VOX auf der Suche nach neuer Bedeutung
 

VOX auf der Suche nach neuer Bedeutung

APA (dpa)
Logo/Mikrofon/RTL/RTL II/Schriftzug/n-tv/rtl zwei/vox
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Zum 25. "Geburtstag" des Senders wünscht sich Geschäftsführer Bernd Reichart "die Relevanz eines eigenen, ganzheitlichen Entertainment-Senders".

"In den letzten fünf Jahren haben wir intensiv daran gearbeitet, uns breiter zu machen - und auch ein bisschen größer", sagte Reichart. "Vox soll nicht die dritte oder vierte Option sein - sondern auch mal die erste. Und das gelingt uns mittlerweile immer häufiger." Zuletzt habe man schon neue Gebiete erschlossen - etwa mit der eigenproduzierten Fiction-Serie "Club der roten Bänder" und der Gründer-Show "Die Höhle der Löwen". 2018 mache Vox erste Versuche im Bereich Comedy.




Der Weg dahin war allerdings mit Kurven und mitunter auch Sackgassen verbunden. Angetreten war Vox als eine Art Privatsender für Intellektuelle: Unterhaltsam, aber mit Anstand und Seriosität. Die Werbung versprach: "Manche Fernsehsender fordern nur Gebühren. Wir fordern Ihren Kopf." Man setzte daher auf Nachrichten und Magazine wie das Medienmagazin "Canale Grande" mit Max Moor (damals noch Dieter Moor), der sein Publikum mit "Liebe Zielgruppe" begrüßte. Kritiker liebten die Sendung, 1994 war aber schon wieder Schluss. Der ganze Sender hatte Probleme: zu wenige Zuschauer, zu hohe Verluste.




Schon ein Jahr nach Sendestart (25. Jänner 1993) drohte das Aus. Im April 1994 ging Vox in die Liquidation, mehr als 250 Mitarbeiter mussten gehen. Die Rettung kam schließlich aus Amerika. Medienunternehmer Rupert Murdoch stieg ein, der Sender richtete sich neu aus - und berappelte sich. Vox wurde zum sogenannten Wohlfühlsender mit eher weichen Themen. Ganz wichtig waren Kochen, Autos und Reisen. 1997 ging "Kochduell" mit Britta von Lojewski auf Sendung, ein Vorbote der großen Kochshow-Welle. Hinzu kamen US-Serien. Wer an "Ally McBeal" denkt, hat heute noch sofort das Vox-Logo mit der roten Kugel vor Augen.




Und heute? Geschäftsführer Reichart verneint die Traditionslinien seines Senders nicht. Auch nicht die Anfänge als Intellektuellen-Kanal: "Das ist immer noch Teil der Marke. Wir sind auf das Erbe stolz. Als Markenkern hätte es aber nicht gereicht, um zu überleben." Vox sei heute breiter aufgestellt.




Viele Investitionen flossen in den vergangenen Jahren in Eigenproduktionen. Man habe zum Beispiel schon vor längerer Zeit beschlossen, unabhängiger von US-Ware werden zu wollen, sagt Reichart. Das ist auch notwendig, weil es neue Spieler wie den Streamingdienst Netflix gibt. US-Serien sind viel leichter verfügbar als früher. "Vor fünf Jahren waren unsere besten Abende am Montag, Mittwoch, Freitag - die Serien-Abende. Das ist heute nicht mehr so", sagt Reichart.




Der Mut zur Eigenproduktion zahlte sich aus. Zuletzt hatte der Sender einen regelrechten Lauf. "Die Höhle der Löwen", "Club der roten Bänder" oder "Sing meinen Song" fuhren und fahren beste Quoten ein und bedrängen in der Primetime die Platzhirsche der Senderlandschaft.




2017 lag der Anteil der Eigenproduktionen zwischen 13 Uhr und 0 Uhr nach Vox-Angaben bei fast 80 Prozent. Medienwissenschafter Joachim Trebbe sieht bei dem Sender dabei auch einen "brutalen" Trend zu Realityformaten - echte Menschen werden beim Kochen, Shoppen, Heiraten gezeigt. Man merkt an der Aufzählung: Trotz aller Neuerungen haben die weichen Themen bei Vox immer noch ein Zuhause.




Geschäftsführer Reichart berichtet, dass seinem Sender in Image-Studien fast immer die Attribute Wohlfühlen, Nähe und Vertrauen zugerechnet werden. Er findet das gut, sieht es aber auch als Zeichen, dass noch mehr frischer Wind rein muss. "In der letzten Studie kam dann heraus, dass Vox - wenn es ein Tier wäre - in der Daytime eine Katze ist. Ein liebevoller, charmanter Begleiter", sagt er. "In der Primetime werden wir aber zum Gepard. Da wollen wir nicht kuscheln, sondern fahren auch mal die Krallen aus."
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