VÖZ Public Value Bericht: Plädoyer für faire ...
 

VÖZ Public Value Bericht: Plädoyer für faire Spielregeln

David Bohmann
Im Rahmen der Präsentation des Public Value Berichts hob VÖZ-Präsident Thomas Kralinger einmal mehr hervor, dass die Digitalisierung mittlerweile untrennbar mit der Tätigkeit der österreichischen Verleger verbunden sei.
Im Rahmen der Präsentation des Public Value Berichts hob VÖZ-Präsident Thomas Kralinger einmal mehr hervor, dass die Digitalisierung mittlerweile untrennbar mit der Tätigkeit der österreichischen Verleger verbunden sei.

Der fünfte VÖZ Public Value Bericht beschäftigt sich mit dem Medien­wandel, der Geschäftsgrundlagen und Gesellschaftssysteme gleichermaßen fordert.

Dieser Artikel erschien auch in der HORIZONT-Printausgabe 48/2016 vom 2. Dezember. Hier geht's zum Abo.

Nur vier Länder - Japan, die Schweiz, Guatemala und Kuwait - haben höhere Zeitungsreichweiten als Österreich. Hierzulande erreichen Tageszeitungen 68,4 Prozent der Bevölkerung. Das ist dem fünften Public Value Bericht des Verbandes Österreichischer Zeitungen (VÖZ) zu entnehmen, der sich mit dem "Journalismus im Strukturwandel der Öffentlichkeit" beschäftigt und heute präsentiert wurde. Im Rahmen der Präsentation betonte VÖZ-Präsident Thomas Kralinger den gesellschaftlichen Mehrwert der Zeitungen und Magazine, der seit 2012 mit dem Public Value Bericht unterstrichen werden soll. Neben den Schwerpunkten Medienökonomie und Demokratie setzt sich dieser mit den Grundvoraussetzungen und Rahmenbedingungen auseinander, die es braucht, um auch in Zukunft einen gesellschaftlichen Mehrwert zu gewährleisten.

Herausgeber und Geschäftsführer von Medien, Chefredakteure, Journalisten, Kommunikationswissenschaftler, Medienökonomen, Werbetreibende und weitere Experten sind sich im diesjährigen Public Value Bericht unisono einig: Der fortschreitende Medienwandel verändert nicht nur die Geschäftsgrundlagen für Zeitungen und Magazine, sondern stellt auch unser Gesellschaftssystem vor neue Herausforderungen. Einmal mehr hebt Kralinger hervor, dass die Digitalisierung mittlerweile untrennbar mit der Tätigkeit der österreichischen Verleger verbunden sei. Allerdings würden es die gesetzlichen Rahmenbedingungen den heimischen Herausgebern erschweren, jene Innovationskraft zu entfalten, die es braucht, um die digitale Transformation langfristig zu meistern. "Wenn wir eine Presselandschaft haben wollen, die für die Gesellschaft einen nachhaltigen Mehrwert produziert, dann ist es höchste Zeit, dass die nationale und europäische Politik für faire Spielregeln sorgen", fordert Kralinger.

Unerschütterliches Vertrauen

Mit der hohen Relevanz von Medienmarken per se setzte sich der Kommunikationswissenschafter Matthias Karmasin auseinander. "Die Marke ist ein Unterschied, der einen Unterschied macht - auch wenn man vielleicht ex ante gar keinen erkennen kann", so Karmasin im Public Value Bericht. Die Medienmarke würde Garant dafür sein, welche Art der Nachrichtenauswahl, welche Art der Kommentierung, welchen Schreibstil und welche Art der Unterhaltung erwartet werden könne. "Man weiß also in etwa, was man bekommt, wenn man zur Bild Zeitung an Stelle der FAZ greift - auch ohne die konkrete Ausgabe zu kennen", sagt Karmasin. Die hohe Zahl von Abonnenten im Tageszeitungsbereich und die hohe Zahl von Menschen, die etwa TV- oder Radionachrichten auf nur einem Sender konsumieren würden, würde zeigen, dass "wenn das Vertrauen in eine Medienmarke einmal etabliert ist, es schon viel braucht, um dieses nachhaltig zu erschüttern".

Keynote und Podiumsdiskussion

Im Anschluss an die Präsentation des Public Value Berichts hielt der deutsche Jurist und ehemalige Bundesverfassungsrichter Udo Di Fabio eine Keynote zur "Herstellung von Öffentlichkeit sowie zur Orientierungsfunktion klassischer Medien", in der er folgendes festhielt: "Es muss uns gelingen, die Ordnungsfunktion der Medien hervorzuheben und wiederherzustellen." Danach diskutierten Di Fabio, "Presse"-Chefredakteur Rainer Nowak, "Falter"-Herausgeber Armin Thurnher und Philosoph Alfred Pfabigan über den journalistischen Mehrwert in Zeiten des digitalen Wandels. Moderiert wurde die Diskussion von "News"-Medienredakteurin Julia Schnitzlein-Riedler.
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