VÖZ fordert "Österreich-Programm"
 

VÖZ fordert "Österreich-Programm"

Kralinger: Soll journalistische Leistungen sicherstellen - Leistunggschutzrecht und Aufstockung der Presseförderung. VÖZ startet Kampagne

Die Zeitungsverleger fordern anlässlich des Tages der Pressefreiheit am 3. Mai konkrete Schritte zur Sicherung der heimischen Presse. Auch wenn Zeitungen hierzulande noch immer fast 73 Prozent der Bevölkerung erreichen und die Leser auch weiterhin bereit sind, für Zeitungen zu zahlen, werde es zunehmend schwieriger, journalistische Inhalte in gewohnter Qualität zu finanzieren, warnte der Präsident des Verbandes Österreichischer Zeitungen (VÖZ), Thomas Kralinger, am Donnerstag in einer Aussendung. Er fordert daher ein „Österreich Programm“. Dieses solle sicherstellen, dass heimische journalistische Inhalte auch geschaffen werden können, wenn österreichische Werbegelder weiter zu globalen Playern am Online-Werbemarkt abwandern. Das Paket sollte laut VÖZ folgende Punkte beinhalten: ein Leistungsschutzrecht für Presseverlage, damit Zeitungen an der Verwertung ihrer Inhalte durch Dritte partizipieren können sowie eine Reform und Aufstockung der Presseförderung auf 50 Millionen Euro.

EU in der Pflicht

Darüber hinaus appelliert Kralinger an die Verantwortung der Europäischen Union bei der Sicherung von Freiheit und Vielfalt der Medien am Kontinent. Dazu müsse ein forscheres Auftreten der Kommission gegen die Manipulation von Suchergebnissen und Datenschutzverletzungen sowie ein beherzteres  Eintreten für strengere Copyright-Richtlinien zählen. „Auch Brüssel ist aufgerufen Schritte zu setzen, um den freien und unabhängigen europäischen Mediensektor zu stärken“, fordert der VÖZ-Präsident. 

Amtsgeheimnis abschaffen

Kralinger appelliert außerdem an die Bundesregierung, das Informationsfreiheitsgesetz noch vor der Nationalratswahl im Herbst zu beschließen. „Das Amtsgeheimnis muss noch in dieser Legislaturperiode der Vergangenheit angehören, mit dem Informationsfreiheitsgesetz kann die freie Presse in ihrer Kontroll-Funktion entscheidend gestärkt werden.“ 

Social Media "nicht genug"

Der VÖZ begleitet den Tag der Pressefreiheit mit einer eigenen Werbekampagne. Drei Sujets sollen die Bedeutung der Zeitungen im modernen Medienalltag herausstreichen. Die Punchline: Social Media ist nicht genug. Dies haben auch die Ereignisse rund um die Attentate von Boston gezeigt, sagt Kralinger. „Innerhalb weniger Sekunden vermischten sich in Boston Informationen, Gerüchte und Falschmeldungen und wurden millionenfach via Sozialer Medien verbreitet." Auch klassische Medien wie der Fernsehsender CNN seien "zum Sprachrohr der Gerüchteküche" mutiert. "Zeitungen erwiesen sich jedoch meist als glaubwürdiger Fels in der Brandung", argumentiert Kralinger. "Mit wenigen Stunden Verzögerung konnten sie eine Ebene der Reflexion in die Berichterstattungs-Flut einziehen, die es erlaubte, die Informationen für die Leser zu filtern und richtig zu bewerten, so dass man sich auf die Zeitungsinhalte verlassen konnte.“

2012 starben weltweit 68 Journalisten
 
Nach Angaben des Weltzeitungsverbandes (WAN-IFRA) wurden im vergangenen Jahr 68 Journalisten getötet, die meisten davon (16) im Zuge des Syrien-Konflikts. Danach folgt Somalia mit 14 Journalisten, die in Ausübung ihrer beruflichen Tätigkeit getötet wurden. Insgesamt wurden zwischen 2002 und 2012 mindestens 801 Journalisten getötet. Darüber hinaus haben 85 Prozent der Weltbevölkerung keinen oder nur eingeschränkten Zugang zu freier Presse.
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