Das "WirtschaftsBlatt" einzustellen wäre gewiss ein Verlust. Sollte es soweit kommen, dürfte das nach den Diskussionen der Vergangenheit zumindest für manche Manager keine Überraschung sein.
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