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VÖZ-Generalversammlung: Journalismus auf der Suche nach Vertrauen

"Süddeutsche"-Journalist Prantl warnte vor Beugung vor "echten und vermeintlichen Sparzwängen"

Geht es nach Heribert Prantl, so sind nicht Konkurrenzangebote im Netz, einbrechende Werbeerlöse oder verlagsinterne Sparzwänge die größte Gefahr für den Qualitätsjournalismus. "Es ist vielmehr ein Journalismus, der seine eigenen Kernaufgaben verachtet", erklärte der Innenpolitikleiter der "Süddeutschen Zeitung" am Donnerstag im Rahmen der 60. Generalversammlung des Verbands Österreichischer Zeitungen (VÖZ) in Wien. Das (zurückzuholende) Vertrauen der Leser und ein Besinnen auf die wesentlichen Bedingungen der Pressefreiheit identifizierte er daher als zukunftsfördernd für die Branche.

Internet als Chance

"Zeitungen, egal ob regional oder national, sind systemrelevant. Es geht dabei um umfassende Informationen, Diskussion und Diskussionskultur. Und das System heißt Demokratie", betonte Prantl in seiner Keynote, die ihn von den Anfängen der freien Presse vor mehr als 150 Jahren bis zu aktuellen Tendenzen der digitalen Informationstechnologie führte. So sei "das Internet nicht Gefahr, sondern vielmehr Chance", gerade wenn beide Seiten - Online wie Print - sich auf ihre jeweiligen Stärken verlassen würden. Durch die Verbindung von Aktualität und Analyse würde damit auch die demokratiefördernde Kompetenz von Journalismus weiterhin wahrgenommen.

Leidenschaft statt "Larifari"

Auf der anderen Seite nahm Prantl auch die Verleger in die Pflicht, die teils "Qualitätsjournalismus aus echten und vermeintlichen Sparzwängen kaputt machen". Dabei sei jene von ihm attestierte Systemrelevanz aber keinesfalls durch Outsourcing oder Billigjournalismus zu erreichen. Es brauche Leidenschaft statt "Larifari", schließlich komme "Qualität ja auch von Qual". "Das Motto darf dabei nicht lauten 'Online first' oder 'Print first', sondern 'Qualität first'", so Prantl. Nicht zuletzt anhand der Krise der US-Branche werde nachvollziehbar, wie stark der Vertrauensverlust der Leser Niederschlag findet, wenn Zeitungen "nur noch als Geldquellen wahrgenommen und nach industriellen Standards geführt werden".

Sich neuen Entwicklungen stellen

Der deutsche Mathematiker und ehemalige IBM-Vordenker Gunter Dueck widmete sich anschließend den Konsequenzen der Digitalisierung für die Informationsgesellschaft, wobei der Blogger amüsant und zugespitzt neue Auswüchse einer automatisierten und rationalisierten Gesellschaft vor Augen führte. Gerade angesichts junger Nutzer mit "einer Hosentasche voller Apps" müsse man sich aus Mediensicht überlegen, wo und wie man diese künftigen Leser abholen könnte. Neuen Entwicklungen müsse man sich stellen: "In die Zukunft kann leicht sehen, wer ihren Anblick erträgt."

Kooperation

Einleitend verkündete VÖZ-Präsident Thomas Kralinger den Schulterschluss zwischen dem Zeitungsverband sowie dem Österreichischen Zeitschriften- und Fachmedienverband (ÖZV). Mehr dazu hier.

VÖZ-Kampagne

Der VÖZ-Präsident ging auch neuerlich auf eine Kampagne des Verbands ein, die vor einigen Wochen heftige Kritik in der Netzgemeinde hervorrief (HORIZONT online berichtete). Dabei versuchte der VÖZ die Vorteile und vor allem Verlässlichkeit Kaufzeitungen und -magazinen im Gegensatz zu den Sozialen Netzwerken und dort verbreitenden Informationen hervorzustreichen. "Wir wollten damit auf die zweite Seite dieser Medaille hinweisen", verwies Kralinger etwa auf Falschmeldungen im Zuge der Suche nach den Verantwortlichen der Bombenanschläge in Boston.

Mehr dazu lesen Sie in der HORIZONT-Ausgabe 28/2013 (ET: 28. Juni).

(APA/red)
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