W24 ist mitten drin in Wien
 

W24 ist mitten drin in Wien

Marcin Kotlowski, Geschäftsführer der WH Medien GmbH, erzählt im Interview von einer geplanten Vertriebsoffensive – und verrät Erlösziele

Horizont: Am 11. April startete W24 nach einem Relaunch mit 14 neuen Formaten und neuem Design als Wiener Stadtsender im UPC-Netz. Das ist nun ein halbes Jahr her, wie geht es dem Sender?

Marcin Kotlowski: Die Anzahl der Zuschauer ist stabil, seit Juni beobachten wir leichte Zuwächse. Wir sind im Teletest, haben da 4,5 Prozent Marktanteil im Kabelnetz Wien, also etwa 45.000 bis 50.000 Zuseher je nachdem welcher Wochentag. Aber das Publikum ist jünger geworden und die Verweildauer ist von acht auf elf Minuten gestiegen, was wir uns auch als Ziel gesetzt hatten. Elf Minuten klingt vielleicht nicht viel, aber die Gewohnheiten der Fernsehzuschauer verändern sich langsam, in Prozent ist es eine Steigerung um mehr als 30%. Man muss Durchhaltevermögen aufbringen. Unsere Hauptzielgruppe sind Wiener und Wienerinnen mit 30 plus, wir sind eher frauenlastig.

Horizont: Wie sind die ersten Erfahrungen mit dem Programm?

Kotlowski: Seit April wurde der Anteil des Neuprogramms um weitere 50 Prozent erhöht, wir liegen nun bei knapp fünf Stunden täglich und inzwischen 21 Formaten. Die stündlich aktualisierten Nachrichten sind Kern des Senders, die Tagesredaktion ist den ganzen Tag besetzt. Wir sind der einzig rein regionale Wien-Sender und - wir sind gekommen um zu bleiben. ATV, früher W1 und PulsCityTV haben sich ja zu inzwischen erfolgreichen nationalen Mitspielern entwickelt, ihr Fokus ist nicht mehr das Stadtprogramm. Was wir versuchen ist nicht zu viel zu experimentieren, sondern den Zuseher an fixe Inseln zu gewöhnen. Und wir wollen einen Einstieg für junge Talente in die österreichische TV-Landschaft bieten.

Horizont:
Welche sind die wichtigsten Sendungen?


Kotlowski: Eine relevante Schiene ist die Guten Morgen Show mit fünfzehn Minuten Nachrichten und Fitness mit dem Trainer und Choreographen Alamande Belfor sowie Außenreportern wie Jenny Posch oder Mario Böck. Diese läuft von sechs bis zehn Uhr im Rad. Das zweite fixe Format ist die Live-Nachrichtensendung Guten Abend Wien mit Kristina Inhof und Peter Schreiber. So starten wir um 18.30 Uhr in die Prime Time. Was wir gelernt haben ist, dass wir weniger auf Einzelsendungen setzen, sondern Flächen entwickeln müssen. So gibt es nun am Montag einen Sportschwerpunkt mit Sport in Wien, der Sportlounge mit Michael Knöppel und Sportplatz Schule. Für Herbst sind weitere Schwerpunkte geplant.

Horizont:
Können Sie dazu schon etwas verraten?


Kotlowski: Ein Höhepunkt wird ab September die wöchentliche Doku W24 Spezial am Mittwoch sein. Es dreht sich immer um einen Bezirk. Auf die einstündige Doku folgt ein Talk mit Bezirkspolitikern, Anrainern, Experten. Bei diesem Format werden wir mit rund 100.000 Euro von der RTR gefördert. Das freut uns sehr, die RTR hat ein offenes Ohr für neue Ideen und Formate lokaler Sender. Weitere Flächen adjustieren wir gerade. Somit gilt also Wirtschaft und Doku am Mittwoch. Josef Broukal hat ein eigenes Forschungsformat, neben seinem bereits erfolgreichen "Zukunft im Alltag". Talk und Unterhaltung beherrschen den Dienstag. Unser Dauerbrenner "Beim Feicht" wird ergänzt um die neue Sendung "Feicht on Tour". Oliver Feicht suchte dafür eine Co-Moderatorin, die gecastet wurde und völlig neu im Genre TV arbeitet. Gemeinsam fahren die beiden in österreichische Umfeldgemeinden und präsentieren diese Orte und ihre Freizeitmöglichkeiten. Das Format wird von der Tourismuswirtschaft und der Hotellerie unterstützt.

