WAN-IFRA: Mehr Attacken auf die Pressefreihei...
 

WAN-IFRA: Mehr Attacken auf die Pressefreiheit

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World Press Trends 2014: Thema Presseförderung und wirtschaftliche Entwicklung der Branche

Attacken auf die Pressefreiheit haben in den vergangenen zwölf Monaten weltweit zugenommen. Unter Druck sind Journalisten und Pressefreiheit laut Weltzeitungsverband WAN-IFRA aber nicht nur in Diktaturen und auf Kriegsschauplätzen, sondern immer öfter auch in westlichen Demokratien, wie Erik Bjerager, Präsident des World Editor Forums, beim Weltzeitungskongress in Turin erklärte.

Viele Staaten würden Antiterrorgesetze missbrauchen, um gegen Journalisten, Blogger oder Meinungsfreiheitskämpfer vorzugehen. Mehr als 200 Journalisten saßen im vergangenen Jahr wegen solcher "anti-staatlicher" Umtriebe im Gefängnis, so Bjerager, der an dieser Praxis scharfe Kritik übte: "Journalismus hat nichts mit Terrorismus zu tun." Einer dieser Inhaftierten, der äthiopische Journalist Eskinder Nega, wurde vom Weltzeitungsverband mit der Golden Pen of Freedom 2014 ausgezeichnet.

Während zuletzt vor allem Medien und Journalisten in Thailand, wo das putschende Militär mehr oder weniger die Kontrolle über die veröffentlichte Meinung übernahm, und der Ukraine, wo es seit Jahresbeginn über 200 Angriffe auf Journalisten gab, im Fokus standen, waren in Turin auch Pressefreiheitsverstöße westlicher Regierungen Thema. Gary Pruitt, Geschäftsführer der US-amerikanischen Nachrichtenagentur AP, berichtete etwa von Abhöraktionen durch die US-Regierung, und Janine Gibson, Chefredakteurin des Online-Guardian, von Repressionen der britischen Regierung rund um die Edward Snowden-Enthüllungen. Pruitt und Gibson riefen zum weltweiten Kampf für die Pressefreiheit auf.

World Press Trends 2014

Neben dem Thema Presseförderung beschäftigte die internationalen Zeitungsverleger vor allem die wirtschaftliche Entwicklung der Branche. Jährlicher Fixpunkt des Medientreffens ist dabei die Veröffentlichung der World Press Trends. Rund 2,5 Milliarden Menschen weltweit lesen demnach Zeitungen in Print, 800 Millionen die dazu gehörenden digitalen Online-Plattformen.

Weltweit ist die Printauflauge 2013 um zwei Prozent gestiegen, in den vergangenen fünf Jahren aber insgesamt um zwei Prozent gesunken. Wobei die Steigerungen vor allem auf das Konto von Asien und Lateinamerika gehen und dort wiederum auf Länder mit wachsender Mittelschicht und geringer Breitbanddurchdringung zurückzuführen sind. In Nordamerika und Europa gingen die Zeitungsauflagen im Vorjahr um etwas mehr als fünf Prozent zurück. Betrachtet man die vergangenen fünf Jahre fiel der Rückgang noch deutlicher aus: Nordamerika minus 10,25 Prozent, Europa minus 23,02 Prozent.

Printwerbung brach 2013 weltweit um sechs Prozent ein, über die vergangenen fünf Jahre waren es minus 13 Prozent. Dem stehen zwar zweistellige Zuwachsraten bei der Online-Werbung gegenüber, allerdings in deutlich niedrigeren absoluten Umsatzzahlen. "Der Großteil des Umsatzes mit Internet-Werbung geht an eine Handvoll Unternehmen, das meiste davon an Google", so WAN-IFRA-Generalsekretär Larry Kilman.

Auch in Sachen Printwerbung sind Nordamerika und Europa besonders stark von den Rückgängen betroffen. In Nordamerika waren es in den vergangenen fünf Jahren knapp minus 30 Prozent, in Europa etwa minus 18 Prozent, 2013 hielten die beiden Kontinente bei minus 8 bis minus 9 Prozent.

Insgesamt lagen die globalen Umsätze aus Zeitungsverkäufen und Werbung 2013 bei 163 Milliarden Dollar und blieben damit gegenüber dem Jahr davor relativ stabil. 2008 lag dieser Wert allerdings noch bei 187 Milliarden Dollar. Und auch wenn die Einnahmen aus dem Digital-Geschäft steigen, nach wie vor kommen 93 Prozent der globalen Zeitungsverlagsumsätze aus dem Printgeschäft.

In den globalen Trendzahlen spiegelt sich der Erosionsprozess wider, dem die bisherigen Geschäftsmodelle vieler Medienhäuser ausgesetzt sind: Print-Umsätze stagnieren und gehen zurück, während die Digitalzuwächse bei weitem nicht das Gewicht von Print erreichen. "Wenn wir das Umsatzproblem nicht knacken und ausreichend Mittel zur Verfügung haben, damit die Zeitungen ihre gesellschaftliche Rolle erfüllen können, bedeutet das unweigerlich eine Schwächung der Demokratie", meinte denn auch Kilman.

"Die Rolle von Zeitungen für demokratische Gesellschaften darf nicht unterschätzt werden", so Kilman. "Wenn Zeitungsverlage nicht ausreichend Umsätze aus dem Digital-Geschäft generieren und nicht zugleich interessante und engagierte Angebote für Leser und Werber produzieren, dann sind sie dazu bestimmt, künftig nur mittelmäßige Produkte anzubieten, die sich nicht von der Masse künstlicher Nachrichten unterscheidet. Ein nachhaltiges Geschäftsmodell für Digitale Medien zu finden, ist nicht nur wichtig für unser Geschäft, sondern auch für die Zukunft der Öffentlichkeit und von demokratischen Gesellschaften."
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