"Was man verspricht muss man halten"
 

"Was man verspricht muss man halten"

"Diese Jugend von Heute?!" - der Versuch eine Generation zu verstehen, moderiert von Mesi Tötschinger, "X-Press"- und news networld-Chefredakteurin.

Frido Hütter, stellvertretender Chefredakteur und Kulturjournalist der "Kleinen Zeitung", Franz Hess, Gründer des Start Up Spielwerk, das Apps und Spiele für iPhone und Android programmiert, VÖZ-Geschäftsführerin für "Zeitung in der Schule" Barbara Aschenbrenner und SPÖ-Nationalratsabgeordnete Laura Rudas diskutierten unter der Leitung von "X-Press"- und news networld-Chefredakteurin Mesi Tötschinger über "Diese Jugend von Heute?!".

Die "Jugend von Heute" kam in der Diskussion gut weg - leistungsbereit, gebildet, eigenständig, fix im Umgang mit neuen Medien, Widersprüchliches in Medien wird verifiziert und überprüft. Einfach sei es aber nicht. "Wir hatten es im Berufsleben sehr leicht", meint der 61-Jährige Hütter, "so leicht, dass wir gegen die Chancen rebellieren konnten. Die Jungen von Heute zeigen eine ungeheure Leistungsbereitschaft, aber sie balancieren am Rande des Prekariats." Die wirtschaftliche Situation ist deutlich herausfordernder. Rudas ergänzt: "Die Ansprüche sind extrem hoch. Die jungen Leute müssen sich in einer globalen Welt zurechtfinden, schnell studieren, arbeiten, aussehen wie Top Models. Sie stehen täglich im Wettbewerb und müssen gleichzeitig rebellieren. Das ist zuviel, das war früher nicht so", findet die SPÖ-Poltikerin, die selbst gerade erst 30 Jahre alt ist.

Zum Thema Medien sind die drei Diskutanten der Meinung, dass die bestehenden Medien ausreichen, allerdings verstärkt auf die junge Zielgruppe Rücksicht nehmen sollten, auch wenn es eine kleine, wirtschaftlich wenig interessante Gruppe sei. Hess greift auf, dass "Junge mehr verstehen als man ihnen zutraut. Ich selbst fühlte mich als Kind von der Mini ZIB verarscht. Junge Menschen müssen ernst genommen werden".

Auf die Frage von Tötschinger wer es richtig macht, wurde der "Biber" genannt. Und Hütter erzählt eine Anekdote zum "Standard": "Ich fragte Oscar Bronner einmal, warum er nicht als gut bestallter Maler in New York geblieben ist. Seine Antwort war: Als mein Sohn begann Zeitungen zu lesen, wurde mir klar, dass es keine gibt, die ich ihm zumuten möchte, also habe ich eine gegründet."

Relevant sei, dass die Jugend Kompetenz entwickelt, so Hess. Denn eines ist klar - sowohl die Prägung auf ein Medium als auch die demokratiepolitsche Bildung findet in jugendlichen Jahren statt.

"Wie kann die Medienwelt in 10 Jahren aussehen?" fragte Tötschinger. Dem Handy wurde einhellig eine große Zukunft bescheinigt, Hütter sah dies als großartige Sache allein aufgrund des Umweltaspektes. "Würde man heute die Leser umstellen, könnten wir beim Wegfall an Druck- und Vertriebskosten jedem noch das iPad dazuschenken", so Hütter. Smartphone, das iPad bedeuten für Hütter im Grunde, "die Rückkehr zur Infantilität - man tappt, tastet, so nach dem Motto reinfassen und der Busen ist da". Und das gefällt. Aschenbrenner und Rudas glauben an ein Nebeneinander der Medien und nicht an eine Verdrängung. Hess sähe eine digitale Welt auch sehr positiv - nicht zuletzt im Hinblick auf den Verkauf seiner Spiele und Apps.

Relevant ist für Hess, dass man die Jugend "ernst nimmt, auf sie zugeht", dass man "nicht zuviel verspricht, aber was man verspricht, auch hält", so Hütter und dass man "die Jugend unterstützt, so dass sie es merken und Position beziehen können", ergänzt Aschenbrenner.
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