„Was ist eigentlich Qualität?“ #3
 

„Was ist eigentlich Qualität?“ #3

Miel Satrapa
"Was zumeist beim Thema Medienförderung vergessen wird: Es braucht auch guten Journalismus, der sich nicht darin erschöpft, gut und sehr gut Gebildete zu adressieren."
"Was zumeist beim Thema Medienförderung vergessen wird: Es braucht auch guten Journalismus, der sich nicht darin erschöpft, gut und sehr gut Gebildete zu adressieren."

Gastkommentar von Fritz Hausjell, Medienhistoriker.

„Qualität im Journalismus definieren zu wollen gleicht dem Versuch, einen Pudding an die Wand zu nageln." Dieses Zitat des Kollegen Stefan Ruß-Mohl, derzeit Professor an der Universität Lugano und von mir geschätzt, begleitet seit Jahren fast jede einschlägige Debatte. Es ist nicht sein bester Vergleich. Welchen Sinn macht es, Pudding an die Wand nageln zu wollen? Ein extrem hartgekochter ließe sich per Nagel schon befestigen, aber er wäre halt ziemlich ungenießbar.

Ein paar klassische Kriterien sind weiter gültig: Journalismus ist dann besonders qualitätsvoll, wenn er Themen setzt abseits von Agenturmeldungen und Inputs durch Public Relations. Aufwändige Recherche, die nicht der Verführung erliegt, jegliche Realität wäre online auffindbar und zu prüfen, wird auch weiterhin dafür sorgen, dass im Qualitätsjournalismus gesicherte Fakten die Grundlagen der Berichterstattung bleiben. Neben der soliden Information wird Journalismus bedeutsamer, wenn er durch kluge Argumente in Analysen, Eigen- und Gastkommentaren die diskursive Vitalität der gesellschaftlichen Ausverhandlungen belebt. Dafür brauchen journalistische Akteure Reflexionszeit sowie den Dialog mit dem Publikum, nicht jedoch das Hinterherhecheln gegenüber der Aktualität oder den Mediennutzern.

Was zumeist beim Thema Medienförderung vergessen wird: Es braucht auch guten Journalismus, der sich nicht darin erschöpft, gut und sehr gut Gebildete zu adressieren. Populäre Medien müssen nicht zwangsläufig die Schattenseiten des Boulevardjournalismus aufweisen. Wenn sich Massenblätter Kriterien der journalistischen Ethik stellen, sich Presseräten nicht verweigern und darin mitwirken, wäre schon einiges gewonnen.

Nicht nur in Zeiten der zunehmender Diskreditierung klassischer Medien durch vor allem rechtspopulistische und -extreme Kreise, sondern auch um mit dem Publikum auf Augenhöhe zu agieren, muss Qualitätsjournalismus heute etwas Neues leisten: Sich selbst gründlich erklären, die eigenen Regeln transparent machen. Damit macht er seine Überlegenheit gegenüber den meisten ungeprüften Informationen in diversen digitalen Netzwerken und manchen „alternativen Medien“ erkennbarer.

Am Dienstag, 10. Jänner, lesen Sie die Meinung von Markus Mair, Vorstandsvorsitzender der Styria Media Group.

[Fritz Hausjell]
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