Was die Branche aufwühlt und antreibt
 

Was die Branche aufwühlt und antreibt

Getty Images/Maja Hitij
Von Dienstag bis Mittwoch wurde die Alte Oper in Frankfurt wieder zum Nabel der Marketing-, Werbe- und Medienwelt. Hier tagte der von der dfv Mediengruppe und dem deutschen ­Horizont initiierte deutsche Medienkongress.
Von Dienstag bis Mittwoch wurde die Alte Oper in Frankfurt wieder zum Nabel der Marketing-, Werbe- und Medienwelt. Hier tagte der von der dfv Mediengruppe und dem deutschen ­Horizont initiierte deutsche Medienkongress.

Beim deutschen Medienkongress diskutierten Entscheider aus Unternehmen, Medien und Agenturen über Reizthemen wie Fake News, Leuchtturm-Beispiele im Printbereich, Thesen zur Zukunft des Fernsehens und 'The Next Big Things'.

Dieser Artikel erschien auch in der HORIZONT-Printausgabe 03/2017 vom 20. Jänner. Hier geht's zum Abo.

Fake News, der Boom der Special-Interest-Magazine, wie es um die Zukunft des klassischen Fernsehens bestellt ist und welche als "The Next Big Things" der Branche gehandelt werden, standen im Zentrum der Diskussionen am diesjährigen deutschen Medienkongress.

Zum Auftakt hielt Miriam Meckel, Chefredakteurin der WirtschaftsWoche, eine Keynote zum postfaktischen Zeitalter und umriss in ihrem Vortrag die Entwicklung, die der Prozess der Meinungsbildung durch das Internet nimmt. Meckel beklagte das verlorene Vertrauen der Menschen in gesellschaftliche Institutionen und macht dafür die "sozialen freien Radikale" im Internet verantwortlich. Menschen, so glaubt die Chefredakteurin, machen sich zu wenig Mühe, Informationen, die sie im Web lesen, zu hinterfragen. Fake News im Internet fallen deshalb auf einen allzu bereiten Nährboden. Sie warnt eindringlich vor diesen "trojanischen Pferden" der digitalen Gesellschaft.

Der Umgang mit Fake News

Die Problematik der Fake News wurde auch in der Diskussionsrunde der Chefredakteure behandelt. Julian Reichelt, Chefredakteur Bild Digital, beklagt, dass es gesamtgesellschaftlich versäumt wurde, ein Bewusstsein dafür zu schaffen. "Schon seit zwei Jahren gibt es einen massiven Angriff auf unsere Institutionen." Das Problem sei deshalb nicht ganz neu, Bild bereite sich seit Langem auf den Umgang damit vor. Doch so weit sind nicht alle: "Wir müssen unsere Kapazitäten im Umgang mit Fake News noch deutlich ausbauen", sagt Kai Gniffke, Erster Chefredakteur von ARD-aktuell. Zwar gebe es bereits Teams, die Nachrichten verifizieren und die Quellen prüfen, aber dem Thema einen noch größeren Stellenwert einzuräumen, sei "alternativlos".

Special-Interest-Magazine boomen

Trotz Problematiken im Netz kommt kein Medienkongress ohne ein Podium aus, das die vielzitierte Printkrise thematisiert. Im Zentrum des Printpanels stand die These: Die Zeiten, in denen neu gegründete Zeitschriften hohe - und zwar richtig hohe - Verkaufszahlen erreichen, scheinen vorbei zu sein. Längst heißt es, spitz sei das neue breit - Special-Interest-Magazine mit niedrigerer Auflage sind der Trend der Stunde. Auch Jörg Hausendorf, Konzerngeschäftsleiter Bauer Media Group, bekräftigt: "Die Zeit der Millionen-Dickschiffe ist vorbei." Nicht unerwähnt bleiben dürfen aber die Leuchtturm-Beispiele, die noch immer millionenfach gedruckt werden: TV14, ADAC Motorwelt und Apotheken Umschau sind drei davon.

Thesen zur Zukunft des Fernsehens

"Totgesagte leben länger" - ein altes Sprichwort, das auch auf das klassische Fernsehen zutrifft. Welche Zukunft wartet auf die Gattung, deren Tod zwar schon oft beschworen, aber noch lange nicht in Sicht zu sein scheint? Diese Frage versuchten Diskutanten anhand von fünf Thesen zu beantworten. Erstens: Junge Zielgruppen kommen ins lineare Fernsehen zurück, wenn sie älter werden und sich ihre Lebensumstände ändern. Zweitens: JICs (Joint Industry Committees) haben keine Zukunft, stattdessen werden die Zahlen künftig von anderen Anbietern ermittelt. Drittens: Das Smartphone wird zum wichtigsten Gerät, um Bewegtbildinhalte zu konsumieren. Viertens: Sonderwerbeformen können die klassische TV-Kampagne nicht ersetzen. Fünftens: Virtual Reality wird im TV keine große Rolle spielen.

"The Next Big Things"

Für Gesprächsstoff sorgten auch die beiden Trendthemen Virtual Reality und Amazon Echo. Um 300 Prozent ist die Zahl der VR-Geräte 2016 weltweit gestiegen, und auch in der Wirkung sei die virtuelle Realität anderen Medienformaten überlegen, sagt ­Sascha Lekic, Director IM B2B Samsung Electronics: "Mit dieser Technologie erzählt man Geschichten nicht nur, man erweckt sie als Erlebnis zum Leben." Allerdings blieb die Suche nach relevanten Trends nicht auf die neuesten Technologien beschränkt, sondern bildete die ganze Brandbreite von alt bis neu ab, wie etwa Newsletter und Native Advertising.
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