Horizont: Die Homepage soll ebenfalls erneuert werden ...

Kotlowski: Ja, ein weiterer, sehr starker Fokus liegt auf Online und Mobile. Unser Facebookauftritt startete vor zwei Monaten und wir haben bereits rund 2.500 Fans. Wir arbeiten an einer App und unser gesamtes Programm ist on demand und als Livestream verfügbar. Wir haben täglich 6.000 Zugriffe auf den Livestream. Der große Relaunch der Homepage inklusive mobile on-demand-Variante ist für das Frühjahr 2013 geplant.

Horizont: W24 lebt auch von Kooperationen und Sponsoren - wie läuft es in diesem Bereich?


Kotlowski: Neben DiTech, Kika oder Volvo konnten wir weitere Partner gewinnen, wie Fabasoft, Mazda, die Wirtschaftskammer Wien oder die Kammer der Versicherungsmakler. Die Art der Zusammenarbeit ist unterschiedlich. Es gibt Sendungskooperationen, wie Zukunft im Alltag mit DiTech oder normale Spots - wir dürfen wie jeder Privatsender zehn Minuten Werbung pro Stunde senden. Weiters gibt es Gegengeschäfte. Für manche Kunden realisieren wir Kurzvideos, zum Beispiel zur Eröffnung eines Autohauses. Das Video wird von uns gedreht, geschnitten und dem Partner für Website, Messeauftritte oder ähnliches zur Verfügung gestellt, einen einfachen Spot kann sich bei uns auch ein Wiener KMU leisten. Diese Sendungen werden mit "unterstützt von" gekennzeichnet.

Horizont: Was ist typisch W24?

Kotlowski: Unser Markenclaim ist: "Mein Wien." Das bedeutet auch, jeder kann bei uns ins Fernsehen kommen. Ein Beispiel ist Kitty Willenbruch, sie talkt im"Salon Kitty" als polarisierende Moderatorin. Kitty ist eine Friseurin aus dem 7. Bezirk und schon länger in der Wiener Burlesque Szene bekannt, das Fernsehen ist für sie ein neues Metier. Generell stellen wir Jungunternehmer, KMUs, interessante Produkte auch gern redaktionell vor.

Horizont: Sind sie mit anderen Sendern in Kontakt?

Kotlowski: Wir haben schon mit Okto kooperiert, die ebenfalls hier im Haus sitzen, wir sprechen aber auch mit PulsTV und SchauTV. Es gab eine Zusammenarbeit mit Radio Wien, wir haben die Sendung "Trost und Rat" mit Willi Resetarits auf W24 gebracht, die allerdings vorerst eingestellt wurde. Wir verhandeln aktuell mit dem ORF Wien, aber auch lokalen Produzenten über neue Ideen.

Horizont: Den Vertrieb leitet ...?

Kotlowski:
Da gibt es Neuigkeiten, uns ist ein echter Coup gelungen. Seit 4. September gibt es eine dreiköpfige Vertriebsmannschaft, die von Thomas Gindl, davor Vertriebsdirektor von Radio Arabella, geleitet wird. Ein Prinzip von W24 lautet: Wir besetzen relevante Positionen mit Menschen, die Erfahrung in der Branche haben. Zum Beispiel war W24-Chefredakteur Kurt Raunjak davor bei Puls4. Neben dem Vertrieb investieren wir weiter ins Studio. Inzwischen sind alle Studioräume klimatisiert, Kamera und Licht sind neu und es gibt ein zweites bespielbares Studio, ein drittes ist geplant. Bis Dezember werden wir noch einen sechsstelligen Eurobetrag in ausgezeichnetes Equipment investieren, beispielsweise wurden Broadcasting Software und Playout vollkommen erneuert.

Horizont: Woher kommt das Geld - schließlich sind sie als Tochter der Wien Holding, teil eines gemeindenahen Unternehmens?

