"Vierte Gewalt für Meinungsfreiheit unabdingb...
 

"Vierte Gewalt für Meinungsfreiheit unabdingbar"

Johannes Brunnbauer
Bundeskanzlerin Brigitte Bierlein beim Auftakt der Medientage mit einem Bekenntnis zu "haptischen" Medien, vulgo Print.
Bundeskanzlerin Brigitte Bierlein beim Auftakt der Medientage mit einem Bekenntnis zu "haptischen" Medien, vulgo Print.

Im Gespräch mit HORIZONT-Herausgeberin Dagmar Lang betont Bundeskanzlerin Brigitte Bierlein bei den Österreichischen Medientagen 2019 die Bedeutung einer vielfältigen Medienlandschaft - und gab darüber hinaus Einblicke in ihr privates Medienkonsumverhalten.

"Die Medienfreiheit ist unabdingbar für freien Journalismus", schloss sich Bierlein den Worten aus der Eröffnungsrede von HORIZONT-Chefredakteur Jürgen Hofer an, der die Notwendigkeit einer Berichterstattung frei von politischen Interventionen hervorgestrichen hatte. Von jener Freiheit sieht die nunmehrige Bundeskanzlerin auch ihre eigene Übergangsregierung nicht ausgeschlossen. Dennoch freue sie sich über die bislang "freundliche Berichterstattung", die wohl auch einem sachlichen, unaufgeregten Regierungsstil geschuldet ist - oder in Bierleins Worten einer "langweiligen Regierung ohne Skandale".

Bierlein selbst informiert sich vorrangig über Print-"Qualitätsmedien": "Ich bin noch der haptische Typ, Online-Medien sind nicht so meins". Auch im Lichte der bevorstehenden Nationalratswahlen sieht die ehemalige Verfassungsgerichtshof-Präsidentin Filter Bubbles kritisch. Bierlein selbst ist nicht auf Facebook oder Twitter anzutreffen, über Inhalte vor allem aus den digitalen Medien lässt sie sich von ihrem Presseteam auf dem Laufenden halten. Selfies gegenüber sei sie allerdings immer "aufgeschlossen", wie sie gegenüber Lang mit Augenzwickern ausführte.

Bundeskanzlerin Brigitte Bierlein im Gespräch mit HORIZONT-Herausgeberin Dagmar Lang
Johannes Brunnbauer
Bundeskanzlerin Brigitte Bierlein im Gespräch mit HORIZONT-Herausgeberin Dagmar Lang

"Nicht nachvollziehbare" Recherche bei News auf Facebook

Die Besteuerung der US-Digitalgiganten betrachtet Bierlein dagegen als europäische Aufgabe. Nationale Alleingänge à la Digitalsteuer würden langfristig nicht zum Ziel führen. Schließlich gelte es, Facebook und Co auch in puncto Fake News Einhalt zu gebiebten: "Hier ist für den Leser nicht nachvollziehbar, wie recherchiert wurde". Weiters seien Medien hierzulande ein "bedeutender Wirschaftsfaktor" - und sollen es wohl auch in Zukunft bleiben.

Stolz zeigt sich Bierlein über Headlines ihrer Kanzlerschaft, die den ausgewogenen Frauenanteil ihrer Regierungsmannschaft hervorstreichen. Jenes Geschlechterverhältnis sieht sie auch als Auftrag für die künftige Regierung. Und mit einem Lächeln auf den Lippen: "Ich hoffe, dass die nächse Regierung die Legislaturperiode von fünf Jahren überdauert."

stats