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Vorhofer- und Hochner-Preise im Zeichen der "Umbruchszeit" verliehen

Manuel Tauber-Romieri
Corinna Milborn ist eine der Preisträger und ist sich mit Michael Sprenger von der Tiroler Tageszeitung einig: Österreich stehe in einer "Umbruchszeit" (Milborn) - eine Herausforderung für Journalisten ebenso wie politische Akteure.
Corinna Milborn ist eine der Preisträger und ist sich mit Michael Sprenger von der Tiroler Tageszeitung einig: Österreich stehe in einer "Umbruchszeit" (Milborn) - eine Herausforderung für Journalisten ebenso wie politische Akteure.

Sprenger und Milborn ausgezeichnet - Ruf nach einer neuen Debattenkultur

Mit Plädoyers für eine neue "Debattenkultur" und den kritischen Journalismus sind am Montag der diesjährige Vorhofer-Preis sowie der Hochner-Preis vergeben worden. Die Preisträger Michael Sprenger ("Tiroler Tageszeitung") und Corinna Milborn (Puls 4) waren sich einig: Österreich stehe in einer "Umbruchszeit" (Milborn) - eine Herausforderung für Journalisten ebenso wie politische Akteure.

Auch Bundespräsident Alexander Van der Bellen, in dessen Amtsräumlichkeiten die Verleihung traditionsgemäß stattfand, nahm Bezug auf die "politischen Turbulenzen" dieser Tage - sowie die Mediendebatte in der Folge der Rücktritte von Reinhold Mitterlehner (ÖVP) und Eva Glawischnig (Grüne). Van der Bellen forderte eine "bessere Gesprächskultur" ein, eine "Kultur des Respekts". Zugleich reflektierte er die Rolle der Sozialen Medien, die Politikern den direkten Kontakt zu den Bürgern ermöglichen. "Ein kleiner Tweet kann heute die ganze Welt verändern", sagte der Präsident.

"Aber Recherche, Nachdenklichkeit, Gelassenheit passen nicht in die 140 Zeichen von Twitter und Co. Notwendig sind nach wie vor Geduld, Erfahrung, Zähigkeit, ein präziser Blick und Vorurteilslosigkeit. Genau für diese Qualitäten werden Corinna Milborn und Michael Sprenger heute ausgezeichnet."Milborn widmete sich in ihrer Dankesrede ebenfalls den sozialen Netzwerken. Die Politik nutze diese, um sich "nicht mehr dem kritischen Nachfragen zu stellen, sondern stärker auf Selbstinszenierung zu setzen".

Das sei "besorgniserregend", brauche es doch eine "kritische Instanz, die im Dienst der Öffentlichkeit" agiere. Milborn kritisierte auch die "Tendenz, kritische Nachfragen als ungebührlich darzustellen"."Ein konsequent geführtes Interview ist kein Verhör", meinte auch Franz C. Bauer, Präsident der Journalismusgewerkschaft, mit Blick auf die Kritik an ZiB2-Anchor Armin Wolf.

Er forderte ein Bekenntnis der Verleger, aber auch der Politik zu einer gesunden wirtschaftlichen Grundlage für kritischen Journalismus ein. Presseförderung an Medien, die ihre Redakteure nicht nach dem Journalismus-KV anstellen, lehnt er weiterhin ebenso ab wie öffentliche Mittel für Gratiszeitungen.Milborn warnte vor Bots, also automatisierten Social-Media-Accounts, gegen die es Regeln brauche. "Wenn wir das laufen lassen und uns diesen Bot-Armeen ausliefern, dann wird das in diesem Land etwas verändern."

An junge Journalisten appellierte sie, nicht schon die "Schere im Kopf" zu aktivieren "bevor die erste Frage gestellt wird". Oft hätten diese Bedenken, sich vom Interview-Gegenüber Kritik einzuhandeln - oder auf Facebook und Twitter. "Wir machen Journalismus nicht für unsere eigene Blase", mahnte Milborn.Eine "unterentwickelte Debattenkultur" in Österreich beklagte Michael Sprenger in seiner Dankesrede. Dabei "stehen wir am Beginn eines Wahlkampfes, der eine Zeitenwende bedeuten könnte".

In der großen Umbruchszeit der jüngeren Vergangenheit, 1986, sei eine breite Debatte entstanden, dazwischen aber habe sich ein "Trägheitsmoment" breitgemacht. "Mit 140 Zeichen ist diese Kultur nicht wiederzubeleben", so Sprenger.Er sieht den Plan der Politik, ihre Klientel direkt über Soziale Medien zu erreichen, als "breiten Widerstand gegen diese Debattenkultur". Politiker suchten sich am liebsten ihre "Haus- und Hofjournalisten": "Unsere Antwort kann nur ernsthafter Journalismus sein."

Gefordert seien hier auch die Verleger. "Die fetten Jahre in den Medienhäusern sind vorbei, aber wir sollten noch gute vor uns haben", so Sprenger. Seine Bitte an die Chefetagen daher: Bevor das nächste Mal der "Rotstift in die Hand" genommen wird, sollten sie sich fragen, ob ihre Redaktionen mit weiteren Einsparungen ihre wesentlichen demokratiepolitischen Aufgaben noch wahrnehmen können.
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