Kotlowski:
Wir sind mit fünf Prozent an der UPC Telekabel beteiligt und finanzieren uns aus der Dividende der Stadt Wien. Die Stadt unterstützt uns bei diesem Projekt sehr, sonst wäre Stadtfernsehen in dieser Form auch nicht möglich. Ziel ist natürlich, wie unsere Vertriebsoffensive zeigt, Gelder aus dem Markt zu generieren und Partner für die lokale Wirtschaft zu sein.

Horizont:
Helfen ihre Kontakte als ehemaliger Mediensprecher des Kabinett Faymann sowie von Staatssekretär Josef Ostermayer?


Kotlowski: Ich arbeite seit 1998 im Medien- und Verlagsbereich. Davon rund sechs Jahre als Geschäftsführer, fünf Jahre im Technologieministerium und Bundeskanzleramt als Mediensprecher. Das war eine sehr lehrreiche Zeit, man hat täglichen Kontakt zu vielen Kollegen. Es gibt ein Vertrauensverhältnis zum Eigentümer, der Stadt Wien und es ist meine Aufgabe ein operatives Fundament für den Sender zu bauen.

Horizont: Ist W24 Trash - wie ist ihr Anspruch?


Kotlowski: Inhaltlich haben wir einen hohen Anspruch, bei der Realisierung höre ich von manchen Produzenten, manches wirke trashig. Wenn wir dann sagen, zu welchen Kosten wir das schaffen, halten es viele für unmöglich. Wir wollen und müssen hier auch neue Standards setzen. Das geht nur mit einer sehr motivierten Mannschaft, die auf Effizienz und neue Ideen setzt. Eine 8-stündige Berichterstattung von der Donauinsel wäre sonst unmöglich. Dabei sind für uns die Beiträge sehr lebendig und bodennah produziert. Wir rücken meist mit Zweimann-Teams aus - Kamera und Redakteur. Ab September wird es zwei rasende Reporter geben. Unsere Nachrichten bestehen aus Kurzbeiträgen mit Off-Text, der im Studio eingesprochen wird. Trash ist nicht das Ziel, aber Effizenz eben schon. Wir wollen Service für den Seher bieten, Beratung, die Stadt aus allen Perspektiven zeigen. Wir wollen auch Kleincommunities an uns zu binden mit Themen wie Sportplatz Schule - schon 5.000 Menschen sind für uns relevant. Der ORF hat eine halbe Stunde täglich Programm für Wien, wir nehmen uns viel mehr Zeit. Es gibt unserer Meinung nach zwei Ebenen, für die sich Mediennutzer in Zukunft am stärksten interessieren werden: globale Themen und Stars sowie das Leben vor der eigenen Haustür. Der Greißler um die Ecke, das sind wir. Wir bringen keine internationalen Nachrichten mehr, da würden wir uns nicht unterscheiden und keinen echten Mehrwert bieten.

Horizont: Ab wann sollen sich ihre Investitionen rechnen?

Kotlowski:
Ziel ist in vier Jahren so weit zu sein, dass wir am Markt rund 1,5 Millionen Euro erlösen. Die Lokal-TV Sender sind in einer Situation, in der Privatradios vor zehn Jahren waren. Am Privatradiomarkt gibt es jetzt etablierte Vertriebsstrukturen, einen gemeinsamen Vermarkter, den Radiotest. Der Markt ist erwachsen. So wird es in zehn Jahren auch im Lokal-TV-Markt sein. Wir sind Mitglied beim VÖP und im Herbst gibt es zum ersten Mal ein Lokal-TV-Board mit lokal erfolgreichen Sendern wie Steiermark1, KT1, LT1, Tirol TV, oder N1. Wir bemühen uns um Kontakt und Austausch in der Szene mit dem Ziel einer gemeinsamen Vermarktung.

Horizont:
Gab es ein Vorbild für W24?


Kotlowski: Wir haben uns intensiv mit MünchenTV und CenterTV Köln auseinandergesetzt. Diese bieten ebenfalls lokale Informationen und kooperieren mit der lokalen Wirtschaft. München TV erlöst meines Wissens nach jährlich rund sieben Millionen, Köln zwei bis drei. Also, wir versuchen nichts völlig Unrealistisches.
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