Vertraut Medien, nicht Plattformen!
 

Vertraut Medien, nicht Plattformen!

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Leitartikel von Jürgen Hofer, stv. Chefredakteur.

Fake News sind die Irrlichter der medialen Gegenwart. Gesellschaft, Politik und Medien ringen um die Frage, wie Falschmeldungen Einhalt geboten werden kann – denn diese haben ihren Status als ärgerliche Irreführung längst überschritten und sind zur realen Bedrohung mutiert. Während der US-Wahlkampf noch in schlechter Erinnerung verhaftet ist, wirft die deutsche Bundestagswahl bereits ihre Schatten voraus. Laut einer repräsentativen forsa-Umfrage rechnen 44 Prozent damit, dass Falschmeldungen im Bundestagswahlkampf eine entscheidende Rolle spielen werden.

Der gezielte Einsatz von Social Bots und Fake News mit dem Ziel, Gerüchte in Umlauf zu bringen, Kandidaten zu diskreditieren und damit den Wahlausgang zu beeinflussen, ist längst keine Utopie mehr. Die überwältigende Mehrheit der Deutschen meint laut einer Erhebung des deutschen Digitalverbands Bitkom deswegen auch, dass die Betreiber von Plattformen diejenigen sperren sollten, die Falschmeldungen verbreiten. Zudem müssten soziale Netwerke strenger prüfen und löschen; wenngleich mehr als zwei Drittel die Verantwortung nicht völlig in die Hände von Facebook und Co legen möchte – zu groß scheint die Sorge vor Willkür und intransparentem Löschen jenseits des großen Teichs.

Nun tritt eben Facebook, willkommener Nährboden für das Gedeihen und die Verbreitung von Falschmeldungen, den Kampf gegen Fake News an. Auf Facebook gepostete Artikel, die unglaubwürdig erscheinen, werden rot umrandet mit dem Hinweis „disputed“ („umstritten“) versehen. Von Nutzern gemeldete oder der hauseigenen Software erkannte Inhalte werden an Faktencheck-Unternehmen weitergeleitet und geprüft. Deren Urteil dauert mitunter Tage, bis dahin wird weiter fleißig geliked, verbreitet und falsch informiert. Anhand welcher Parameter diese prüfen, urteilen und kennzeichnen, bleibt wie so oft bei US-Giganten undurchsichtig. Fakten zu prüfen ist kein Novum.

Längst existieren etablierte Institutionen, deren Kernaufgabe das Prüfen von Information darstellt: klassische Medien. Der drohende Verlust der Informationshoheit durch Fake News und das Einmischen externer Faktenchecker muss für Medienhäuser eine Besinnung auf die ureigensten Fähigkeiten bedeuten – und damit eine Chance für deren Know-how und Kerngeschäft bieten. Mit Nachrichten, die unbeeinflusst, nachvollziehbar und vor allem eines sind: wahr. 
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