Wandel der Medien prägt auch Druckereien
 

Wandel der Medien prägt auch Druckereien

Print Group Styria
Druckereien wie die Druck Styria im Jahr 2018: Ein All-in-one-Dienstleister mit kompletter Prozessbegleitung.
Druckereien wie die Druck Styria im Jahr 2018: Ein All-in-one-Dienstleister mit kompletter Prozessbegleitung.

Der Magazinbereich ist für die Druckbranche ein wichtiges Standbein. Die Anforderungen haben sich in den vergangenen Jahren allerdings gewandelt.

Dieser Artikel ist zuerst in HORIZONT 19/2018 erschienen. Noch kein Abo? Hier klicken!

Die Druckbranche befindet sich im Strukturwandel. Traditionelle Geschäftsfelder brechen weg, auf der anderen Seite entstehen neue Märkte. 2016 stieg der Branchenumsatz erstmals nach sechs Jahren wieder leicht um 0,8 Prozent. Auch 2017 verlief bis in das dritte Quartal positiv. Ein schwaches Weihnachtsgeschäft war schlussendlich für ein Minus von 1,1 Prozent verantwortlich. Der Umsatz sank daher auf 1,63 Milliarden Euro, so die aktuellen Zahlen des Verbands Druck & Medientechnik auf Anfrage des HORIZONT. Ein Blick in die Detailanalyse zeigt zudem: Nicht die klassischen Druckereien profitieren, sondern Nischenanbieter und neue Druckdienstleister.

‚Wachsender Anteil‘

Einen wichtigen Anteil an den Zahlen hat der Magazinmarkt, auch wenn das nur schwer in Zahlen zu gießen ist. Annähern kann man sich über die Umsatzzahlen einzelner Druckereien. So nimmt etwa der Magazinbereich bei der Druck Styria – mit 3,8 Millionen Euro – 9,5 Prozent des Gesamtumsatzes ein, wie Verkaufsleiter Alfred Markus gegenüber HORIZONT erklärt. Roman Gerner von NP Druck will zwar keine Zahlen nennen, meint jedoch: „Die Magazinprodukte stellen bei NP Druck einen wachsenden Anteil am Gesamtumsatz dar.“ Auch bei der Druckerei Berger ist dieses Geschäftsfeld nicht wegzudenken. „In unserem Haus werden über 400 Periodika produziert“, so Marketing- Leiterin Christina Voith auf Anfrage des HORIZONT.

Auflagen konstant, Umfänge nicht

Der Magazinmarkt ist nicht zuletzt durch die Digitalisierung und den verstärkten finanziellen Druck ständigem Wandel oft unterlegen. „Die Auflagen sind bei uns weitgehend konstant geblieben, die Umfänge sind jedoch im Schnitt aufgrund der effizienteren Blattplanung leicht rückläufig“, so Markus. Zudem gebe es „oftmals eine Produktoptimierung hinsichtlich der Papierauswahl“. Gerner bemerkt in seinem Unternehmen „eine zunehmende Anzahl an Magazinprodukten – vor allem im Special-Interest-Bereich. Diese Tendenz begann bereits in den vergangenen Jahren und wir sehen hier einen längerfristigen Trend.“

Gestiegene Kundenbedürfnisse

Die Anforderungen werden zudem größer. „Es wird immer wichtiger, die Bedürfnisse der Magazinherausgeber und deren Kunden zu verstehen und so gemeinsam die perfekte Lösung für das jeweilige Druckprodukt herauszuarbeiten“, meint Gerner. Regionale Mutationsmöglichkeiten spielen dabei genauso eine wichtige Rolle wie spezielle Druckumsetzungen am Cover oder im Blattinneren, sowie das Anbieten von Zusatzleistungen wie Adressierung und Versand. „NP Druck verfügt sogar über ein eigenes Postamt, um diesem Bedürfnis perfekt und vor allem ohne Zeitverlust nachzukommen“, so Gerner. Auch werde immer öfter umweltschonende Produktion nachgefragt. Alfred Markus von Druck Styria bestätigt die gestiegenen Bedürfnisse der Kunden: „Die Herausforderung ist, All-in-one- Dienstleister zu sein, beim Kunden Hoffnungen und Bedürfnisse zu erahnen und präventiv zu erfüllen; sowie höchste Flexibilität beim Zeitplan und in der Verarbeitung.“

Prozessbegleitung als Trumpf

Alexandra Zotter, Geschäftsführerin des Verbands Druck & Medientechnik, verweist zudem gegenüber HORIZONT im Magazinbereich auf „sehr große Konkurrenz aus dem Ausland, speziell aus Deutschland, wo viele Verlagshäuser sitzen“. Die Exportstatistik der Intergraf weise für den österreichischen Zeitungs- und Magazindruck eine negative Exportquote auf. Demnach werden deutlich mehr Magazine nach Österreich importiert als umgekehrt exportiert. „Gleichzeitig ist in den letzten Jahren der Markt für Corporate Publishing und Special-Interest-Magazine gewachsen“, so Zotter, und ergänzt: „Immer mehr Unternehmen werden selbst zu Verlegern und geben etwa Kundenmagazine heraus. Hier punkten österreichische Druckereien, weil sie von der Beratung über den Druck bis zur Versandlogistik das Produkt abwickeln können.“ Und nicht zuletzt ist auch der Verband selbst mit dem eigenen „druck & medien“-Magazin mit einer gesteigerten Auflage von 3.000 Stück ein gutes Beispiel für den Trend zu Special Interest.

[Michael Fiala]

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